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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ruby City; Ruccellai; Ruchadlo; Rüchel

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Ruby City - Rüchel.

beerstrauch wird von wenigen Insekten belästigt: im Stengel bohrt die Raupe des Himbeerglasflüglers (Sesia hylaeiformis), die Blüten zerfrißt die Larve des Himbeerstechers (Anthonomus Rubi), in den reifen Früchten lebt die Larve des Himbeerkäfers (Byturus tomentosus). Die Früchte enthalten:

Zucker Äpfelsäure Pektin Wasser Faser

Rote Waldhimbeere 3,60 1,98 1,11 83,86 8,64

Rote Gartenhimbeere 4,71 1,36 1,75 86,56 4,61

Weiße Gartenhimbeere 3,70 1,11 1,40 88,18 4,56

Sie werden eingemacht, zu Sirup verarbeitet; auch bereitet man einen Himbeeressig und durch Destillation der Himbeerpreßlinge mit Wasser ein Himbeerwasser (vgl. Ätherische Wässer). R. Chamaemorus L. (Multebeere) ist krautartig, mit 16-20 cm langem, aufrechtem Stengel, gelappten Blättern, einzeln stehenden Blüten und orangeroten Früchten von sehr angenehmem, aber vergänglichem Aroma. Die Pflanze bedeckt in Lappland ganze Sümpfe, findet sich auch in Pommern, in Westpreußen, reift aber reichliche Früchte erst nördlich vom 68.° Die Beeren werden von den Lappländern in großer Menge eingekocht und als Gemüse und bestes antiskorbutisches Mittel benutzt. Wohlschmeckende, dunkelrote Früchte von angenehmem Geruch hat R. arcticus L. (nordische Himbeere), ein niedriges, krautartiges Gewächs mit dreizähligen Blättern und einzeln stehenden Früchten, im nördlichsten Europa und in Nordamerika. R. odoratus L. (wohlriechende Himbeere), ein zweijähriger, 1,25 m hoher, mit drüsigen Haaren besetzter Strauch mit großen, drei- oder fünflappigen, weich behaarten Blättern und sehr zahlreichen roten Blüten in doldentraubiger Rispe, ist einer unsrer beliebtesten Blütensträucher, blüht den ganzen Sommer hindurch, entwickelt aber nur in der Heimat, Nordamerika, genießbare Früchte. Die Gruppe der Brombeersträucher, mit mehrjährigem Stengel, fuß- oder fingerförmigen, dreizähligen, selten ganzen Blättern und schwarzen Früchten, umfaßt viele Arten, welche wegen ihrer Wandelbarkeit der Systematik große Schwierigkeiten darbieten. Einige, wie der Brombeerstrauch unsrer Äcker (R. caesius L., gemeine Kratzbeere), treiben kurze Blütenzweige an rutenförmigen, kriechenden Stengeln, welche hier und da wurzeln und neue kriechende Stengel entwickeln; die größere Anzahl treibt dagegen aufrechte Stengel, welche an Stützen emporwachsen oder am obern Teil sich umbiegen und am untern Teil schlanke Zweige entwickeln, die auf der Erde weithin laufen, wurzeln und so eine neue Pflanze bilden. Zu diesen letzten Arten gehört R. fruticosus Hayne, in Europa und dem Orient, welcher wegen der wohlschmeckenden Früchte häufig in Gärten gezogen wird. Auch andre Arten, wie R. arcuarius L., R. laciniatus Willd., R. occidentalis L., werden der Früchte halber kultiviert, und am wertvollsten sind die in Amerika gezüchteten großfrüchtigen Sorten. Brombeeren, welche als Obst benutzt, auch eingemacht und auf Sirup verarbeitet werden, enthalten 4,44 Zucker, 1,19 Äpfelsäure, 1,44 Pektin, 5,59 Faser, 86,41 Wasser. Vgl. Weihe und Nees v. Esenbeck, Beschreibung der deutschen Brombeerarten (Bonn 1822-27); Kuntze, Reform deutscher Brombeeren (Leipz. 1867); Derselbe, Methodik der Speziesbeschreibung und R.; Monographie der einfachblätterigen und krautigen Brombeeren (das. 1879); Focke, Synopsis Ruborum Germaniae (Brem. 1877).

