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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Russisches Reich

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Russisches Reich (innerer Handel, Kanäle, Eisenbahnen, Post etc.).

dänischer 917, türkischer 801, österreichischer 683, italienischer 246, französischer 142; in geringerer Zahl waren spanische, portugiesische, holländische, belgische, bulgarische, amerikanische etc. vertreten.

Die Entwickelung des innern Handels leidet noch immer unter dem Mangel an guten Verkehrswegen, obschon Rußland großartige Kanalsysteme besitzt und in neuester Zeit für Eisenbahnstraßen sehr viel gethan ist. Dazu kommt noch, daß die Anzahl der Handelsstädte im Vergleich zu der großen Ausdehnung des Reichs viel zu gering ist. Nur in einzelnen großen Städten bildeten sich beständige Niederlagen für Manufakturen und Rohstoffe zum Verkauf im großen. Zu der Zahl solcher Städte gehören die Residenzen und einige Städte des Innern, wie Kasan, Kiew, Charkow, Warschau und Jekaterinenburg. Die erste Stelle rücksichtlich der Größe des Umsatzes im Binnenhandel nimmt Moskau ein. Als wichtige Niederlagen dienen aber auch viele andre an Flüssen gelegene Städte, wo die Produkte des Landbaues zusammengeführt und von Großhändlern aufgekauft werden. Als die wichtigsten unter diesen sind folgende zu nennen, an der Wolga: Rshew, Twer, Rybinsk, Jaroslaw, Kostroma, Nishnij Nowgorod, Kasan, Simbirsk, Samara, Saratow, Zarizyn und Astrachan; an der Oka: Orel und Kolomna; an der Zna: Morschansk; an der Kama: Perm; an der Bjelaja: Ufa; an der Vereinigung der Suchona mit dem Jug: Weliki-Ustjug; an der Düna: Witebsk; am Dnjepr: Krementschug und Jekaterinoslaw. Unter den großen Jahrmärkten in Rußland ist weltberühmt und einzig in ihrer Art die Messe von Nishnij Nowgorod (s. d.). Den zweiten Platz nimmt die Messe von Irbit (im Gouvernement Perm) ein (s. Irbit). Der dritte Rang gebührt den Messen von Charkow, Poltawa, Korennaja bei Kursk und Krolowez im Gouvernement Tschernigow; weniger bedeutend, aber immerhin noch wichtig sind die Jahrmärkte von Kiew, Berditschew, Rostow am Don und Rostow im Gouvernement Jaroslaw.

Fast alle russischen Häfen der Ostsee stehen mit Petersburg u. untereinander durch regelmäßige Dampfschiffahrten in Verbindung; außerdem vermitteln Dampfschiffkompanien den regelmäßigen Verkehr zwischen den größern russischen Häfen der Ostsee und den andern Haupthäfen der Ost- und Nordsee wie auch zwischen den Häfen des Schwarzen u. denen des Mittelmeers, namentlich Triest und Marseille. Dampfer befahren den Ladogasee, den Swir und den Onegasee bis Petrosawodsk; den Embach und den Peipus von Dorpat bis Pskow; den Wolchow und den Ilmensee; die Wolga und deren Nebenflüsse von Twer bis Astrachan, Perm, Ufa, Rjäsan; den Dnjepr abwärts von Kiew nach Jekaterinoslaw, aufwärts bis nach Pinsk am Pripet; den Don, das Asowsche, Schwarze und Kaspische Meer. In dem umfangreichen Kanalnetz unterscheidet man zwei Hauptgruppen von Verbindungswegen: die nordwestlichen und die südwestlichen. Zur ersten Gruppe gehören die Systeme des Kaspisees, des Weißen Meers und der Neva ^[richtig: Newa] nebst den nördlichen Seen; zur zweiten rechnet man die Flußsysteme des Dnjepr, der Düna, des Niemen und der Weichsel. Die erste Gruppe umfaßt dann ca. 21,550 km schiffbare Wege, die zweite nur 9482 km. In der ersten Gruppe liegen unmittelbar an den Wasserstraßen 23 Städte, in der zweiten 11. Als Mittelpunkt der ersten erscheint Nishnij Nowgorod, welches von Archangel 2209 km, von Astrachan 2308 km, von Orel 1418 km und von Perm 1324 km entfernt ist. In der zweiten Gruppe spielt eine ähnliche Rolle Kiew, nur daß die Entfernungen von den Endpunkten viel geringere sind. Von den sieben Kanalsystemen verbinden drei die Newa und die Wolga: das Mariensystem, das Tichwinsche System, das Wyschnij-Wolotschok-System (s. d.). Das erste ist der längste Weg (von Petersburg bis Rybinsk allein sind es 1151 km), ist aber doch die Hauptader, auf welcher die Waren sich von der Wolga aus nach Petersburg bewegen, wegen seines Wasserreichtums, seiner Tiefe und Breite. Auf dem Wyschnij-Wolotschok-Kanal ist nur die Bewegung nach Petersburg möglich wegen der Wasserfälle auf der Msta. Der Tichwinsche Kanal ist der kürzeste, aber eng und flach. Der vierte, der "Herzog Alexander von Württemberg-Kanal" (s. d.), verbindet die Wolga mit der Dwina. Die drei andern Kanäle sind Verbindungen des Dnjepr, d. h. des Schwarzen Meers, mit der Ostsee. Das Beresinasystem (s. d.) verbindet Dnjepr und Düna, das Oginskische (s. d.) Dnjepr und Niemen, der Königskanal (s. d.) Dnjepr und Weichsel. Die Gesamtlänge der eigentlichen Kanäle und derjenigen Flußstrecken, auf denen künstliche Vorrichtungen befindlich sind, beläuft sich auf 2854 km.

