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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rumänien

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Rumänien (Areal und Bevölkerung, Landwirtschaft, Bergbau).

lachei Shiul, Aluta, welche die Kleine Walachei von der Großen trennt, Ardschisch mit der Dimbowitza als Nebenfluß, Jalomitza, aus der Moldau der Sereth mit den Nebenflüssen Moldowa, Bistritza, Trotusch, Putna, Buzeo, Berlad, endlich der Pruth (mit dem Nebenfluß Schischia), Grenzfluß gegen Rußland, zu. Unterhalb Reni bildet die Donau die Grenze gegen Rußland. Die rumänische Tiefebene ist gegen die Lombardei, mit der sie manche Ähnlichkeit hat, dadurch im Nachteil, daß sie den Nordostwinden schutzlos preisgegeben ist. Daher zeigt das Klima auffallende Extreme und einen starken Wechsel von regnerischen und regenlosen Jahren, von harten nordischen und gelinden südlichen Wintern. In Bukarest, das mit Bologna etwa unter gleicher Breite liegt und eine Jahrestemperatur von 8° C. hat, steigt das Thermometer im Hochsommer bis auf 45°, um im Winter bisweilen auf -30° zu sinken. Das Klima der Walachei ist im allgemeinen milder, die Moldau aber nicht selten vier Monate mit Schnee bedeckt. Im ganzen gehört R. der Zone mit Regen zu allen Jahreszeiten an, doch fallen die meisten Regen im Herbst.

[Areal und Bevölkerung.] R. hat einen Flächeninhalt von 131,357 qkm (nach andern nur 129,947 qkm = 2360 QM.) mit einer Bevölkerung von 6,218,000 Seelen. Diese Zahl beruht auf amtlicher Schätzung; die letzte Volkszählung (1864) ergab eine Bevölkerung von 4,424,961 Seelen. Die Einwanderung ist viel stärker als die Auswanderung, die mittlere Volksdichtigkeit beträgt 47 Seelen auf 1 qkm. Das Verhältnis der männlichen Geburten zu den weiblichen stellt sich im Durchschnitt wie 1160 zu 1000, der Überschuß der Geburten schwankte in den Jahren 1883-86 zwischen 80-90,000 Seelen. Mehr als drei Viertel der Bevölkerung gehören dem Bauernstand an. Nach der Nationalität zerfällt die Bevölkerung in: Rumänen (5½ Mill.), Juden (200,000), Zigeuner (200,000), Bulgaren (100,000), Ungarn (50,000), Deutsche (50,000), Griechen und Armenier (je 15,000), außerdem Russen, Türken, Tataren, Italiener, Franzosen in geringerer Menge. Der Religion nach bekennt sich die große Mehrzahl zur griechisch-orthodoxen Kirche, außerdem gibt es, von Israeliten abgesehen, 128,000 Römisch-Katholische, 14,000 Protestanten, 8000 Armenier, 6000 Lipowaner und 2000 Mohammedaner (weiteres s. Rumänen).

Das Unterrichtswesen steht unter der Leitung des Ressortministers, eines ständigen Unterrichtsrats und eines jährlich zusammentretenden Generalrats. Die Schulen zerfallen in Primär- (Elementar-), Sekundär- (siebenklassige Lyceen, vierklassige Gymnasien und Fachschulen) und höhere Schulen (Fakultäten). Der Unterricht ist obligatorisch und durchaus unentgeltlich (seit 1864). Es bestanden 1888 in den Landgemeinden 2229 Schulen, in den Städten 276 Schulen; für den Sekundärunterricht bestehen 10 Lyceen, 21 Gymnasien, 8 Seminare und 15 Töchterschulen, für den Fachunterricht 5 Handels-, 8 Normal-, 12 Gewerbe-, 2 Musik- und 2 Kunstschulen; ferner eine höhere und 3 niedere landwirtschaftliche und eine Forstschule, eine Brücken- und Straßenbauschule, eine Veterinär-, eine pharmazeutische Schule und 3 Militärschulen. Universitäten sind 2 vorhanden, in Bukarest mit 5 (und einem physiologischen Institut) und Jassy mit 4 Fakultäten. Es bestehen außerdem eine rumänische Akademie der Wissenschaften und eine Geographische Gesellschaft.

