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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rüböl; Rubricelle; Rubrik; Rubrikatoren; Rubrum; Rübs; Rübsaatpfeifer; Rubus

1 ^[Original ohne Seitenzahl]

R.

Das im laufenden Alphabet nicht Verzeichnete ist im Register des Schlußbandes aufzusuchen.

Rüböl, gemeinschaftlicher Name für die fetten Öle, welche aus den Samen des Rapses und Rübsens (s. Brassica und Raps) durch Pressung, seltener durch Extrahieren mit Schwefelkohlenstoff gewonnen werden. Die Ausbeute beträgt 30-40 Proz. Das rohe Öl wird zur Verwendung als Brennöl raffiniert (s. Öle). Raps- und Rübsenöl sind dickflüssiger als Sommerraps-, Kohlsaat- oder Colzaöl; erstere erstarren bei 7°, letzteres erst bei 10°. Das spezifische Gewicht dieser Öle beträgt bei 15°: 0,90-0,92. Der Geschmack ist mild, der Geruch schwach, anfänglich nicht unangenehm; sie lösen sich leicht in Äther, schwerer in Alkohol, bestehen aus den Glyceriden der Ölsäure, Stearinsäure und Erucasäure und trocknen nicht an der Luft. R. dient als Brennöl, zur Darstellung von Seife, zu Maschinenschmiere, zum Einfetten von Leder und Wolle. Zu letzterm Zweck ist ein Präparat aus R. als Kernöl in den Handel gekommen, welches das Baumöl vollständig ersetzen soll. Erhitzt man R. bis nahe zum Sieden, mischt dann 1/32 des Gewichts zerriebene Kartoffelstärke zu und erhitzt weiter, bis sich ein süßlicher Geschmack zeigt, so erhält man das sogen. Schmalzöl, welches zur Verwendung in der Küche und Bäckerei empfohlen worden ist.

Rubricelle (neulat.), das Meßgebetbüchlein der Katholiken, weil in demselben viele Buchstaben rot gedruckt sind.

Rubrik (v. lat. rubrica, Rötel, rote Farberde), ursprünglich der (gewöhnlich rot geschriebene) Titel eines Gesetzes oder andern Schriftstücks; auch die Überschrift der Abschnitte eines Buches, dann in weiterer Bedeutung dieser Abschnitt selbst; daher jetzt allgemein s. v. w. Abschnitt, Klasse, Abteilung. Rubrizieren, etwas mit Überschriften versehen, nach Kapiteln, Klassen etc. ordnen (vgl. Rubrikatoren).

Rubrikatoren (lat.), Maler oder Schreiber, welche in der ersten Zeit nach Erfindung der Buchdruckerkunst die gedruckten Bücher mit farbigen Initialen versahen.

Rubrum (lat., "das Rote"), kurze Inhaltsangabe als Aufschrift (bei Aktenstücken etc.); die an die Spitze eines amtlichen Schriftstücks, einer Eingabe etc. gestellte Bezeichnung der Sache (vgl. Rubrik). Rubrikat, der im R. Genannte.

Rübs (Rübsen), s. Raps.

Rübsaatpfeifer, s. Zünsler.

Rubus L. (Brombeer- und Himbeerstrauch), Gattung aus der Familie der Rosaceen, meist rebenartige und stachlige Sträucher, selten kriechende Kräuter mit abwechselnden, einfachen oder gelappten, meist drei- bis fünfzählig oder unpaarig gefiederten Blättern, weißen oder rötlichen, meist in end- und achselständigen Rispen oder Doldentrauben angeordneten Blüten und einsamigen Steinfrüchten, die unter sich mehr oder minder verwachsen sind. Zahlreiche, über die ganze Erde zerstreute Arten. R. Idaeus L. (echter Himbeerstrauch, Hindbeere, Hombeere, Hohlbeere, Himbesing), ein 0,6-2 m hoher Strauch mit aufrechtem, zweijährigem, im ersten Jahr krautigem, später verholzendem, etwas dornigem oder unbewehrtem Stamm, gestielten, drei- bis siebenzählig gefiederten, an den blühbaren Trieben gedreiten, unterseits zart weißfilzigen Blättern, in wenig- bis ein- oder zweiblütigen, schlaffen, fein behaarten und stachelborstigen Rispen stehenden Blüten und samtartig kurzfilzigen, roten (in Gärten auch gelben bis gelblich weißen), sehr aromatischen Früchten, wächst in Waldungen Europas von 39-70° nördl. Br. und wird in mehreren Varietäten kultiviert. Er verlangt nahrhaften, lockern, milden Boden, einen geschützten, sonnigen Standort, wird durch Wurzelschößlinge oder Ausläufer vermehrt, indem man die einjährigen, bis auf einige Augen zurückgeschnittenen Schößlinge einzeln verpflanzt, und bei 1-1,5 m Höhe fächerförmig an ausgespannte Drähte gebunden. Im folgenden Frühjahr schneidet man die im Vorjahr entwickelten Schößlinge bis zu dem obersten gut ausgebildeten Auge zurück. Die im Lauf des Sommers fruchttragenden Schößlinge werden im Herbst ausgebrochen. Nach je sechs Jahren ersetzt man die Pflanzung durch eine neue. Reichliche Düngung und fleißige Bewässerung erhöhen den Ertrag wesentlich. Empfehlenswerte Sorten sind: Fastolff, Herrenhäuser Königshimbeere, roter und gelber Antwerpener, Prince of Wales, gelber Chile, Brinktes Orange und von den remontierenden, die schon im Spätsommer oder im Herbst an den Sommertrieben Früchte entwickeln und somit in einem Jahr zwei Ernten geben: rote Merveille, Schöne von Fontenay, Sucrée de Metz, Surpasse Merveille. Die neuern schwarzfrüchtigen Himbeersträucher sind aus Kreuzungen mit dem amerikanischen R. occidentalis L. hervorgegangen und ohne besondern Wert. Der Him-^[folgende Seite]