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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rothière, La; Rothkosteletz; Rotholz; Rothölzer; Rotholzlacke; Rothorn; Rothschild

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Rothière, La - Rothschild.

Rothière, La (spr. rottjähr), Dorf im franz. Departement Aube, nördlich von Bar sur Aube, bekannt durch den Sieg der Verbündeten unter Blücher über Napoleon I. im Befreiungskrieg 1. Febr. 1814.

Rothkosteletz, Stadt in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Neustadt a. d. Mettau, an der Österreichischen Nordwestbahn (Linie Josephstadt-Liebau), mit Baumwoll- und Leinweberei, Färberei und (1880) 2405 Einwohnern.

Rotholz, bei niedriger Temperatur verkohltes Buchenholz (Röstholz), zeigt die unveränderte Struktur des Holzes, ist aber rotbraun, leichter zerbrechlich, macht auf Papier einen schwachen braunen Strich, spez. Gew. 0,54, ist sehr wenig hygroskopisch, entzündet sich leichter als das trockenste Buchenholz und entwickelt bei der Verbrennung zunächst und relativ schnell eine große, leuchtende Flamme, worauf gewöhnliche Holzkohle zurückbleibt. Der Wärmeeffekt, den man mit gleichen Gewichtsteile lufttrocknen Buchenholzes und lufttrocknen Rotholzes erzielen kann, verhält sich wie 1:1,5. Wegen der intensiven Hitze, welche das R. beim Verbrennen entwickelt, eignet es sich zu vielen technischen Zwecken. - R. ist auch der Name mehrerer Farbhölzer, welche ein rotes Pigment enthalten und zum Rotfärben von Geweben dienen, die mit Thonerde gebeizt sind. Sie stammen von mehreren Arten der Pflanzengattung Caesalpinia (s. d.) ab und kommen aus Ostindien, Südamerika und von den Antillen in den Handel. Man unterscheidet: Fernambukholz (echtes Brasilienholz), von Caesalpinia echinata in Brasilien, runde oder abgeplattete, vom Splint befreite Scheite oder Blöcke, ist sehr hart und fest, schwerer als Wasser, außen rot, im Innern und auf der frischen Spaltfläche gelbrot, nach längerm Liegen an der Luft rotbraun, riecht schwach aromatisch, schmeckt süßlich, gibt mit Wasser einen sehr schön roten Auszug; Brasilienholz, von C. brasiliensis auf den Antillen und wahrscheinlich auch in Brasilien, harte, feste, politurfähige Stücke, auf frischer Bruchfläche ziegelrot, an der Luft sich bräunend, steht an Färbekraft dem vorigen etwa um die Hälfte nach; St. Marthenholz (fälschlich Martinsholz), von C. crista in Westindien, stark gefurchte, ungespaltene Stammstücke, zum Teil noch mit der innern Rinde bedeckt, hart, fest, schwer, außen gelblichweiß, innen rötlichgelb, steht dem Fernambukholz bedeutend nach. Die Zweige dieses Baums liefern wahrscheinlich auch das Nicaraguaholz, welches in armsdicken, mit der Rinde versehenen, stark gewundenen, durchlöcherten Stücken in den Handel kommt; Sapanholz (Japanholz), von C. Sappan in Siam, Ostasien, Westindien und Brasilien, rindenfreie Kloben oder Zweige, ist fest, schwer, politurfähig, heller rot als die übrigen Hölzer. Hierher gehören auch das Lima-, Siam- und Padangholz. Andre Rothölzer von geringerer Bedeutung sind: das Brasiliettholz (Bahamaholz), Californiaholz, Terrafirmaholz und Bahiaholz. Das R. enthält einen, wie es scheint, allen Arten gemeinsamen Farbstoff, das Brasilin (s. d.), welcher darin als Glykosid vorhanden ist. Man benutzt das R. zum Teil in der Kunsttischlerei, namentlich aber in der Färberei und Zeugdruckerei und erhält damit schöne, aber nicht sehr echte Farben; auch bereitet man aus dem R. Lackfarben, rote Tinte etc. Afrikanisches R. ist das Camwood von Baphia nitida.

Rothölzer, s. Erythroxyleen.

