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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rudolf von Ems; Rudolff; Rudolfinische Tafeln; Rudolfsheim; Rudolfswerth; Rudolphi; Rudolstadt

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Rudolf von Ems - Rudolstadt.

(2. Aufl., Wien 1885), "Eine Orientreise" (das. 1884, mit Zeichnungen von F. v. Pausinger) und beteiligte sich an der Herausgabe des großen Werkes "Die Österreichisch-Ungarische Monarchie in Wort und Bild" (das. 1886 ff.), wofür er von der Universität Wien zum Ehrendoktor der Philosophie ernannt wurde. R. erschoß sich selbst 30. Jan. 1889 auf seinem Jagdschloß Meyerling bei Baden.

Rudolf von Ems, deutscher Epiker des Mittelalters, ein Schweizer von Geburt, stand in Diensten des Grafen von Montfort und dichtete zwischen 1220 und 1254, in welchem Jahr er vermutlich als Begleiter Kaiser Konrads IV. "in welschen Landen" starb. Er war einer der gelehrtesten und zugleich fruchtbarsten Dichter seiner Zeit, dessen Werke jedoch nicht alle erhalten sind. Seine Dichtungen zeichnen sich durch Anmut und Innigkeit der Erzählung, sittliche Reinheit und formelle Meisterschaft aus. Als sein Vorbild bezeichnet er selbst Gottfried von Straßburg. Von den uns überlieferten Werken ist die Erzählung "Der gute Gerhard" das älteste und zugleich beste, eine schöne Verherrlichung der Demut christlichen Sinnes, wahrscheinlich nach lateinischer Quelle bearbeitet (hrsg. von M. Haupt, Leipz. 1840; übersetzt von Lersch, Bonn 1847; von Simrock, 2. Aufl., Stuttg. 1864). Ihr folgten: "Barlaam und Josaphat", etwa zwischen 1225 und 1230 nach einer aus dem Griechischen ins Lateinische übertragenen Bearbeitung der Sage von der Bekehrung eines indischen Königssohns zum Christentum verfaßt (hrsg. von Köpke, Berl. 1818; besser von Pfeiffer, Leipz. 1843); "Wilhelm von Orlens", ein schwächeres Werk Rudolfs, welches die willkürlich ausgeschmückte Geschichte Wilhelms des Eroberers zum Gegenstand hat; "Alexander" (unvollendet und noch ungedruckt); "Weltchronik", Rudolfs letztes, dem Kaiser Konrad IV. gewidmetes Werk, das im Anschluß an die Bibel, die "Historia scholastica" des Petrus Comestor und das "Panthéon" Gottfrieds von Viterbo die Weltgeschichte von der Schöpfung bis zu Salomos Tod in schlichter, aber rasch fortschreitender und warmer Darstellung erzählt und noch im 13. Jahrh. mit dem ähnlichen, aber weit schlechtern Werk eines Unbekannten verschmolzen wurde (vgl. Vilmar, Die zwei Rezensionen und die Handschriftenfamilien der Weltchronik Rudolfs von Ems, Marb. 1839).

Rudolff, Christoph, aus Jauer in Schlesien, Schüler von Henricus Grammateus (Schreyber aus Erfurt) an der Universität Wien, ist der Verfasser des ersten deutschen Lehrbuchs der Algebra, welches unter dem Titel: "Behend und hübsch Rechnung durch die kunstreichen regeln Algebre, so gemeinicklich die Coß genennt werden" (Straßb. 1525) erschien. Über seine Lebensverhältnisse ist nichts bekannt; sein Rechenbuch (Wien 1526) behandelt Unger, Das Wesen der Arithmetik (Leipz. 1819).

Rudolfinische Tafeln, nach dem Kaiser Rudolf II. benannte, von Kepler auf Grund der Beobachtungen Tycho Brahes berechnete Tafeln des Laufs der Himmelskörper, zuerst (lat.) 1627 in Ulm veröffentlicht, ersetzten die bis dahin üblichen, von Erasmus Reinhold 1551 herausgegebenen Prutenischen Tafeln.