Das russische Eisenbahnnetz bestand 1. Jan. 1885 aus 23,054 km, von denen 2295 dem Staat und 20,579 Privaten (48 verschiedenen Gesellschaften) zugehörten. Im Bau begriffen waren 1289 km und konzessioniert 672 km. Die Bruttoeinnahmen beliefen sich 1886 auf 232 Mill. Rub. (1884: 229¾ Mill. Rub.), der Reinertrag auf 87,3 Mill. Rub. (1884: 86¼ Mill.). Der Reinertrag pro Werst betrug 1886: 4050 Rub. (1884: 3832 Rub.; 1872-83 durchschnittlich jährl. 3113 Rub.). Die Richtung der Eisenbahnlinien ist nach acht Marschrouten geführt: 1) die Petersburg-Kaukasische, die das ganze europäische Rußland durchschneidet, von der Newastadt nach SO. bis Wladikawkas am Nordfuß des Kaukasus; 2) die Petersburg-Odessaer, von der Residenz nach SW. zum Schwarzen Meer; 3) zwischen den beiden vorigen die Wologda-Krimsche, von N. nach S., mit ihren Verzweigungen; 4) die Riga-Zarizynsche, vom Rigaer Meerbusen nach SO., dem untern Lauf der Wolga; 5) die Wjäsma-Orenburgische, aus dem Smolenskischen zur Wolga bei Sysran; 6) die Nishnij Nowgorod-Warschauer, von der mittlern Wolga zur mittlern Weichsel; 7) die Baltische, von Petersburg und der Station Tosna an der Nikolaibahn über sämtliche Städte im S. des Finnischen Meerbusens bis nach Reval und Baltischport; 8) die Finnische, von Petersburg an der Nordküste des Finnischen Meerbusens bis zum Kap Hangöudd im SW. Finnlands. Von folgenden Seestädten an der Ostsee führen Schienenstränge ins Innere des Reichs: Libau, Riga, Baltischport, Reval, Narwa, Oranienbaum, Peterhof, Petersburg, Wiborg und Helsingfors, und von den Städten des Schwarzen und Asowschen Meers: Odessa, Nikolajew, Sebastopol, Rostow am Don und Taganrog. Zu den Landgrenzen nach W. führen Bahnlinien über Wirballen, über Alexandrow, über Graniza, über Sombkowizy nach Kattowitz in Preußen, über Radziwilow und Wolotschisk nach Österreich und über Ungheni nach Rumänien. Die Länge der Telegraphenlinien betrug 1886: 116,792 km mit 267,514 km Leitung, darunter 107,575 km Staatslinien; auf die anglo-indische Linie entfielen 3634 km.

Die Zahl aller Postanstalten: Ämter, Kontore etc., betrug 1885 im Ressort des Postdepartements 4830, die Zahl der Postbeamten 17,004. Die Länge der Postwege war 168,257 km; die Gesamteinnahme der Postverwaltung bezifferte sich auf 16,594,576, die Aus-^[folgende Seite]