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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rudolf

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Rudolf (Burgund, Österreich).

Landes kam ihm bereitwillig entgegen, nur Wien leistete Widerstand. Vor dieser Stadt einigte sich R. mit Ottokar dahin, daß der König von Böhmen Österreich, Steiermark, Kärnten und Krain an das Reich zurückgeben, dagegen aber mit Böhmen belehnt werden sollte. Dies geschah 25. Nov. Schon 1277 brach Ottokar den Frieden und verlor 26. Aug. 1278 auf dem Marchfeld bei Dürnkrut an der Donau gegen R. Schlacht und Leben (vgl. Janko, R. von Habsburg und die Schlacht bei Dürnkrut, Wien 1878). Böhmen überließ R. Wenzel, dem unmündigen Sohn Ottokars; Österreich, Steiermark und Krain aber verlieh er mit Bewilligung der Kurfürsten seinen Söhnen Albrecht und Rudolf und Kärnten dem Grafen Meinhard von Tirol. Hierdurch erwarb er seinem Haus eine Hausmacht, die allein die Grundlage einer starken Königsgewalt bilden konnte. Mit Eifer wandte er sich hierauf wieder der Herstellung des innern Reichsfriedens zu. Schon 1281 hatte er auf einem Reichstag in Nürnberg die Errichtung eines Landfriedens für Franken durchgesetzt, dessen Dauer auf fünf Jahre bestimmt wurde. 1286 wurde dieselbe Maßregel für Schwaben und Bayern angeordnet, und 1287 beschloß der König, das Friedenswerk im großen durchzuführen, indem er das Mainzer Reichsgesetz Friedrichs II. erneuerte. Viele Raubburgen wurden zerstört und die Edelleute, welche den Frieden brachen, mit Gewalt zur Ruhe gebracht. 1289 schrieb er einen großen Reichstag nach Erfurt aus. Nachdem hier der allgemeine Landfriede von den Fürsten beschworen worden war, schritt der König sofort zur genauen Vollziehung desselben. In Thüringen allein wurden mehr als 60 Raubburgen zerstört und 29 Ritter als Räuber hingerichtet. Nachdem R. 1291 in Speier zur Befestigung des Landfriedens einen Reichstag abgehalten, schrieb er nach Frankfurt (Mai) einen zweiten aus, um hier seinen Sohn Albrecht zum Kaiser wählen zu lassen; doch willigten die Kurfürsten, für die Wahlfreiheit fürchtend, nicht ein. In Germersheim die Nähe seines Todes fühlend, begab er sich nach Speier, dem Begräbnisort so vieler Kaiser; hier starb er 15. Juli 1291. Sein Leichnam wurde im Dom zu Speier beigesetzt. Vgl. Schönhuth. Geschichte Rudolfs von Habsburg (Leipz. 1844, 2 Bde.); Kopp, König R. und seine Zeit (das. 1845); Hirn, R. von Habsburg (das. 1874).