Rudolfsheim, Vorort von Wien, zur Bezirkshauptmannschaft Sechshaus gehörig und mit den Vororten Fünfhaus, Sechshaus, Penzing und Breitensee zusammenhängend, steht mit Wien durch die Tramwaylinie nach Penzing und den Dampftramway nach Baumgarten in Verbindung, hat ein großes Vergnügungsetablissement (Schwenders Kolosseum, mit Theater) und (1880) 29,915 Einw., welche Fabrikation von Spiritus und Preßhefe, Maschinen, Seife und Margarin, Dampfbäckerei, Schafschlächterei, bedeutenden Eierhandel und Marktverkehr betreiben.

Rudolfswerth (früher Neustadtl, slowen. Novomesto), Stadt im österreich. Herzogtum Krain, an der Gurk, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Kreisgerichts, hat eine alte Kapitelkirche, ein Obergymnasium, Kunstmühle, Gerberei und (1880) 2066 Einw. In der Nähe der Badeort Töplitz (s. d.).

Rudolphi, Karl Asmund, Naturforscher, geb. 14. Juni 1771 zu Stockholm, studierte seit 1790 in Greifswald, Jena und Berlin Medizin und ward 1797 Professor in Greifswald, ging 1810 als Professor der Anatomie nach Berlin und starb hier 29. Nov. 1832. Schon in Greifswald lieferte er die wichtigen, seinen Ruf besonders begründenden Arbeiten über Eingeweidewürmer und Anatomie der Pflanzen. Später beschäftigte er sich nur mit der Anatomie der Wirbeltiere. In Berlin gab er dem Studium der vergleichenden Anatomie einen mächtigen Impuls und gründete das zootomische Museum. Seine Hauptwerke sind: "Entozoorum sive vermium intestinalium historia naturalis" (Amsterd. 1808-10, 3 Bde.), wovon die "Synopsis entozoorum" (Berl. 1819) ein Auszug ist; "Grundriß der Physiologie" (das. 1821-1828, 3 Bde.; unvollendet); "Anatomie der Pflanzen" (das. 1807); "Beiträge zur Anthropologie und allgemeinen Naturgeschichte" (das. 1812).

Rudolstadt, Haupt- und Residenzstadt des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt, an der Saale, die hier, in zwei Arme geteilt, den Wüsten Bach aufnimmt, in einer der schönsten Gegenden Thüringens, an der Linie Großheringen-Saalfeld der Saalbahn, 197 m ü. M., besteht aus der Altstadt und der eigentlichen Stadt, hat 4 Kirchen, 2 Schlösser (das fürstliche Residenzschloß Heidecksburg auf einer Anhöhe, 60 m über der Saale, mit einem prachtvollen Saal, einer Gemäldegalerie, Sammlung von Kupferstichen und Antikenabgüssen u. einer fürstlichen Bibliothek und das Lustschloß Ludwigsburg mit dem fürstlichen Naturalienkabinett), ein Fichtennadelbad (Rudolsbad) mit großem, schönem Park und (1885) mit der Garnison (ein Füsilierbat. Nr. 96) 10,562 meist evang. Einwohner. R. besitzt eine chemische, eine Goldleisten- u. eine Pianofortefabrik, 3 Porzellanfabriken, Wollspinnerei, bedeutende Bierbrauerei, Farbenfabrikation, Glockengießerei, Wollhandel, einen Taubenmarkt u. ist Sitz des Ministeriums, eines Kirchenrats, eines Generalsuperintendenten, eines Landratsamtes, eines Landgerichts und hat ein Gymnasium (verbunden mit Realklassen), ein Schullehrerseminar, eine öffentliche Bibliothek von 62,000 Bänden, ein Theater, eine Landeskranken-, Heil- und Pfleganstalt etc. In der Nähe eine Mineralquelle (beim Dorf Hasel) und die Dörfer Kumbach, mit fürstlicher Orangerie und Park, und Volkstedt (1788 Schillers Wohnsitz), mit Porzellanfabrik. Etwas abseits zwischen beiden Dörfern die Schillerhöhe, mit Anlagen und Denkmal des Dichters. 7 km südwestlich von R. ist der Eingang zum reizenden Schwarzathal. Zum Landgerichtsbezirk R. gehören die 14 Amtsgerichte: Frankenhausen, Gräfenthal, Kamburg, Königsee, Kranichfeld, Leutenberg, Oberweißbach, Pösneck, Ranis, R., Saalfeld, Schlotheim, Stadtilm und Ziegenrück. - Urkundlich kommt

^[Abb.: Wappen von Rudolstadt.]