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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Salpeter, flammender - Salpetersäure.

während er später einfach Nitrum genannt wurde, unter welchem Namen die Alten das kohlensaure Natron verstanden. Große Bedeutung gewann S. durch die Erfindung des Schießpulvers, und lange wurde der Bedarf durch die heimischen Salpeterplantagen und durch den indischen S. gedeckt. Auch jetzt noch liefert Indien große Mengen S. Bei der plötzlich stark gesteigerten Nachfrage nach S. während des Krimkriegs begannen Wöllner, Grüneberg und Nöllner die Darstellung von Konversionssalpeter aus Chilisalpeter, welche durch die Staßfurter Kaliindustrie neue Anregung gewann und die Salpeterplantagen in England, Frankreich und Deutschland vollständig verschwinden ließ, in andern Ländern aber stark einschränkte.

Salpeter, flammender, s. v. w. salpetersaures Ammoniak.

Salpeter, kubischer, s. v. w. salpetersaures Natron.

Salpeter, prismatischer, s. v. w. salpetersaures Kali.

Salpeteräther, s. Salpetrige Säure.

Salpeterätherweingeist, s. Salpetrige Säure.

Salpeterfraß, s. Mauerfraß.

Salpetergas, s. v. w. Stickstoffoxyd.

Salpetergeist, versüßter, s. v. w. Salpetersäureäther.

Salpeterluft, s. v. w. Stickstoff.

Salpeternaphtha, s. Salpetrige Säure.

Salpeterpapier, mit Salpeterlösung getränktes und getrocknetes Papier, dessen beim Verglimmen sich entwickelnde Dämpfe als Heilmittel bei Asthma eingeatmet werden.

Salpeterplantagen, s. Salpeter.

Salpetersalzsäure, s. Königswasser.

Salpetersäure (Scheidewasser) HNO3 ^[HNO_{3}] findet sich nicht im freien Zustand in der Natur, aber weitverbreitet an Basen gebunden, in großer Menge als Natriumsalz (Chilisalpeter), als Kaliumsalz (s. Salpeter), auch als Calcium- und Magnesiumsalz im natürlichen Salpeter, als Ammoniumsalz in den atmosphärischen Niederschlägen. Kleine Mengen von Salpetersäuresalzen (Nitraten) finden sich in der Ackerkrume, in vielen Quell- und Flußwassern. Meist ist in diesen natürlichen Nitraten auch salpetrige Säure (HNO2 ^[HNO_{2}]) nachweisbar, und vielleicht entsteht S. stets aus dieser; jedenfalls treten beide ganz allgemein nebeneinander auf. Schlagen elektrische Funken anhaltend durch ein Gemisch von Sauerstoff und Stickstoff (z. B. atmosphärische Luft), so verbinden sich beide Gase, und es entstehen rote Dämpfe von Stickstofftrioxyd, bei Gegenwart von Wasser und Alkali salpetrige Säure, die dann weiter in S. übergeht. Daher sind beide Säuren im Gewitterregenwasser nachweisbar. S. bildet sich auch, wenn verschiedene Körper, wie Wasserstoff, Ammoniak, in einem Gemisch von Stickstoff und Sauerstoff (also in atmosphärischer Luft) verbrennen. Bei den gewöhnlichen Verbrennungsprozessen entsteht salpetersaures Ammoniak, und dieses ist in den atmosphärischen Niederschlägen nachweisbar. Salpetrigsaures Ammoniak findet sich in der ausgeatmeten Luft. Auch bei Verwesungsprozessen wird S. gebildet. Am häufigsten und reichlichsten entstehen salpetrige Säure und S. aus Ammoniak, z. B. wenn man Kupferdrehspäne oder Platinschwarz mit Ammoniak befeuchtet der Luft aussetzt. Bei 300° bildet Platinschwamm aus Luft und Ammoniak oder kohlensaurem Ammoniak oder Chlorammonium S.; auch wenn Ammoniak über erhitztes Mangansuperoxyd geleitet wird, bei Behandlung von schwefelsaurem Ammoniak mit chromsaurem Kali und Schwefelsäure, bei Einwirkung von Ammoniak und Luft auf mit Ätzkalilösung befeuchtete Kreide bei 100° entsteht S. Bei der Fäulnis stickstoffhaltiger Substanzen (Eiweiß, Leim, überhaupt tierische Stoffe) entweicht der Stickstoff in Form von Ammoniak; sind aber Basen oder kohlensaure Salze der Alkalien oder alkalischen Erden zugegen, so wird das Ammoniak zu S. oxydiert. So entsteht z. B. der natürliche Salpeter besonders in wärmern Ländern in einem mit organischen Stoffen, Urin oder Exkrementen geschwängerten, Kalk und Alkalien enthaltenden Boden und an Stallmauern. Dieser Prozeß ist einer Gärung vergleichbar und verläuft, wie es scheint, unter dem Einfluß eines Ferments, welches, wie bei der alkoholischen Gärung, aus niedern Organismen besteht. Tötet man letztere und entzieht der hinzutretenden Luft die Keime, aus welchen sich von neuem Ferment entwickeln würde, so findet keine Salpeterbildung statt. Ozon oxydiert Ammoniak sehr leicht, und da es weitverbreitet in der Natur vorkommt und überall auch Ammoniak vorfindet, so erscheint die Oxydation des Ammoniaks durch Ozon als einer der wichtigsten Salpeterbildungsprozesse in der Natur. In lockern, porösen Materialien, wo Ammoniak, Feuchtigkeit und Luft mit kohlensaurem Kalk oder Kali zusammentreffen, entsteht S. Das Ammoniak wirkt dabei zum Teil auch als Base, und es entsteht salpetersaures Ammoniak, welches durch den kohlensauren Kalk zersetzt wird. Die langsame Verbrennung des Humus veranlaßt, wie die des mit Ammoniak befeuchteten Kupfers, die Oxydation des Ammoniaks.

