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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rothenditmold; Rothenfelde; Rothenfels; Rother; Rotherham; Rotherhithe; Rothesay; Rothhoffit

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Rothenditmold - Rothhoffit.

Besitzungen und behielt die meisten auch nach dem Bauernkrieg, an dem es, durch Karlstadt aufgehetzt, sich beteiligte. Auch am Schmalkaldischen Bund nahm die Stadt teil und wurde, als sie 1554 den aufständischen Albrecht von Brandenburg-Kulmbach begünstigte, von Karl V. besetzt. Am 12. Sept. 1619 fand in R. eine Zusammenkunft der Teilnehmer an der Union statt, wobei man darüber verhandelte, ob Friedrich von der Pfalz die böhmische Krone annehmen sollte. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt bald von den Schweden, bald von den Kaiserlichen und 1645 von den Franzosen erobert. An Bayern kam sie 1803. Als Reichsstadt hatte dieselbe ein Gebiet von 358 qkm (6½ QM.) mit 18,000 Einw. Vgl. Winterbach, Geschichte der Reichsstadt R. (Rothenb. 1826-27, 2 Bde.); Bensen, Beschreibung und Geschichte der Stadt R. (Erlang. 1856); Merz, R. in alter und neuer Zeit (2. Aufl., Ansb. 1881). - 2) R. in der Oberlausitz, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Liegnitz, 155 m ü. M., hat 2 evang. Kirchen, ein Amtsgericht, ein Schloß mit Park, großer Baumschule und Ananaszucht, ein großes Mühlwerk, Holzstoff-, Öfen- und Töpferwarenfabrikation, Leinweberei und (1885) 1311 Einw. - 3) R. an der Oder, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Liegnitz, Kreis Grünberg, 4 km von der Oder, Knotenpunkt der Linien Bentschen-Guben und Breslau-Stettin der Preußischen Staatsbahn, hat eine evangelische und eine altluther. Kirche und (1885) 624 Einw. R. gehörte früher zur Neumark. - 4) Dorf im preuß. Regierungsbezirk Merseburg, Saalkreis, an der Saale, hat ein Kupferhammer- und -Walzwerk, eine Eisengießerei, Sandsteinbrüche und (1885) 1069 Einw. - 5) Burgruine im schwarzburg-rudolstädt. Amt Frankenhausen, auf der westlichen Spitze des Kyffhäusers (s. d.) über Kelbra gelegen, 306 m ü. M., beliebter Vergnügungsort für die Umgegend. Vgl. Hesse, Geschichte des Schlosses R. (Naumb. 1823).

Rothenditmold, Dorf im preuß. Regierungsbezirk und Landkreis Kassel, hat Textilindustrie und Eisenbahnwaggonfabrikation und (1885) 2759 Einw.

Rothenfelde, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Osnabrück, Kreis Iburg, an der Linie Osnabrück-Brackwede der Preußischen Staatsbahn, 112 m ü. M., mit Solquelle von 18° C., Saline und Solbad, Kinderheilanstalt, Sodafabrikation und (1885) 562 Einw. Vgl. Kanzler, Solbad R. (Osnabr. 1881).

Rothenfels, 1) Dorf im bad. Kreis Baden, an der Murg und der Linie Rastatt-Gernsbach der Badischen Staatsbahn, hat ein Schloß nebst Musterlandwirtschaft, Steinhauerei, Mahl- und Sägemühle, Obstbaumzucht, eine salinische Eisenquelle (Elisabethquelle) und (1885) 1587 meist kath. Einwohner. - 2) Stadt im bayr. Regierungsbezirk Unterfranken, Bezirksamt Lohr, am Main und an der Linie Lohr-Wertheim der Bayrischen Staatsbahn, 159 m ü. M., hat eine gotische Pfarrkirche, ein Schloß, ein reiches Hospital, Holzhandel, Sandsteinbrüche und (1885) 655 kath. Einwohner. Dabei das Dorf Bergrothenfels mit Schloß.

Rother, Name mehrerer Flüsse in England, deren wichtigster bei Rotherfield in Sussex entspringt, weiter unterhalb diese Grafschaft von Kent trennt und bei Winchelsea in den Kanal mündet.

