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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Säbeltasche - Sabinus.

und violett gezeichnete und gefleckte Eier, welche von beiden Eltern in 17-18 Tagen ausgebrütet werden.

Säbeltasche, mit drei Schwungriemen am Säbelkoppel hängende Ledertasche der Husaren, deren Deckel meist mit Namenszug verziert ist, diente früher zur Aufnahme kleiner Bedürfnisse, ist jetzt nur Paradestück.

Säbeltroddel, Säbelquaste der Unteroffiziere und Mannschaften, deren Band bei den Reitern aus Leder (s. Faustriemen), bei den Fußtruppen aus Wolle besteht. Die eigentliche Troddel ist für Mannschaften nach den Kompanien verschiedenfarbig, für Unteroffiziere hat sie meist die Nationalfarben.

Säben, Kloster, s. Klausen.

Sabier (Zabier), s. Mandäer.

Sabine (spr. ssabihn), Fluß in Nordamerika, entspringt im nordöstlichen Texas, fließt erst südöstlich, dann südlich, die Grenze zwischen Texas und Louisiana bildend, und mündet nach einem Laufe von 800 km durch den Küstensee Sabine Lake in den Mexikanischen Meerbusen. Der S. ist seicht und nur für kleine Boote schiffbar.

Sabine (spr. ssäbbĭn), Sir Edward, Physiker und Mathematiker, geb. 14. Okt. 1788 zu Dublin, trat in den britischen Artilleriedienst, nahm an Parrys Reise zur Auffindung einer Nordwestdurchfahrt 1818-19 Anteil und stellte dabei namentlich magnetische und Pendelbeobachtungen an. Zur Fortsetzung der letztern befuhr er 1822 die Küsten von Sierra Leone und vom östlichen Nordamerika. Die Resultate der hierbei angestellten Messungen legte er in dem Werk "A pendulum expedition etc." (Lond. 1825) nieder. Die Gaußsche Theorie des Erdmagnetismus stützte er durch graphische Darstellung der Ergebnisse der Beobachtungen von Erman und Hansteen in seinem "Report on the variations of the magnetic intensity observed at different points of the earth's surface" (Lond. 1838). Besonders verdient machte er sich durch seine Bemühungen um Herstellung eines Systems meteorologisch-magnetischer Observatorien in den englischen Kolonien. 1859 erhielt er eine Anstellung als Generalmajor beim Arsenal in Woolwich. Seit 1818 Mitglied der Royal Society, wurde er 1861 Präsident derselben und blieb in dieser Stellung bis 1871. Er starb 26. Juni 1883 in Richmond. Von seinen Schriften ist noch zu nennen: "On the cosmical features of terrestrial magnetism" (Lond. 1862). Seine Gattin übersetzte Humboldts "Kosmos" und "Ansichten der Natur" ins Englische.

Sabineinsel, an der Ostküste von Grönland unter 74° 32' nördl. Br. und 18° 19' westl. L., besucht von Clavering und Sabine 1823, Station der deutschen Polarexpedition 1869-70. Jahresmittel -11,7° C., Maximalkälte -40,3°, Maximalwärme +13,1° C.