3) R. II., Sohn Maximilians II. und der Maria von Österreich, der Tochter Karls V., geb. 18. Juli 1552 zu Wien, erhielt seine Erziehung in Spanien, wurde bereits 1572 König von Ungarn, 1575 König von Böhmen und römischer König und bestieg 12. Okt. 1576 nach dem Tod seines Vaters den Kaiserthron, worauf er seinen Hauptsitz zu Prag nahm. Er war stumpfsinnig und träge, dabei aber höchst eifersüchtig auf seine geheiligte Würde, von der er übertriebene Vorstellungen hatte. Abgestoßen von der seinen Ansprüchen widerstrebenden Welt, zog er sich ganz in den engen Kreis seiner grillenhaften Liebhabereien und Neigungen zurück und wurde doch von jedem Versuch, die Regierung seinen Händen zu entwinden, zu äußerstem Grimm gereizt. Er sammelte allerlei Kunstsachen und wissenschaftliche Raritäten, hielt einen großen Marstall, legte prächtige Gärten an und widmete sich der Alchimie, Astronomie und Astrologie; seinem Schutz verdankten Tycho Brahe und Kepler die Muße zu ihren Forschungen. Die Geschäfte überließ er seinen Günstlingen, unmündigen, gemeinen Menschen, welche seinen Hang zu Ausschweifungen und seine Todesfurcht benutzten, um ihn zu beherrschen. Das Reich überließ er ganz sich selbst und duldete, ja förderte das Anwachsen der spanisch-jesuitischen Reaktion, welche den religiösen Zwiespalt zu heller Glut anfachte und Streit und Fehde erregte. Nur in den jülichschen Erbfolgestreit griff er direkt ein, um seinem Vetter, Erzherzog Leopold, ein Fürstentum zu verschaffen. Er war der erste, welcher seinen Brüdern Apanagen aussetzte, anstatt ihnen Teile des Erzherzogtums Österreich zu geben. Auch die österreichischen Lande gerieten unter ihm in größte Verwirrung. Durch den Einfall des Paschas von Bosnien in Kroatien 1591 wurde ein neuer Krieg mit den Türken veranlaßt, in welchem diese 1593 und 1594 Szigeth und Raab nahmen und Mohammed III. 1596 dem Erzherzog Maximilian eine Niederlage beibrachte. Auch Ungarn und Siebenbürgen standen auf, und Stephan Bocskay trug seine siegreichen Waffen selbst nach Österreich, Steiermark und Mähren. Dies alles konnte R. seiner Unthätigkeit nicht entreißen. Seine Brüder und Vettern mußten sich daher auf eigne Hand der Regierung annehmen. Matthias schloß 1606 eigenmächtig Frieden mit Mohammed III., drang mit Waffengewalt R. 1608 die ungarische Krone sowie Österreich und Mähren ab, besetzte endlich 20. März 1611 selbst Prag und nötigte R., gegen einen Gehalt von 400,000 Gulden die böhmische Krone niederzulegen, nachdem ihm die böhmischen Stände schon 9. Juli 1609 den Majestätsbrief abgezwungen hatten. R. starb inmitten des abenteuerlichen Plans, mit Hilfe der evangelischen Union seine Kronen wiederzugewinnen, unvermählt 20. Jan. 1612 und hatte seinen Bruder Matthias zum Nachfolger. Vgl. Gindely, R. II. und seine Zeit (Prag 1863-65, 2 Bde.); v. Bezold, Kaiser R. H. und die heilige Liga (Münch. 1885 ff.).

[Burgund.] 4) R. I., König von Burgund (dem transjuranischen), Sohn des Grafen Konrad von Auxerre, ließ sich 888 von den Großen zum König ausrufen und wurde auch von Kaiser Arnulf anerkannt. Nach einer friedlichen Regierung starb er 25. Okt. 912. Im folgte sein Sohn Rudolf II., der unaufhörliche Kriege führte, um seine Herrschaft auszubreiten; er wurde 921 von Adalbert von Ivrea auf den Thron von Italien erhoben, schlug seinen Gegner Berengar 923 bei Fiorenzuola, verließ 925 Italien wieder und verzichtete darauf 933 zu gunsten Hugos von Provence gegen die Abtretung dieses Landes; er starb 11. Juli 937. Sein Enkel Rudolf III. war der letzte selbständige König von Burgund, nach dessen Tod, 6. Sept. 1032, das Reich an Deutschland fiel.

[Österreich.] 5) Franz Karl Joseph, Erzherzog und Kronprinz von Österreich, einziger Sohn des Kaisers Franz Joseph I. und der Kaiserin Elisabeth, geb. 21. Aug. 1858, erhielt eine strenge, aber vortreffliche Erziehung, wurde in fast allen Sprachen seines künftigen Reichs unterrichtet und bewies namentlich ein reges Interesse für die Militär- und Naturwissenschaften. Ein leidenschaftlicher Jäger, beobachtete er mit eingehendem Verständnis die Erscheinungen der Natur und die Eigenschaften der Tiere und wußte sie auch mit Geschick zu schildern. Über militärwissenschaftliche Fragen hielt er in Offiziervereinen treffliche Vorträge. 1880 ward er zum Generalmajor und Kommandeur einer Infanteriedivision zu Prag und 1883 zu Wien sowie 1888 zum Feldmarschallleutnant, Generalinspektor der Infanterie und Vizeadmiral ernannt. Er vermählte sich 10. Mai 1881 mit der Erzherzogin Stephanie (geb. 21. Mai 1864), Tochter des Königs der Belgier, Leopold II.; 2. Sept. 1883 wurde ihm eine Tochter, Erzherzogin Elisabeth, geboren. Er schrieb: "Fünfzehn Tage auf der Donau"