Reine S. ist farblos, raucht an der Luft, ist sehr hygroskopisch, riecht schwach eigentümlich, wirkt außerordentlich ätzend und erzeugt auf der Haut schmerzhafte tiefe Wunden. Das spezifische Gewicht ist 1,52; sie erstarrt bei -50°, siedet bei 86° unter beginnender Zersetzung in Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoffperoxyd, färbt sich auch am Licht gelb und erwärmt sich beim Mischen mit Wasser. Den Gehalt von S. bei verschiedenem spezifischen Gewicht zeigt die Tabelle:

°B. Spez. Gew. 100 Teile enthalten bei 15°

Salpetersäure Salpetersäureanhydrid

0 1,000 0,2 0,1

1 1,007 1,5 1,3

2 1,014 2,6 2,2

3 1,022 4,0 3,4

4 1,029 5,1 4,4

5 1,036 6,3 5,4

6 1,044 7,6 6,5

7 1,052 9,0 7,7

8 1,060 10,2 8,7

9 1,067 11,4 9,8

10 1,075 12,7 10,9

11 1,083 14,0 12,0

12 1,091 15,3 13,1

13 1,100 16,8 14,4

14 1,108 18,0 15,4

15 1,116 19,4 16,6

16 1,125 20,8 17,8

17 1,134 22,2 19,0

18 1,143 23,6 20,2

19 1,152 24,9 21,3

20 1,161 26,3 22,5

21 1,171 27,8 23,8

22 1,180 29,2 25,0

23 1,190 30,7 26,3

24 1,199 32,1 27,5

25 1,210 33,8 28,9

26 1,221 35,5 30,4

27 1,231 37,0 31,7

28 1,242 38,6 33,1

29 1,252 40,2 34,5

30 1,261 41,5 35,6

31 1,275 43,5 37,3

32 1,286 45,0 38,6

33 1,298 47,1 40,4

34 1,309 48,6 41,7

35 1,321 50,7 43,5

36 1,334 52,9 45,3

37 1,346 55,0 47,1

38 1,359 57,3 49,1

39 1,372 59,6 51,1

40 1,384 61,7 52,9

41 1,398 64,5 55,3

42 1,412 67,5 57,9

43 1,426 70,6 60,5

44 1,440 74,4 63,8

45 1,454 78,4 67,9

46 1,470 83,0 71,1

47 1,485 87,1 74,7

48 1,501 92,6 79,4

49 1,516 96,0 82,3

49,5 1,524 98,0 84,0

49,9 1,530 100,0 85,7

Zur Darstellung von S. destilliert man aus einer Retorte Kalisalpeter oder Natronsalpeter mit konzentrierter Schwefelsäure. Zur Darstellung der