Ruby City (spr. ruhbi ssitti), Stadt im nordamerikan. Territorium Idaho, dicht bei der Grenze von Oregon, ist Mittelpunkt des Owyhee-Bergbaureviers und hat (1886) 2500 Einw.

Ruccellai (spr. rutschellai), 1) Bernardo, ital. Gelehrter, geb. 1449 zu Florenz, war ein Schwager Lorenzos de' Medici und eins der hervorragendsten Mitglieder der Platonischen Akademie. Politisch war er thätig als Gesandter der Republik Florenz bei Ferdinand, König von Neapel, und Karl VIII. von Frankreich. R. war ein gründlicher Kenner des Altertums und lieferte unter anderm eine sehr gelehrte Topographie des alten Rom ("De urbe Roma"). Er starb 7. Okt. 1514 in Florenz. In seinen berühmten, mit Kunstwerken reichgeschmückten Gärten, seit 1494 Sitz der Platonischen Akademie, wurde 1522 das Komplott gegen den Kardinal Giulio de' Medici angezettelt, welches der Akademie ein Ende bereitete.

2) Giovanni, ital. Dichter, Sohn des vorigen, geb. 20. Okt. 1475 zu Florenz, wurde 1494 als Verwandter der Medici in deren Verbannung eingeschlossen und lebte hierauf in Rom, wo er auch die meisten seiner Werke schrieb. Mit den Medici kehrte er 1512 nach Florenz zurück und erhielt mehrere ehrenvolle Ämter, denen er jedoch nach der Erhebung seines Vetters Leo X. auf den päpstlichen Stuhl entsagte, um in den geistlichen Stand zu treten. Leo stellte ihn an seinem Hof an und schickte ihn später als Nunzius an Franz I. von Frankreich. Leos Tod (1521) benahm ihm die Hoffnung auf den Kardinalshut; doch wurde er unter Clemens VII. Gouverneur der Engelsburg, und in dieser Stellung starb er 1525. Seine Tragödie "Rosmunda" (Siena 1525) ist nächst der "Sofonisba" Trissinos die älteste regelmäßige italienische Tragödie und zeichnet sich durch kunstvollen Bau aus. Sein "Oreste" dagegen ist wenig mehr als eine verwässerte Nachahmung der "Iphigenia" des Euripides. Sein Ruhm als Dichter beruht vorzugsweise auf seinem Lehrgedicht "Le api" (zuerst o. O. 1539, Vened. 1539 u. öfter, am besten Padua 1718, Mail. 1826), einer freien Nachbildung und Erweiterung des 4. Buches der "Georgica" Vergils und einem der besten Gedichte seiner Art in der italienischen Litteratur. Ruccellais sämtliche Werke erschienen Padua 1772.

Ruchadlo, s. Pflug, S. 973.

Rüchel, Ernst Wilhelm Friedrich von, preuß. General, geb. 21. Juli 1754 zu Zizenow in Hinterpommern, trat 1771 in das Infanterieregiment Stojentin, machte als Adjutant des Feldmarschalls v. Knobelsdorff den bayrischen Erbfolgekrieg mit, ward 1781 als Hauptmann im Generalstab von Friedrich II. in seine Nähe gezogen, 1788 Major und Inspekteur der militärischen Bildungsanstalten, 1791 Flügeladjutant, gründete die Militärwitwenkasse und formierte die Invalidenkompanien, ward 1793 Oberst und Regimentskommandeur, kämpfte mit Auszeichnung in der Pfalz, befehligte, zum General ernannt, bei Kaiserslautern 30. Nov. 1793 das Zentrum und eroberte 12 Geschütze und 4 Fahnen. 1799 wurde er Generalleutnant und Kommandant von Potsdam. Er galt für den letzten und bedeutendsten Schüler Friedrichs II. und die erste militärische Autorität; er bewirkte die unveränderte Beibehaltung der Fridericianischen Taktik in der preußischen Armee und flößte dem Offizierkorps die verblendete Geringschätzung Napoleons und der Franzosen ein. 1806 erhielt er den Befehl über ein Armeekorps, mit dem er 14. Okt. bei Jena zu spät kam und in die Niederlage und Flucht mit fortgerissen wurde. Nach dem Frieden von Tilsit nahm er seinen Abschied und starb 14. Jan. 1823. Vgl. "Aus