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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Sabiona - Sacchini.

denburg zurück, ging 1560 als Gesandter seines Hofs nach Italien, starb aber schon 2. Dez. d. J. in Frankfurt a. O. Seine erste Gattin (seit 1536) war eine Tochter Melanchthons. Unter seinen Schriften zeichnen sich die im Geist Ovids verfaßten Dichtungen ("Poemata", Leipz. 1558; neu von Menius, Wittenb. 1563) aus. Vgl. Töppen, Die Gründung der Universität zu Königsberg und das Leben ihres ersten Rektors Georg S. (Königsb. 1844); Heffter, Erinnerung an Georg S. (Leipz. 1844); Fürstenhaupt, Georg S. (Berl. 1849).

Sabiona, s. Klausen.

Sable (franz., spr. ssabl), Zobel; daher in der Wappenkunde s. v. w. Schwarz (vgl. Pelzwerk).

Sablé, Stadt im franz. Departement Sarthe, Arrondissement La Flèche, am Zusammenfluß der Erve und Sarthe, Kreuzungspunkt der Eisenbahnlinien Le Mans-Angers, Sillé le Guillaume-S. und La Flèche-S., hat ein großes Schloß, ein Collège, Fabrikation von Handschuhen, Wollspinnerei, Kohlengruben, Marmorbrüche und (1886) 5357 Einw.

Sable Island (spr. ssebl eiländ, Sandinsel), niedrige Sandinsel auf dem Kurs der von Europa nach Halifax (Neuschottland) segelnden Schiffe, durch zahlreiche Schiffbrüche berüchtigt geworden. Auf ihr eine Rettungsanstalt für Schiffbrüchige. S. war der erste 1598 durch die Franzosen in jener Gegend besetzte Punkt.

Sables d'Olonne, Les (spr. lä ssabl dolonn), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Vendée, am Atlantischen Ozean gelegen, Endpunkt der Eisenbahn La Roche sur Yon-S., hat einen durch Batterien und Festungswerke verteidigten Hafen, welcher infolge vorgeschrittener Versandung durch einen Kanal mit der offenen See verbunden werden mußte (in demselben sind 1886: 376 beladene Schiffe mit 69,242 Ton. eingelaufen), ein Collège, eine hydrographische Schule, Seebäder, Schiffswerfte, Salzschlämmerei, Fischfang, lebhaften Handel mit Getreide, Wein, Salz, Vieh, Holz, Teer etc. und (1886) 9775 Einw.

Sabon (spr. -bóng), nur noch selten gebrauchter Name einer Druckschrift von 60-84 typographischen Punkten zu Titeln und Anschlägen (Plakaten), benannt nach Jakob Sabon in Frankfurt a. M., der sie um 1590 zuerst schnitt. S. Schriftarten.

Sabots (franz., spr. -boh), Holzschuhe.

Saburra (lat., "Sand, Ballast"), unverdaute Substanzen im Magen; Saburralzustand (Status gastrico-saburralis), s. v. w. Darmkatarrh.

Sacatepeques (spr. -pèkes), Departement im mittelamerikan. Staat Guatemala, auf dem Hochland in der Nähe der Hauptstadt, mit (1885) 37,731 Einw. In ihm erheben sich die beiden höchsten Berge des Staats, die Vulkane del Agua und del Fuego. Hauptstadt ist Guatemala la Antigua; außerdem liegt in ihm die Ciudad Vieja (s. Guatemala).

Saccharate (griech.), Verbindungen des Zuckers mit Basen, s. Zucker.

Saccharifikation (lat.), Zuckerbildung, Verzuckerung, z. B. von Stärkemehl durch Malz, Speichel etc.

