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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rüsselkrokodile; Russell

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Rüsselkrokodile - Russell.

schlag folgen läßt, vermehrt sich der R. in auffallender Weise, und da alle Mittel zur Bekämpfung desselben ohne rechten Erfolg bleiben, so hat man sich wesentlich auf Vorbeugungsmaßregeln zu beschränken. Recht ergiebig ist der Fang mit auf die Erde gelegter und beschwerter Kiefern- und Fichtenrinde und mit Kloben. Der kleine braune Kiefernrüßler (Pissodes notatus Fab., s. Tafel "Waldverderber I"), 7,5 mm lang, dem vorigen ähnlich, aber mit in der Mitte des dünnern Rüssels angehefteten Fühlern, rundem, erhabenem Schildchen und nicht ausgeschnittener Vorderbrust, pechbraun, mit Ausnahme des Kopfes überall mit grauweißen Haarschuppen bedeckt, die auf dem Halsschild größere oder kleinere, grauweiße Punkte und auf den punktiert gestreiften Flügeldecken zwei Binden bilden, findet sich häufiger als der vorige, sticht besonders die Rinde junger Kiefern, seltener die von Weimutskiefern, Lärchen und Fichten an, denen er zahllose Wunden beibringt, überwintert dicht über der Wurzel in Borkenritzen oder in der Erde und legt seine Eier an lebende Stämme junger Kiefern. Die Larven fressen sich unter der Rinde und im Holz abwärts und verpuppen sich am Ende der Gänge in kokonartigem Lager. Meist fliegt nach wenigen Wochen der Käfer aus, doch überwintern auch einige Larven und Puppen. Häufig finden sich die Larven auch in vorjährigen Zapfen. Befallene Pflanzen müssen ausgerottet oder abgehauen und verbrannt werden, auch die angegangenen Stangenhölzer sind zu beseitigen. Andre Arten derselben Gattung richten gleichfalls vielen Schaden an. Der Haselnußrüsselkäfer (Balaninus nucum L., s. Tafel "Käfer"), 7,5 mm lang, mit gebogenem, fadenförmigem Rüssel von Körperlänge, dünnen, langen Fühlern, schwarz, dicht ockergelb, schuppig behaart, auf den Flügeldecken lichter gelb gewürfelt, an den Beinen und der Spitzenhälfte des Rüssels rostrot, bohrt die halbwüchsigen, noch weichen Haselnüsse, die Schale durchfressend, an und schiebt ein Ei mit dem Rüssel bis zum Kern. Die Larve verläßt die Nuß, geht tief in die Erde und verpuppt sich im nächsten Sommer, worauf der Käfer sehr bald auskriecht. B. turbatus Glt. und B. glandium Mrsh. leben ähnlich in Eicheln. Der Buchenrüßler (Orchestes fagi L., s. Tafel "Waldverderber I"), 2,5 mm lang, schwarz, grau behaart, an Fühlern und Füßen licht gelbbraun, lebt als Larve in Buchenblättern, in welchen sich dieselbe verpuppt, erscheint im Juni und benagt dann die Blätter, auf diese Weise namentlich in Pflanzungen oft erheblichen Schaden anrichtend. Über Blattroller (Rhynchites), Blütenstecher (Anthonomus), Kornwurm (Sitophilus), Spitzmäuschen (Apion), Verborgenrüßler (Ceutorhynchus) s. d. Vgl. Schönherr, Genera et species curculionidum (Par. 1833-45, 8 Bde.).

Rüsselkrokodile, s. Gaviale.

Russell (spr. rössel. Russel), englische Adelsfamilie, deren erster nachweisbarer Ahnherr, John R., im 13. Jahrh. als Constable von Corse Castle in Dorset erscheint. 1539 wurde die Familie zur Peerswürde erhoben, und 1550 erlangte sie den Titel der Grafen von Bedford. Ihre namhaftesten Sprößlinge sind:

1) William, Sohn Williams, des fünften Grafen von Bedford, geb. 29. Sept. 1639, trat in seinem 22. Jahr ins Unterhaus, wo er zu den vornehmsten Führern der Opposition gehörte, und ward wegen angeblicher Teilnahme an dem gegen Karl II. angestifteten Ryehouse-plot 21. Juli 1683 hingerichtet. Nach Wilhelms III. Thronbesteigung 1689 ward das Urteil widerrufen und der Vater des Hingerichteten 1694 zum Marquis von Tavistock und Herzog von Bedford ernannt. Vgl. Lord John Russell, Life of William Lord R. (4. Aufl., Lond. 1853).

