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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Saadullah Pascha; Saáh; Saal, Georg; Saalach; Saalburg; Saale; Saaleck; Saalfeld

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Saadullah Pascha - Saalfeld.

Grund des Glaubens erschütterte, die Karaiten die Tradition verwarfen, seine ganze Thatkraft eingesetzt, Schrift, Tradition und Vernunft in Übereinstimmung zu bringen. Aus diesem Streben, mit welchem er der jüdischen Theologie und der Bibelforschung neue Bahnen ebnete, gingen hervor: sein großes, arabisch geschriebenes religionsphilosophisches Werk "Emunot w'deot" (Glaubens- und Sittenlehre), das, von Juda ibn Tibbon (1160) ins Hebräische übersetzt, mehrfach gedruckt und von Fürst ins Deutsche übertragen wurde (Leipz. 1845); seine Kommentare zu biblischen Büchern und die arabische Bibelübersetzung, von welcher mehreres ediert worden ist. S. schrieb ferner einen Kommentar zum Buch Jezirah (s. d.), grammatische und andre Abhandlungen und synagogale Gedichte. Vgl. Landauer, Sa'adja Kitâb al ammânât w'al I tiqâdât (Leiden 1861); Guttmann, Die Religionsphilosophie des Saadja (Götting. 1882).

Saadullah Pascha, türk. Staatsmann, geb. 7. Juli 1838 zu Erzerum als Sohn Essad Paschas, der hoher Beamter war und auch als türkischer Dichter sich bekannt gemacht hat, ward 1855 im Übersetzungsbüreau angestellt, 1869 Sekretär des Staatsrats, 1871 Großdragoman des Diwans und Direktor des Preßbüreaus, 1873 Unterstaatssekretär im Unterrichtsministerium, 1874 Minister der Archive und Präsident des Kassationshofs, dann Handelsminister, 1876 erster Sekretär des Sultans Murad V., im Mai 1877 Botschafter in Berlin, 1878 Bevollmächtigter bei den Friedensverhandlungen in San Stefano und beim Berliner Kongreß und 1883 Botschafter in Wien.

Saáh, Getreidemaß in Algerien, = 58-60 Liter; s. auch Almuda.

Saal, Georg, Maler, geb. 1818 zu Koblenz, konnte sich erst seit 1842 auf der Düsseldorfer Akademie der Landschaftsmalerei widmen und machte später zahlreiche Studienreisen. 1848 zog er nach Heidelberg; später lebte er abwechselnd in Paris und Baden-Baden, wo er als badischer Hofmaler und Professor 3. Okt. 1870 starb. S. behandelte hauptsächlich Motive aus der nordischen Natur, die er mit kräftigem Naturalismus und zugleich poetischer Auffassung wiederzugeben wußte. Doch malte er auch Landschaften aus dem Schwarzwald und dem Wald von Fontainebleau. Die Galerien von Karlsruhe, Frankfurt a. M., Bremen, Leipzig u. a. besitzen Bilder von ihm.

Saalach (Salzburgische Saale), linker Nebenfluß der Salzach, entspringt im Hintergrund des Glemmthals in Tirol, 1940 m ü. M., tritt am Steinpaß nach Bayern über, geht an Reichenhall vorüber und mündet nach 100 km langem Lauf 405 m ü. M. bei Freilassing.

Saalburg, 1) Stadt im Fürstentum Reuß j. L., Landratsamt Schleiz, in reizender Lage an und über der Saale, hat ein altertümliches Amtshaus, Gerberei, Woll- und Baumwollweberei und (1885) 970 Einw. Von einem im 11. Jahrh. gegen die Sorben erbauten Schlosse steht noch der Wartturm. Hier fand 8. Okt. 1806 das erste Gefecht im französischen Feldzug gegen Preußen statt. - 2) Römerkastell, s. Homburg v. d. Höhe.