Saccharimetrie (Saccharometrie), die Ermittelung des Zuckergehalts eines Körpers, besonders einer Lösung. In reinen Lösungen, welche nur Zucker enthalten, kann man den Gehalt mittels eines Aräometers bestimmen. Für praktische Zwecke benutzt man besondere Aräometer (Saccharimeter), welche den Zuckergehalt einer Lösung direkt in Prozenten angeben. Sie werden auch in der Bierbrauerei angewandt, da Lösungen von wasserfreiem Malzextrakt dasselbe spezifische Gewicht besitzen wie Zuckerlösungen von gleichem Prozentgehalt. Enthalten die Zuckerlösungen fremde Stoffe, durch welche das spezifische Gewicht beeinflußt wird, so bringt man sie durch Hefe in Gärung, bestimmt nach Ablauf derselben den aus dem Zucker gebildeten Alkoholgehalt und berechnet daraus den Zuckergehalt. Oder man versetzt die Zuckerlösung mit einer Lösung von weinsaurem Kupferoxydkali und bestimmt die Menge des hierbei entstehenden Kupferoxyduls. Handelt es sich um eine Rohrzuckerlösung, so muß man den Rohrzucker zunächst durch Kochen mit verdünnter Schwefelsäure in Traubenzucker verwandeln. Am häufigsten bestimmt man den Zuckergehalt von Lösungen mit Hilfe des Polarisationsinstruments. Rohrzucker und Traubenzucker lenken die Ebene des polarisierten Lichtstrahls nach rechts, Fruchtzucker nach links, und zwar entspricht die Größe der Ablenkung dem Gehalt der Lösung von Zucker. Polarimeter (Saccharimeter) wurden konstruiert von Mitscherlich, Ventzke-Soleil, Pohl und Wild. Man stellt eine farblose Zuckerlösung her, füllt diese in eine an beiden Enden durch Glasplatten geschlossene Metallröhre, legt letztere in den Apparat zwischen zwei Nicolsche Prismen und beobachtet direkt den Grad der Ablenkung.

Saccharin (Anhydroorthosulfaminbenzoesäure) wird aus Toluol dargestellt, indem man das Natriumsalz der Sulfosäure desselben mit Phosphortrichlorid und Chlor behandelt, das gebildete Chlorid durch Ammoniak in Orthotoluolsulfamid verwandelt und dies mit Permanganat oxydiert. Aus der Lösung scheiden Säuren das S. ab. Es bildet farb- und geruchlose Kristalle. 1000 Teile Wasser lösen 3,33 Teile, 10proz. Alkohol 5,41 Teile, 40proz. Alkohol 19,88 Teile, absoluter Alkohol 30,27 Teile. S. besitzt einen rein süßen Geschmack, der so intensiv ist, daß 1000 Teile Stärkezuckersirup durch 2-3 Teile S. den Geschmack von reinem Raffinadesirup erhalten. Auch die Salze des Saccharins schmecken rein süß, und die Alkalisalze sind so leicht löslich, daß die Löslichkeit des Saccharins in Wasser durch Zusatz von kohlensaurem Natron beliebig gesteigert werden kann. Es wirkt schwach antiseptisch, ist auch in verhältnismäßig großen Dosen vollkommen unschädlich und scheint unzersetzt den Organismus zu passieren. S. wurde 1885 von Fahlberg entdeckt und dient als Ersatz des Zuckers in der Zuckerbäckerei und Likörfabrikation, namentlich auch, um dem Traubenzucker einen süßern Geschmack zu erteilen. In der Medizin benutzt man es als Ersatz des Zuckers in der Kost der Diabetiker und Fettleibigen, bei Verdauungsstörungen, die durch abnorme Gärungsvorgänge hervorgebracht werden, und in der Pharmazie als Geschmackskorrigens.

Saccharomyces, s. Hefe.

Saccharose, s. v. w. Rohrzucker, s. Zucker.

Saccharum (lat.), s. v. w. Zucker und Zuckerrohr. S. lactis, Milchzucker; S. saturni, essigsaures Bleioxyd, Bleizucker.

Sacchini (spr. ssackini) Antonio Maria Gasparo, Komponist, geb. 23. Juli 1734 zu Pozzuoli bei Neapel, erhielt seine Ausbildung im dortigen Konservatorium Sant' Onofrio unter Durantes Leitung, lebte 1762-68 zu Rom, wo seine dramatischen Erstlingswerke mit Erfolg zur Aufführung kamen, wurde im letztern Jahr als Kapellmeister am Konservatorium Ospedaletto zu Venedig angestellt und ging 1771, nachdem er mehrere seiner Opern in Stuttgart und München zur Aufführung gebracht, zu längerm Aufenthalt nach London. Hier fand er zwar allgemeine Anerkennung, geriet jedoch infolge luxuriösen Lebens in finanzielle Verlegenheiten und ging deshalb 1782 nach Paris, wo er sich der besondern Gunst