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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Russisch-türkische Kriege; Rußkohle; Rußnase; Rußniaken; Rußtau; Ruszkabánya

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Russisch-türkische Kriege - Rußtau.

Unterwerfung der Achal-Teke 1881 sowie die Besetzung Merws (1884), das mit dem Kaspischen Meer durch eine Eisenbahn verbunden wurde, waren bedeutende Erfolge. Den panslavistischen Agitationen ward 1882 ein Zügel angelegt und nach Verabschiedung Gortschakows ein durchaus friedliebender Staatsmann, v. Giers, zum Minister der auswärtigen Angelegenheiten ernannt. Auf der Balkanhalbinsel entwickelten sich indes die Dinge durchaus nicht nach dem Wunsch Rußlands. Nur Montenegro blieb hier ein treuer Anhänger des Zaren. Serbien und Rumänien schlossen sich an den Bund Österreichs und Deutschlands an, und in Bulgarien stießen die russischen Generale, welche der junge Staat als Minister annehmen mußte, durch ihre Anmaßung den Fürsten und das Volk von sich ab. Fürst Alexander reizte durch sein Bestreben, sich selbständiger zu machen, den Zorn des Zaren, und als im September 1885 der Aufstand in Ostrumelien (s. d.) ausbrach und der Fürst dessen Vereinigung mit Bulgarien, ohne vorher die Genehmigung des Zaren eingeholt zu haben, verkündete, rief dieser alle Russen aus dem bulgarischen Dienst ab. Daß die Bulgaren sodann allein die Serben glänzend besiegten, verletzte die Russen im höchsten Grad, und durch eine von Rußland aus geleitete Verschwörung wurde Fürst Alexander 21. Aug. 1886 gestürzt und durch schroffe Ablehnung seiner demütigen Unterwerfung vom Zaren zur Abdankung genötigt. Indes zeigte sich, daß die russische Annahme, nur der Fürst sei das Hindernis für die Herrschaft der Russen in Bulgarien, irrtümlich war, und sowohl die Sendung des Generals Kaulbars nach Bulgarien als verschiedene Versuche, einen Aufstand hervorzurufen, bewirkten nur, daß die Bulgaren sich ganz von Rußland abwendeten und den von Rußland gewünschten Fürsten nicht wählten. In Rußland führte man dies Verhalten auf Ränke Österreichs zurück. Da die Pforte nicht in Bulgarien einschreiten wollte, die russische Regierung aber von einem eignen bewaffneten Einschreiten Verwickelungen mit Österreich fürchtete, so verlangte man von Deutschland, daß es Rußland aus der Sackgasse befreie, in welche es durch eigne Fehler geraten war. Weil Bismarck sich dazu nicht verstand, steigerte sich die Gereiztheit gegen Deutschland und Österreich von neuem. In den westlichen Provinzen wurden strategische Eisenbahnen erbaut, zahlreiche Befestigungen errichtet und eine große Heeresmasse, besonders Reiterei, zusammengezogen. Von einem Bündnis mit Frankreich war ernstlich die Rede. Indes gelang es dem deutschen Reichskanzler und dem jungen Kaiser Wilhelm II. 1888, das Mißtrauen des Zaren zu beschwichtigen.

Litteratur.

[Allgemeine Geschichtswerke.] Karamsin, Geschichte des russischen Reichs (deutsch, Leipz. 1820-33, 11 Bde.); Ustrjalow, Geschichte Rußlands (deutsch, Stuttg. 1839-43, 2 Bde.); Strahl und Herrmann, Geschichte des russischen Staats (Hamb. u. Gotha 1832-66, 7 Bde.); Solowjew, Geschichte Rußlands (Mosk. 1857-79, 29 Bde.); Bestushew-Rjumin, Geschichte Rußlands (deutsch von Schiemann, Mitau 1873); Derselbe, Quellen und Litteratur zur russischen Geschichte (deutsch, das. 1876); "Abriß der Geschichte Rußlands" (anonym, Dorp. 1875); Ilowaisky, Kurzgefaßte Geschichte des russischen Reichs (deutsch, 2. Aufl., Reval 1881); Rambaud, Histoire de la Russie (Par. 1878; deutsch, Berl. 1886); Schiemann, Rußland, Polen und Livland bis ins 17. Jahrhundert (in Onckens "Allgemeiner Geschichte", das. 1884 ff.); Kostomarow, Geschichte Rußlands in Biographien (deutsch, Leipz. 1886 ff.); v. d. Brüggen, Wie Rußland europäisch wurde (Berl. 1885); Kojalowitsch, Geschichte der russischen Selbsterkenntnis (Petersb. 1884); Brückner, Bilder aus Rußlands Vergangenheit (Leipz. 1887 ff.); Derselbe, Die Europäisierung Rußlands (Gotha 1888). Vgl. auch Russische Litteratur, S. 56.