Saale, 1) (Fränkische S.) Fluß im bayr. Regierungsbezirk Unterfranken, entspringt östlich von Königshofen bei dem Dorf Alsleben an der meiningischen Grenze aus dem Salzloch oder Saalbrunnen, fließt zuerst westlich, dann südwestlich, nimmt rechts die Milz, Streu, Brend, Schondra und dicht vor ihrer Mündung die Sinn, links die Lauer auf und mündet nach einem Laufe von 112 km bei Gemünden rechts in den Main. Sie dient zum Holzflößen und ist von Gräfendorf ab 15 km für kleine Fahrzeuge schiffbar. - 2) (Sächsische oder Thüringische S.) Fluß im mittlern Deutschland, entspringt 728 m hoch auf dem Fichtelgebirge, am Großen Waldstein im bayr. Regierungsbezirk Oberfranken, fließt dann durch die Fürstentümer Reuß und Schwarzburg-Rudolstadt, den östlichen Teil des Herzogtums Meiningen, den westlichen Teil des Herzogtums Altenburg, den östlichen Teil des Großherzogtums Weimar, den preußischen Regierungsbezirk Merseburg, den westlichen Teil des Herzogtums Anhalt und den preußischen Regierungsbezirk Magdeburg und fällt dort nach einem Laufe von 364 km unterhalb Saalhorn, südöstlich von Barby, links in die Elbe. Die namhaftern Städte, welche sie auf diesem Lauf berührt, sind: Hof, Saalburg, Saalfeld, Rudolstadt, Kahla, Jena, Kamburg, Kosen, Naumburg, Weißenfels, Merseburg, Halle, Wettin, Bernburg, Nienburg und Kalbe. Die S. hat, viele Krümmungen und einen großen Bogen nach Westen abgerechnet, eine nördliche Hauptrichtung, wird im obern Laufe viel zum Flößen benutzt und ist von Naumburg an auf 159 km durch Korrektion und 15 Schleusen für Kähne von 150-200 Ton. schiffbar. Neuerdings ist Kettenschiffahrt von der Mündung bis Halle eingerichtet, auch eine Verbindung mit der Elster bei Leipzig durch den Bau des Saale-Elsterkanals in Angriff genommen, da der Floßgraben, welcher eine Verbindung zwischen beiden Flüssen oberhalb Halle und Leipzig herbeiführt, schon längst keine Bedeutung mehr hat. Die S. hat an ihren Ufern mehrere Salzquellen, die teils zur Salzbereitung, teils zu Solbädern dienen (Sulza, Kösen, Dürrenberg, Halle), und ist ziemlich fischreich. Von Saalfeld bis Weißenfels fließt sie in einem schönen, von zahlreichen Burgen geschmückten und gut angebauten Thal, auf dessen Randhöhen in günstigen Lagen auch ein nicht unbedeutender Weinbau betrieben wird. Ihre bedeutenden Nebenflüsse sind von rechts: die Lamitz, Regnitz, Wiesenthal, Orla, Roda, Gleiße, Wetha, Rippach, Elster und Fuhne; von links: die Selbitz, Loquitz, Schwarza, Ilm, Unstrut, Gösel, Laucha, Salza, Schlenze, Wipper und Bode. - 3) (Saal, Salzburgische S.) s. Saalach.

Saaleck, 1) Bergschloß im bayr. Regierungsbezirk Unterfranken, bei Hammelburg, angeblich ehemalige Residenz der thüringischen Königin Amalberga, hat eine königliche Domäne und vorzüglichen Weinbau. - 2) Burgruine, s. Rudelsburg.

Saalfeld, 1) ehedem selbständiges (sächsisches), seit 1826 zum Herzogtum Sachsen-Meiningen gehöriges Fürstentum, im östlichen Teil des Thüringer Waldes gelegen, bildet jetzt den sachsen-meiningischen Kreis S. und umfaßt 599 qkm (10,88 QM.) mit 55,863 meist evang. Einwohnern. Die gleichnamige Hauptstadt am linken Ufer der Saale, Knotenpunkt der Linie Gera-Eichicht der Preußischen Staatsbahn wie der Eisenbahnen Großheringen-S. und Arnstadt-S., 233 m ü. M., hat eine schöne gotische Stadtkirche (aus dem Anfang des 13. Jahrh.), ein Schloß mit Turm (1679 an Stelle einer alten, im Bauernkrieg zerstörten Abtei erbaut), das Jagdschlößchen Kitzerstein (angeblich von König Heinrich I. erbaut, der Hauptbau aber aus dem Anfang des 16. Jahrh. herrührend), ein altertümliches Rathaus (1537 vollendet), ein schönes Reichspostgebäude, ein öffentliches Schlachthaus, ein Realgymnasium, ein Amtsgericht, ein Bergamt, Nähmaschinen-, Farben-, Schlackenstein- und Drahtgewebefabrikation, Eisengießerei, Maschinenbau, zahlreiche graphische Anstalten, Bierbrauerei, Schneidemühlen etc. und (1885) 8371