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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Saint-Germain en Laye - Saint-Hilaire du Harcouët.

Welt für sich in Spannung zu halten. Cagliostro galt als sein Schüler. Lebensmüde und verschuldet starb er Anfang 1784 in Eckernförde oder Schleswig, nach andern 1795 in Kassel. Vgl. Öttinger, Graf S. (Leipz. 1846); Bülau, Geheime Geschichten, Bd. 1 (2. Aufl., das. 1863).

Saint-Germain en Laye (spr. ssäng-schermang ang läh), Stadt im franz. Departement Seine-et-Oise, Arrondissement Versailles, malerisch auf einer Anhöhe über der Seine und an der Eisenbahn Paris-S., 21 km von Paris, gelegen, hat eine katholische und eine reform. Kirche, ein altes Schloß (s. unten), eine Bibliothek, Woll- und Baumwollindustrie und (1886) 14,280 Einw. Gegen das Seinethal zu zieht sich die von Le Nôtre 1796 angelegte Terrasse (2400 m lang, 35 m breit), ein prachtvoller Aussichtspunkt, hin; an ihrem südlichen Ende steht der Pavillon Heinrichs IV., der Rest des von Heinrich II. erbauten, 1776 demolierten neuen Schlosses. Der schöne Wald von S. bedeckt 4400 Hektar, ist von Mauern umgeben, von geraden Alleen durchzogen, enthält ein kleines Lustschloß, Les Loges, wo jährlich ein besuchtes Volksfest abgehalten wird, und bildet ein wildreiches Jagdrevier. - Das alte berühmte Schloß ist ein gewaltiger, historisch sehr wichtiger Bau, der unter Karl V. 1370 begonnen ward, seit der Regierung Franz' I. zum häufigen Aufenthaltsort des französischen Hofs diente und von Franz sowohl als von den spätern Königen vielfach erweitert und verschönert wurde. Heinrich II., Karl IX., Ludwig XIII. (der hier auch starb) und Ludwig XIV. wurden in S. geboren. Auch ward hier 1570 der Friede zwischen Karl IX. und den Hugenotten, 17. Okt. 1635 der Vergleich zwischen Bernhard von Weimar und Ludwig XIV. und 29. Mai 1679 der Friede zwischen Frankreich und Brandenburg geschlossen. Ludwig XIV. überließ das Schloß 1689 dem vertriebenen König Jakob II. von England, der 1701 hier starb; auch sein Sohn, der Prätendent Jakob III., residierte in S. Seitdem war es nie mehr Residenz eines Königs. Es diente in der Folge als Kaserne und ward 1840 zu einer Militärstrafanstalt eingerichtet. Napoleon III. stellte das Schloß wieder her, und jetzt ist in demselben ein Museum gallo-römischer Altertümer eingerichtet. Vgl. Lacombe, Le château de S. (4. Aufl., Par. 1874).

Saint-Germainthee, s. Sennesblätter.

Saint Germans (spr. ssent dschörmens), Edward Granville, Graf von, s. Eliot 3).

Saint-Gervais (spr. ssäng-scherwäh, S. le Village), besuchter Badeort im franz. Departement Obersavoyen, Arrondissement Bonneville, südöstlich von Sallanches, am westlichen Fuß des Montblanc, in enger Schlucht des Thals von Montjoie reizend gelegen, mit Wasserfall, schwefelhaltiger Heilquelle (40° C.) und (1881) 263 Einw.

Saint-Ghislain (spr. ssäng-giläng), Stadt in der belg. Provinz Hennegau, Arrondissement Mons, Knotenpunkt an der Eisenbahn Brüssel-Valenciennes, mit höherer Knabenschule und Industrieschule, Tabaks- und Zigarrenfabrikation, beträchtlichem Steinkohlenhandel und (1887) 3430 Einw.

Saint Giles (spr. ssent dscheils), Kirchspiel in London, sprichwörtlich wegen seiner Armut und daher Gegensatz zu dem benachbarten behäbigen St. James (s. d.).

Saint-Gilles (spr. ssäng-schihl, S. les Boucheries), Stadt im franz. Departement Gard, Arrondissement Nîmes, am Kanal von Beaucaire und an der Eisenbahn Lunel-Arles, hat eine romanische, 1116 begonnene Abteikirche mit schönen Portalen in antikem Stil und merkwürdigem Ringgewölbe, welches eine Wendeltreppe stützt (Vis de S.), ausgezeichneten Weinbau, Branntweinbrennerei u. (1886) 4876 Einw. S. ist die Vaterstadt des Papstes Clemens IV.