[Werke über einzelne Partien.] M. J. ^[Magnus Jacob] v. Crusenstolpe, Der russische Hof von Peter I. bis auf Nikolaus I. (Hamb. 1855-59, 9 Bde.); Sugenheim, Rußlands Einfluß auf unsre Beziehungen zu Deutschland von Peter I. bis zum Tod Nikolaus' I. (Frankf. 1856, 2 Bde.); v. Bernhardi, Geschichte Rußlands und der europäischen Politik von 1814 bis 1831 (Leipz. 1863-77, 3 Bde.); Schmeidler, Das russische Reich unter Alexander II. (Berl. 1878); (J. ^[Julius] Eckardt) Von Nikolaus I. bis Alexander III. (Leipz. 1881); Thun, Geschichte der revolutionären Bewegungen in Rußland (das. 1883); Dalton, Verfassungsgeschichte der evang.-luther. Kirche in Rußland (Gotha 1887 ff.); Beitzke, Geschichte des russischen Kriegs im Jahr 1812 (2. Aufl., Berl. 1862); v. Pfuel, Der Rückzug der Franzosen aus Rußland (das. 1867); Herzen, Die russische Verschwörung und der Aufstand vom 14. Dez. 1825 (Hamb. 1858); v. Korff, Die Thronbesteigung Kaiser Nikolaus' I., aus seinen eignen Papieren von 1825 (deutsch, Frankf. 1857); Custine, Rußland im Jahr 1839 (deutsch, 3. Aufl., Leipz. 1847, 4 Bde.); Über den Krimkrieg und den Feldzug nach Chiwa s. die betreffenden Artikel; Bodenstedt, Die Völker des Kaukasus und ihre Freiheitskämpfe gegen die Russen (2. Aufl., Berl. 1855, 2 Bde.); über den letzten Krieg: Greene, The Russian army and its campaigns in Turkey 1877-78 (Lond. 1880); Kuropatkin, Kritische Rückblicke auf den russisch-türkischen Krieg (übers. von Krahmer, Berl. 1885-87, 7 Hefte); v. Jagwitz, Von Plewna bis Adrianopel (das. 1880).

Russisch-türkische Kriege, s. Russisches Reich, S. 88-94.

Ruszkabánya (Ruskberg), Bergwerksort im ungar. Komitat Krassó-Szörény, westlich vom Eisernenthorpaß, mit (1881) 2486 deutschen und rumän. Einwohnern und bedeutendem Silber-, Blei- und Kupferbergwerk.

Rußkohle, s. Steinkohle.

Rußnase, s. Brasse.

Rußniaken, s. Ruthenen.

Rußtau (Schwärze), Pflanzenkrankheit, bei welcher die grünen Teile, besonders die Oberseite der Blätter, mit einem schwarzen Überzug, gleichsam wie mit Ruß bedeckt erscheinen, zeigt sich im Sommer und Herbst an allerlei Arten Sträucher, oft auch am Hopfen und an vielen kleinern Kräutern. Der bei dem eigentlichen R. sich bildende Überzug besteht aus einem Pilzmycelium, dessen dunkelbraune Fäden auf der Oberfläche des Pflanzenteils wachsen und ebenfalls dunkle, konidientragende Fruchthyphen, mitunter auch Spermogonien, Pykniden und Perithecien entwickeln; bei der Schwärze dagegen wächst der Pilz im Innern der Pflanzenteile. Am häufigsten bildet Fumago salicina Tul. den R. und zwar den auf den Blättern der Holzgewächse, z. B. auf Eichen, Linden, Orangenbäumen, und des Hopfens, während verschiedene Arten von Pleospora die Schwärze an kleinern Kräutern und Gräsern hervorbringen. Diese nicht streng parasitisch lebenden Pilze entziehen die Blätter dem Einfluß des Lichts, stören den Gasaustausch und die Transpiration und nehmen Nahrungssäfte aus dem Blatt auf. Feuchte Witterung und geschlossene Lage sind für die Vermehrung und Aus-^[folgende Seite]