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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Salopp; Salpen; Salpeter

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Salopp - Salpeter.

Salopp (franz.), unsauber, schlumpig; Salopperie, Unsauberkeit, Schmutz.

Salpen (Thaliacea), Ordnung der Tunikaten (s. d.) oder Manteltiere, sind schwimmende, walzen- oder tonnenförmige, glashelle, durchsichtige Tiere mit endständigen, einander gegenüberliegenden Mantelöffnungen und bandförmigen oder lamellösen Kiemen. Sie leben einzeln oder in sehr regelmäßiger Anordnung zu Doppelreihen oder zu Ringketten vereinigt an der Oberfläche des Meers. Die Einfuhröffnung ist meist eine breite, von beweglichen Lippen begrenzte Querspalte und führt in den weiten Atemraum, in welchem sich die Kieme ausspannt. Der Nahrungskanal liegt gewöhnlich in Knäuelform an der untern und hintern Seite des Körpers, mit den übrigen Eingeweiden in eine Art Eingeweidehöhle zusammengedrängt. Im übrigen vergleiche wegen des innern Baues die Tunikaten. Die S. bewegen sich mit Hilfe der tonnenreifartigen Muskulatur der Atemhöhle, indem sie einen Teil des im Atemraum enthaltenen Wassers durch heftige Kontraktion zur Auswurfsöffnung hinaustreiben und unter der Wirkung des Rückstoßes in entgegengesetzter Richtung fortschießen; sie schlucken sich also gewissermaßen durch das Wasser hindurch. Die Fortpflanzung der S. ist eine geschlechtliche und ungeschlechtliche; sie wird kompliziert durch den Generationswechsel. Die Einzelform nämlich der S. produziert auf ungeschlechtlichem Weg in einem sogen. Keimstock eine ganze Menge zu einer Kette vereinigter Individuen, welche in Gestalt und Bau von dem sie hervorbringenden Tier abweichen, selbst aber Geschlechtsorgane besitzen und fast immer nur je Ein Junges gebären. Letzteres wächst zur Einzelform heran und gleicht daher nicht seiner Mutter, sondern deren Vorfahren. Dieser Generationswechsel wurde von dem Dichter Chamisso auf dessen Weltumseglung entdeckt und 1819 beschrieben. S. Tafel "Mollusken und Tunikaten".