[Landwirtschaft.] Der Ackerbau befindet sich trotz der großen Fruchtbarkeit des Bodens auf verhältnismäßig niedriger Stufe. Die seit dem 16. Jahrh. bestehende Robotpflichtigkeit der Bauern ist 1864 aufgehoben, und die Bauern (406,898 Familien) haben seit 1880 die gesetzlich bestimmte Ablösung (107,247,852 Lei) den Grundbesitzern ausgezahlt, wofür sie Eigentümer des von ihnen besessenen Grund und Bodens (1½ Mill. Hektar) wurden. Seitdem sind noch 244,183 Hektar aus den ausgedehnten Staatsdomänen an 52,055 Bauernfamilien unter günstigen Bedingungen verkauft worden. Überhaupt bildet der allmähliche Verkauf der Staatsländereien an Bauern seit 1878 den Hauptpunkt der rumänischen innern Sozialpolitik. Neben den Bauernwirtschaften gibt es aber in R. viele ausgedehnte Güter des Staats und der Privatbesitzer welche leider an Pachter mit kurzzeitigen (fünfjährigen) Kontrakten vergeben werden, die das Land nur mit Rücksicht auf hohen Ertrag bewirtschaften. Die wichtigsten Bodenfrüchte sind Mais und Weizen (über ¾ des bebauten Bodens), Roggen, Gerste, Hafer und Hirse. Die Ausfuhr von Getreide betrug 1884: 1,107,119 Ton., 1885: 1,538,874 T., 1886: 1,452,199 T. (83,63 Proz., resp. 85,63 Proz., 85,18 Proz. der Gesamtausfuhr). Im J. 1886 wurden ausgeführt:

^[Liste]

Mais 743563 Ton.

Weizen 305075 "

Gerste 155556 "

Roggen 104115 "

Hafer 44285 "

Hirse 40056 "

Ölhaltige Samen (Raps u. Leinsaat) 78739 "

Die Obstzucht nimmt mit jedem Jahr zu. Der Weinbau hat in der Walachei sehr viel von der Phylloxera gelitten. Der Weinexport betrug 1886: 4699 Ton. Seit der Übernahme der Verwaltung des Tabaksmonopols durch den Staat (1879) hat sich der Anbau des Tabaks ungemein gehoben; 1885 wurden auf 5609 Hektar 3,416,133 kg Tabak gewonnen, und der Bruttoertrag des Monopols ist von 12 Mill. Lei (1872) auf 27½ Mill. Lei (1885) gestiegen. In der Viehzucht, die noch auf niedriger Stufe steht, spielt das Rindvieh die wichtigste Rolle. Der Bestand an Rindvieh wurde 1882 auf 2,557,381 Stück (darunter 111,913 Büffel), an Schweinen auf 1,053,403, an Schafen und Ziegen auf 4,759,366 Stück berechnet. Die Pferdezucht, früher in der Moldau im großen betrieben, ist in Verfall geraten. Zum Export kommen vornehmlich Schweine (nach Österreich-Ungarn) und Rinder (nach Italien und der Türkei). Die Bienenzucht ist noch primitiv. Während die Zucht der Seidenwürmer fast ganz eingegangen ist, liefert die Fischerei, besonders in der Donau, reiche Erträge, wenn ihr auch, wie der Jagd, von seiten der Gesetzgebung jeder Schutz mangelt. Die Waldungen bedecken etwa 2 Mill. Hektar und werden stark abgeholzt.

[Bergbau.] Der Bergbau besteht in den reichen in den Karpathen gelegenen, dem Staat allein gehörenden Salzbergwerken (Ocna in der Moldau; Slanic, Doftana, Ocnele mare in der Walachei) und den zahlreichen ausgiebigen, zwischen Staat und Privatbesitzern sich teilenden Petroleumquellen. Die Salzbergwerke werden systematisch betrieben und ergaben 1862: 47,354 Ton., 1872: 75,191 T., 1882: 76,720 T., 1887: 82,946 T., wovon 51,528 T. dem inländischen Verbrauch und 31,418 T. zur Ausfuhr dienten. Die reichsten Petroleumquellen befinden sich in den Kreisen Prahova, Dimbowitza, Bakau und Buzau und liefern jährlich über 30,000 T., wovon die Hälfte den einheimischen Bedarf deckt, die andre Hälfte zur Ausfuhr übrigbleibt. Außerdem gewinnt man Bernstein, Braunkohlen, Marmor, Mühlsteine, Kalksteine, Gips etc. Ansehnlich ist die Zahl der Mineralquellen; die bekanntesten sind die Schwefelbäder von Puciossa (Distrikt Dimbowitza), die Moorbäder von Balta-Alba (Rimnik-Sarat), die Jodquellen in Lacu-Saratu