Saint-Girons (spr. ssäng-schiróng), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Ariége, am Salat und an der Eisenbahn Boussens-S., mit einer restaurierten Kirche in romanischem Stil, zwei Marmorbrücken, welche die alte Stadt mit dem neuen Stadtteil (Villefranche) verbinden, einem Collège, Marmorbrüchen, Fabrikation von Papier und Leinwand, Schafwollspinnerei und (1886) 4274 Einw.

Saint-Gobain (spr. ssäng-gobang), Dorf im franz. Departement Aisne, Arrondissement Laon, an der Flügelbahn Chauny-S. gelegen, mit (1881) 1865 Einw., berühmt durch seine große Glas- und Spiegelfabrik, welche schon im 13. Jahrh. existierte.

Saint Helena (spr. ssent héllinä), Dorf im nordamerikan. Staat Kalifornien, beim St. Helenaberg (1324 m), einem erloschenen Vulkan, mit Schwefelquelle, Weinbau und (1880) 1339 Einw.

Saint Helens (spr. ssent héllens), Vulkan im Kaskadengebirge des nordamerikan. Territoriums Washington, 3250 m hoch, der 1842 einen Ausbruch hatte.

Saint Helens (spr. ssent héllens), Stadt in Lancashire (England), 16 km von Liverpool, ist schlecht gebaut, hat bedeutende Fabrikation von Kron-, Spiegel- und Hohlglas, große chemische Fabriken, Kupferschmieden und (1881) 57,403 Einw.

Saint Hélier (spr. ssent hélljer, auch St. Heliers), Hauptstadt von Jersey, einer der britischen Kanalinseln, auf der Südseite, mit zum Teil engen Straßen und (1881) 28,020 Einw. (wovon über die Hälfte Engländer und Ausländer). Von ansehnlichen Gebäuden verdienen Erwähnung: das 1852 gegründete Victoria College, Hospital, Gefängnis, öffentliche Bibliothek, Theater und mehrere Kirchen. Der Hafen, durch Elizabeth Castle und das auf steilem Fels stehende Fort Regent verteidigt, ist 1873 angelegt. Derselbe wird gebildet durch zwei ungeheure Steindämme von 823 und 945 m Länge, mit 253 m breiter, durch zwei Leuchttürme kenntlicher Einfahrt und einem Areal von 155 Hektar, wovon 20 Hektar auch bei Ebbe eine Tiefe von 2,7 m haben.

Saint-Hermidad, Em., Pseudonym, s. Thisted.

Saint-Hilaire (spr. ssängt-ilähr), 1) Augustin François César Prouvensal, Naturforscher und Reisender, geb. 4. Okt. 1799 zu Orléans, machte sich in Hamburg mit deutscher Sprache und Litteratur vertraut, widmete sich dem Studium der Botanik und begleitete den Herzog von Luxembourg auf dessen Reise nach Brasilien. Als Früchte seiner sechsjährigen Durchforschung dieses Landes erschienen: "Histoire des plantes les plus remarquables du Brésil et du Paraguay" (1824); "Plantes usuelles des Brésiliens" (1824-28); "Flora Brasiliae meridionalis" (1825-33, 3 Bde.); "Voyage dans les provinces de Rio de Janeiro et de Minas Geraës" (1830, 2 Bde.); "Voyage dans le district des diamants et sur le litoral du Brésil" (1833, 2 Bde.); "Voyage aux sources du Rio de S. Francisco et dans la province de Goyaz" (1847-48, 2 Bde.) und "Voyage dans les provinces de Saint-Paul et de Sainte-Catherine" (1851, 2 Bde.). Günstige Aufnahme fanden auch seine "Leçons de botanique" (Par. 1840-41, 2 Bde.). Er starb in Paris 1853.

2) Jules Barthélemy, franz. Gelehrter und Staatsmann, s. Barthélemy Saint-Hilaire.

3) Etienne, franz. Naturforscher, s. Geoffroy Saint-Hilaire.

Saint-Hilaire du Harcouët (spr. ssängt-ilähr dü arcuä),