Salpeter (salpetersaures Kali, prismatischer oder Kalisalpeter, Nitrum) KNO3 ^[KNO_{3}] findet sich mit andern Salpetersäuresalzen, besonders mit salpetersaurem Kalk und salpetersaurer Magnesia, an Stellen, die der Bildung von Salpetersäure (s. d.) günstig sind, an Mauern, in welche Urin, Kanalwasser etc. einsickern kann, auf Ceylon in Höhlen eines Magnesia oder Feldspat enthaltenden Kalkfelsens, welcher auch von organischen Stoffen nicht ganz frei und einer durch Fledermausexkremente ammoniakalischen Luft der Höhlen ausgesetzt ist; unter ähnlichen Verhältnissen findet sich S. am Adriatischen Meer in Italien, in Tennessee, Kentucky, am Missouri und Crookedfluß, in Afrika und auf Teneriffa. Ferner finden sich in Indien (Bengalen, Patna), auch in Südamerika, Arabien, Ägypten, Persien, Spanien, Ungarn Salpetersäuresalze oft in großer Ausdehnung im Boden, aber immer nur in einer durch die Luft noch erreichbaren Tiefe; durch eindringende Feuchtigkeit gelöst, gelangen die Salze an die Oberfläche und bilden Auswitterungen, die, mit Erde gemischt, eingesammelt (Kehrsalpeter) und auf S. verarbeitet werden. In ähnlicher Weise benutzt man in Indien auch die Erde in der Nähe der Wohnungen, welche mit dem Harn von Menschen und Tieren getränkt ist. Der Stickstoff des Harn wird so schnell in Salpetersäure verwandelt, welche sich mit dem im Boden enthaltenen Kali verbindet, daß man die Erde in kurzen Zwischenräumen auslaugen kann. In der Schweiz gewinnt man in ähnlicher Weise S. aus der Erde unter den Ställen, die man alle sieben Jahre aufnimmt. Die zum Teil von der Natur gegebenen Bedingungen der Salpeterbildung stellt man auch künstlich in den sogen. Salpeterplantagen her, indem man mit faulenden stickstoffhaltigen Substanzen (Dünger, tierische Abfälle aller Art aus Schlachthäusern, Gerbereien etc.) geschwängerte Erde mit Kalk, Mauerschutt etc. mischt, in Haufen aufschichtet und fortwährend durch Mistjauche oder Harn feucht erhält. Nach einigen Jahren hat sich in der Erde so viel S. gebildet, daß es lohnt, sie auszulaugen. Die Lauge aller dieser Rohmaterialien enthält aber auch salpetersauren Kalk, salpetersaure Magnesia etc. und wird deshalb mit Pottasche (kohlensaurem Kali) versetzt (gebrochen), um Kalk und Magnesia als Kohlensäuresalze zu fällen und salpetersaures Kali zu bilden. Die geklärte Lauge wird stark verdampft, wobei sich ein großer Teil der fremden Salze ausscheidet, und dann zur Kristallisation gebracht. Die von den Kristallen getrennte Mutterlauge kommt mit neuer Rohlauge in den Kessel zurück. Gegenwärtig wird bei weitem der meiste S. aus Chilisalpeter (salpetersaurem Natron) dargestellt, indem man letztern mit Chlorkalium in Wasser löst und die Lösung stark verdampft. Es scheidet sich dabei viel Chlornatrium aus, und die Lösung liefert beim Erkalten salpetersaures Kali (Konversionssalpeter). Die Mutterlauge wandert in den Lösungskessel zurück. Erhitzt man mit der Mutterlauge ein Gemenge von Chilisalper ^[richtig: Chilisalpeter] und Chlorkalium, so scheidet sich ebenfalls Chlornatrium aus, und salpetersaures Kali geht in Lösung. Der rohe S. enthält stets viel Chlorverbindungen und muß namentlich für die Schießpulverfabrikation sorgfältig gereinigt werden. Man löst ihn in möglichst wenig siedendem Wasser, läßt die geklärte Lösung unter Umrühren erkalten und wäscht das ausgeschiedene, aus kleinen Kristallen bestehende Salpetermehl mit Wasser und reiner Salpeterlösung, worauf es getrocknet und gesiebt wird.

S. bildet farblose, wasserfreie, luftbeständige Kristalle vom spez. Gew. 2,1, schmeckt kühlend, wenig bitter, löst sich in Wasser unter starker Temperaturerniedrigung, und zwar lösen 100 Teile Wasser bei

^[Liste]

0° 10° 20° 40° 60° 80° 100°

Teile S. 13,3 21,1 31,2 64,0 111,0 172,0 247,0

und bei 114°, dem Siedepunkt der gesättigten Lösung, 327,4 Teile S. In Alkohol ist S. unlöslich. Er schmilzt bei 339°, erstarrt grobstrahlig kristallinisch, verliert in stärkerer Hitze Sauerstoff und gibt salpetrigsaures Kali, zuletzt Kali. Geschmolzener S. wirkt daher sehr kräftig oxydierend, gibt z. B. mit Kohlenpulver beim Erhitzen unter lebhafter Verbrennung kohlensaures Kali, Kohlensäure und Stickstoff, mit Schwefel schwefelsaures Kali und Stickstoff; er oxydiert bei hoher Temperatur die meisten Metalle, verbrennt organische Stoffe, gibt mit überschüssigem Weinstein durch Kohle schwarz gefärbtes, bei Überschuß von S. aber weißes kohlensaures Kali (schwarzer und weißer Fluß). S. stört bei anhaltendem Gebrauch die Verdauung, wirkt reizend, in großen Dosen giftig, setzt die Pulsfrequenz und Körpertemperatur herab und wird deshalb als Arzneimittel bei entzündlichen, fieberhaften Affektionen benutzt. Am häufigsten dient er zur Darstellung von Schieß- und Sprengpulver, Feuerwerkskörpern, Salpetersäure, Schießbaumwolle etc., zu Kältemischungen, in der Glasfabrikation zum Reinigen der Glasmasse, als Oxydations- und Flußmittel bei Metallarbeiten, zum Pökeln des Fleisches neben Kochsalz, zur Herstellung von Preßkohle, als Dünger und zu chemischen und pharmazeutischen Präparaten. S. wird zuerst von Geber als Sal Petrae erwähnt, bei den jüngern Alchimisten findet er sich als Sal Nitri,