Rotholzlacke, rote, sehr verschieden nüancierte Lackfarben aus Fernambuk-, Sapan- und Marthaholz, werden dargestellt, indem man einen mit Wasser oder Dampf bereiteten Auszug längere Zeit stehen läßt, dann klar abgießt, mit Alaun versetzt und anhaltend mit Stärkemehl und Kreide zusammenrührt. Die vom Bodensatz abgegossene Flüssigkeit wird wiederholt in gleicher Weise behandelt, während der Bodensatz mit frischer alaunhaltiger Brühe angerührt wird. In dieser Weise erschöpft man die Farbebrühen und reichert den Lack beliebig an, der schließlich ausgewaschen und getrocknet wird. Derartige Präparate sind: Wiener Lack, Wiener, Berliner Rot, Karmesinlack. Gießt man die alaunhaltige Farbebrühe auf die Kreide und setzt dann Zinnsalz oder Soda zu, so erhält man einen Rotholzlack, der, mit Kleister, Gummi oder Leim in Tafelform gebracht, das Neurot, mit einer Lösung von Harz in Terpentinöl zu Kugeln geformt, den Kugellack bildet. Die Purpurlacke aus Rotholz sind stets mehr hochrot und deckender und intensiver. Sie werden dargestellt, indem man alte klare Abkochung von Rotholz mit Kreide, Gips und Schwerspat anrührt, dann arsenige Säure und Pottasche und endlich Alaunmehl zusetzt. Zu Rosalacken nimmt man neben Gips und Thon nur wenig Kreide, auch nüanciert man diese Lacke mit Alaun. Violette Lacke werden in derselben Weise, aber aus frischen Abkochungen dargestellt. Alle R. sind als Öl- und Wasserfarbe benutzbar; sie sind sehr durchscheinend, werden durch Kalk fast blau und am Licht sehr schnell zersetzt.

Rothorn, Name vieler Alpenhörner, nach der Farbe des Felsgesteins, insbesondere das Brienzer R. (2351 m), ein Bergstock der Luzerner Alpen, auf der Grenze der Kantone Luzern, Bern und Unterwalden.

Rothschild, das bedeutendste und reichste aller Bankhäuser unsers Jahrhunderts. Der Begründer desselben ist Mayer Anselm R. Als Sohn einfacher jüdischer Handelsleute 1743 zu Frankfurt a. M. geboren, besuchte er, zum Rabbiner bestimmt, einige Jahre die Religionsschule zu Fürth, widmete sich jedoch bald dem Handel und trat als Gehilfe in ein Bankiergeschäft zu Hannover. Mit einem kleinen Vermögen nach Frankfurt zurückgekehrt, gründete er hier ein eignes Wechselgeschäft. Tüchtigkeit, Fleiß und Gediegenheit des Charakters erwarben ihm schnell bedeutende Aufträge und wachsenden Kredit. Durch seine Kenntnisse im Münzwesen kam er in mannigfache Berührung mit dem Landgrafen, nachherigen Kurfürsten Wilhelm I. von Hessen, der ihn 1801 zu seinem Hofagenten ernannte. Im nächsten Jahr schloß R. das erste große Anlehen seines Hauses mit dem dänischen Kabinett im Betrag von 10 Mill. Thlr. ab. Als 1806 der hessische Kurfürst vor den einrückenden Franzosen floh, übertrug er R. die Sorge für sein Privatvermögen, und es gelang diesem, nicht ohne persönliche Gefahr, dasselbe zu retten. R. starb 19. Sept. 1812 und hinterließ außer fünf Töchtern fünf Söhne, von denen der älteste das Stammgeschäft in Frankfurt übernahm, die andern in Wien, Paris, London und Neapel neue Häuser gründeten, welche zwar selbständig operierten, aber beständige Fühlung mit dem Frankfurter Haus "M. A. v. R. u. Söhne" behielten. Nachdem sie, mit Ausnahme Nathans, schon 1815 vom Kaiser von Österreich in den Adelstand erhoben worden, wurden sie 1822 sämtlich in den österreichischen Freiherrenstand aufgenommen.

1) Anselm Mayer, geb. 12. Juni 1773, wurde 1813 als Chef des Rothschildschen Stammhauses zum preußischen Geheimen Kommerzienrat ernannt, war seit 1820 bayrischer Konsul und Hofbankier und starb 6. Dez. 1855 kinderlos in seiner Vaterstadt. Sein Neffe Karl, Sohn des gleichnamigen Bruders (s. 4), geb. 5. Aug. 1820, gest. 16. Okt. 1886, folgte ihm als Chef