Rother (König R.), deutsch-mittelalterliches Gedicht aus dem langobardischen Sagenkreis, ist von einem "fahrenden" Sänger aus den Rheinlanden um 1140 in Bayern abgefaßt und zwar in kurzen Reimpaaren und oft recht ungenauen Reimen. Der Inhalt des Gedichts ist in kurzem folgender: König R., welcher zu Bare (Bari in Apulien, einer der im Mittelalter besuchtesten Überfahrtsstätten nach dem Heiligen Lande) thront, will sich vermählen und sendet zwölf Grafen nach Konstantinopel, daß sie für ihn um des Königs Konstantin Tochter werben sollen. Letzterer, erzürnt über den Antrag, wirft die Boten in den Kerker. Da zieht R. mit Heeresmacht vor Konstantinopel; eine Schar von Riesen, darunter der ungeheure Asprian, begleitet ihn. Unter dem Namen Dietrich begibt er sich zum König, gewinnt seine Neigung sowie auch bald die Liebe seiner Tochter, befreit Konstantinopel von einem feindlichen Heer und entflieht, das Kampfgetümmel benutzend, mit der Königstochter und all den Seinigen in die Heimat. Einem Spielmann des Königs gelingt es indessen, die Königin durch List wieder in die Heimat zurückzuführen. Da zieht R. von neuem nach Konstantinopel, wo eben die Hochzeit der Geliebten mit einem andern gefeiert werden soll, schleicht sich in den Festsaal, wird erkannt und soll gehenkt werden. Im Wald aber, wo er den Tod erleiden sollte, waren die Seinigen verborgen; die Riesen erschlagen den größten Teil seiner Feinde, und der König willigt endlich in Rothers Vermählung mit seiner Tochter. Sie gebar nach der Sage Pippin, den Vater Karls d. Gr. Das Gedicht wurde zuerst in v. d. Hagens und Büschings "Gedichten des Mittelalters" (Bd. 1, Berl. 1811) abgedruckt, dann von Maßmann ("Deutsche Gedichte des 12. Jahrhunderts", Bd. 2, Quedl. 1837), zuletzt und am besten von H. Rückert (Leipz. 1872) und K. v. Bahder (Halle 1884) herausgegeben.

Rother, Christian von, preuß. Staatsminister, geb. 14. Nov. 1778 zu Ruppersdorf in Schlesien, erhielt 1797 eine Anstellung im Polizeifach und kam 1806 als Kalkulator zur Kriegs- und Domänenkammer. Unter dem Ministerium Hardenberg 1810 zum Rechnungsrat ernannt, war er 1815 Spezialbevollmächtigter bei der Verteilung der Kriegsentschädigung, welche Frankreich zu zahlen hatte, ward 1820 Chef der Seehandlung, 1831 unter Erhebung in den Adelstand Direktor der königlichen Bank, bald darauf Präsident der Staatsschuldenverwaltung u. 1836 Staatsminister. In dieser Stellung erwarb er sich durch die Begründung der Staatsschuldentilgungskommission, der Kreditanstalt für Grundbesitzer, vieler Fabriken und Kunststraßen und der sogen. Rother-Stiftung, durch welche aus dem Ertrag verfallener Seehandlungsprämienscheine unversorgte Töchter verstorbener Staatsdiener Wohnung und Geldunterstützung erhalten, große Verdienste. Nach den Märzereignissen von 1848 schied er aus dem Staatsdienst und starb 7. Nov. 1849 auf seinem Gut Rogau in Schlesien.

Rotherham (spr. rótherham), Stadt im südlichen Yorkshire (England), an der Vereinigung des Rother mit dem Don, 10 km nordöstlich von Sheffield, hat eine alte Kirche, ein Seminar der Independenten und (1881) 34,782 Einw. Die Industrie der Stadt liefert Eisenwaren (Schienen, Platten, Öfen), Messingwaren, Glas und irdenes Geschirr, Chemikalien etc.

Rotherhithe (spr. rótherhaith), Stadtteil von London, an der Mündung des Surreykanals in die Themse und oberhalb Deptford, hat großartige Docks und (1881) 36,021 Einw. Der Themsetunnel verbindet R. mit den nördlich der Themse gelegenen Stadtteilen.

Rothesay (spr. róth-sie), Hauptstadt der schott. Insel Bute, an einer schönen Bai, mit Schloßruine, Baumwollwarenfabrik, Werfte und (1881) 8329 Einw. R. wird seines milden Klimas halber viel von Lungenleidenden besucht.

Rothhoffit, s. Granat.