Sabīner, eins der Urvölker Mittelitaliens, nach Strabon Autochthonen, aber, wie sich schon aus den Überresten ihrer Sprache ergibt, gleich den meisten übrigen alten Völkerschaften Italiens indogermanischen Stammes. Ihr Name wird gewöhnlich von ihrem Stammvater Sabinus, einem Sohn des einheimischen Gottes Sancus, hergeleitet. Die ältesten Spuren des Volkes finden sich in der Gegend von Amiternum am Fuß der Hauptkette des Apennin, von wo sie zunächst in das Thal von Reate (Rieti) herabzogen und von da noch weiter nach Süden bis in die Nähe von Rom vordrangen. Die S. von Cures vereinigten sich zwar mit dem römischen Volk (s. Romulus); die übrigen S. aber führten noch viele Kriege mit den Römern, bis sie von M' Curius Dentatus 290 v. Chr. völlig besiegt und unterworfen wurden. Eine viel weitere Verbreitung erhielten die S. aber durch die oft wiederholten Auswanderungen ihrer jungen Mannschaft, die infolge besonderer Gelübde, des sogen. Ver sacrum, zu geschehen pflegten, wodurch Samnium (wo die Samniter und die Marser, Marruciner, Päligner, Vestiner, Hirpiner, Frentaner ihre Wohnsitze nahmen), Picenum und Lukanien Völker ihres Stammes, die man die Sabeller zu nennen pflegt, zur herrschenden Bevölkerung bekamen; selbst in Kampanien drangen sabellische Samniter ein und vermischten sich mit der dortigen oskischen Bevölkerung. Von Städten sind zu nennen: im Gebiet der S. Amiternum, Reate, Cures, Eretum, Nomentum, bei den Pälignern Corfinium und Sulmo, in Samnium Äsernia, Bovianum, Aquilonia, Beneventum, Venafrum, Allisä, Caudium; Flüsse: Nar, Äsis, Aternus, Frento, Liris; Seen: der Lacus Fucinus und Velinus. Die sabellischen Völker werden wegen ihrer Einfachheit und Tapferkeit gerühmt; ihre Unterwerfung erfolgte durch eine lange Reihe von Kriegen, die fast ununterbrochen von 343-266 dauerten, und in denen besonders die Samniter den tapfersten Widerstand leisteten. Auch sie erhielten, wie die sämtlichen Völker Mittel- und Unteritaliens, durch den Bundesgenossenkrieg (91-88) das römische Bürgerrecht. S. Karte bei Art. Italia. Vgl. Guattani, Monumenti sabini (Rom 1827, 3 Bde.).

Sabīnergebirge, die innerste, dem römischen Apennin und den Abruzzen nächstliegende parallele Kette des römischen Subapennin, von jenen durch das Thal des Salto und Velino geschieden, im W. von Teverone und Tiber begrenzt. Aus Kreidekalk aufgebaut, ist es ein an wilden Naturszenarien reiches Bergland, welches an Stelle der meist verwüsteten Wälder ausgedehnte Gestrüppformationen (Macchien) aufweist und im Monte Gennaro mit 1269 m gipfelt.

Sabinĭaner, altröm. Rechtsschule, von Capito zur Zeit des Kaisers Augustus gegründet, aber nach dessen Anhänger Massurius Sabinus, auch Cassianer von Cassius Longinus benannt, unterschied sich von der neben ihr bestehenden Prokulianischen besonders dadurch, daß die S. mehr den Buchstaben des Gesetzes festhielten, während die Prokulianer (so genannt nach Licinius Proculus, auch Pegasianer nach Pegasus) mehr aus der Natur und aus dem innern Wesen der Sache argumentierten.

Sabinĭanus, Papst vom 13. Sept. 604 bis 22. Febr. 606, soll den gottesdienstlichen Gebrauch der Glocken angeordnet haben.

Sabīnum, berühmtes Landgut des Dichters Horatius im Sabinerland, klein, aber mit schönen Waldungen, 14 Milien nördlich von Tibur (Tivoli), im Thal des heutigen Licenza, welches er von seinem Gönner Mäcenas zum Geschenk erhalten hatte.

Sabīnus, 1) Aulus, röm. Dichter, Freund des Ovid, verfaßte Antworten auf dessen "Heroiden"; die drei "Epistolae" jedoch, welche meist milden "Heroiden" abgedruckt sind (am besten von Lörs, Köln 1829-30), sind das Werk eines Italieners des 15. Jahrh., Namens Angelus Quirinus S.

2) Massurius, röm. Jurist aus Verona unter Kaiser Tiberius, Hauptvertreter der nach ihm benannten Rechtsschule der Sabinianer (s. d.) und Verfasser eines oft kommentierten Werkes: "De jure civili".

Sabīnus (eigentlich Schuler), Georg, Gelehrter und Dichter, geb. 23. April 1508 zu Brandenburg, studierte in Wittenberg alte Litteratur und Rechte, ward 1538 Professor der Poesie und Beredsamkeit zu Frankfurt a. O. und 1544 erster Rektor der neugegründeten Universität zu Königsberg, trat 1555 in die Dienste des Kurfürsten Joachim von Bran-^[folgende Seite]