2) Lord Edward, Vetter des vorigen, geb. 1651, ward nach seinem Seesieg über die französische Flotte 29. Mai 1692 bei La Hogue zum Grafen von Oxford ernannt und starb 26. Nov. 1727.

3) John, vierter Herzog von Bedford, geb. 30. Sept. 1710, unterhandelte im Februar 1763 als Botschafter in Paris den Frieden, bekleidete dann noch mehrere wichtige Posten und starb 15. Jan. 1771. Seine "Correspondence" gab Lord John Russell (Lond. 1842-46, 3 Bde.) heraus.

4) Francis, siebenter Herzog von Bedford, geb. 13. Mai 1788, war bis zum Tod seines Vaters (1839) unter dem Namen Marquis von Tavistock als eifriger Whig für die Interessen seiner Partei thätig und starb 14. Mai 1861; ihm folgte als achter Herzog von Bedford sein einziger Sohn, William, geb. 1. Juli 1809, der gemütskrank und unverheiratet 26. Mai 1872 starb. Titel und Güter des Hauses gingen nun über auf seinen Vetter Francis Charles Hastings R., neunten Herzog von Bedford, geb. 16. Okt. 1819, ältesten Sohn des 1846 als General verstorbenen Lord William R.

5) Lord John R., einer der ausgezeichnetsten brit. Staatsmänner, geb. 18. Aug. 1792 als dritter Sohn des sechsten Herzogs von Bedford, studierte zu Edinburg Philosophie, Geschichte und Staatswissenschaften, trat schon im Juli 1813 für einen Wahlflecken, über den sein Vater verfügte, ins Unterhaus und war hier seit 1819 unablässig für eine Reform der Parlamentswahlen thätig. Seine Vorschläge wurden anfangs schon in den ersten Stadien der Beratung zurückgewiesen; dagegen kam eine neue Bill, welche er 1826 einbrachte, und in welcher er das Wahlrecht einer Anzahl von verfallenen und unbedeutenden Wahlflecken auf große und volkreiche, bis dahin von der Vertretung im Parlament ausgeschlossene Fabrikstädte zu übertragen vorschlug, wenigstens zur zweiten Lesung. In diesen Kämpfen hatte er sich bereits eine hervorragende Stellung innerhalb der Whigpartei erworben, die noch befestigt wurde, als er 1828 aufs kräftigste und mit Erfolg für die Aufhebung der Testakte und 1829 für die daraus folgende Emanzipation der Katholiken wirkte. 1830 nahm er den Kampf für die Reform von neuem auf, indem er eine Bill einbrachte, welche den Städten Leeds, Manchester und Birmingham eine Vertretung im Parlament verleihen sollte. Auch diesmal trug er zwar den Sieg nicht davon; doch wurde er im liberalen Kabinett Grey Generalzahlmeister und hatte im Juni 1832 die Genugthuung, seine langjährigen Bemühungen durch die Annahme der Reformbill (s. Großbritannien, S. 811) gekrönt zu sehen. Mit dem Rücktritt der Whigs (November 1834) legte auch er sein Amt nieder, um bei der Wiedereröffnung des Parlaments im Februar 1835 die Führung der Opposition zu übernehmen. Seiner geschickten Taktik gelang die Durchführung der Appropriationsklausel, wodurch die Tories zum Rücktritt bewogen wurden. Im Ministerium Melbourne (April 1835) übernahm R. das Staatssekretariat des Innern, das er 1839 mit dem Kolonialministerium vertauschte. Die wichtigsten gesetzgeberischen Maßregeln dieser Regierung, die neue Städteordnung, die irische Zehntbill, die neue Armengesetzgebung, die Organisation des öffentlichen Unterrichts und die Verbesserung der Rechtspflege, sind zum wesentlichen Teil das Verdienst Russells, der gleichzeitig als Haupt der innern Ver-^[folgende Seite]