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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Salpetersäuresalze

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Salpetersäuresalze.

NaNO3 ^[NaNO<sub>3</sub>] (Natronsalpeter, Würfel- oder kubischer Salpeter) findet sich, meist mit andern Salzen gemengt, in Spanien und in mehreren Teilen Indiens, in großer Menge aber nur in dem regenlosen Küstenstrich des westlichen Südamerika zwischen 19 und 23° südl. Br. in einer Höhe von 1000 m ü. M. Lange Zeit kannte man nur dies Lager in der peruanischen Provinz Tarapaca, in neuerer Zeit aber wurden weitere Lager in Bolivia bei Antofagasta und im Bassin von Loa entdeckt. Der Natronsalpeter (Caliche) bildet unregelmäßige und isolierte Schichten in Tiefen von 1-10 m, welche mit Ablagerungen von Kochsalz und borsaurem Kalk wechseln. Man gewinnt ihn durch Eintreiben kleiner, nur mannsstarker Schächte bis unter das Salpeterlager und Sprengen mit Schießpulver. Das zu Tage geförderte Material enthält 48-75 Proz. salpetersaures Natron, 20-40 Proz. Chlornatrium und geringere Mengen von schwefelsaurem Natron, schwefelsaurem Kalk, jodsaurem Kali, Chlormagnesium, unlöslichen Erdteilen, organischen Substanzen etc. Es wird zerkleinert und mit Mutterlauge durch Dampf erhitzt. Die gesättigte Lauge bringt man durch Abkühlen zur Kristallisation, worauf sie abermals zum Lösen benutzt wird. Das gereinigte Salz kommt als Chilisalpeter nach Europa und enthält etwa 94 Proz. salpetersaures Natron, 1,5 Proz. Chlornatrium, 2 Proz. Wasser, 1 Proz. schwefelsaures Natron, 1 Proz. Chlormagnesium, 0,5 Proz. Chlorkalium und geringe Mengen salpetrigsaures und jodsaures Natron. Die Mutterlauge von der Reinigung des rohen Chilisalpeters ist reich an jodsauren Salzen und wird auf Jod (s. d.) verarbeitet. Aus dem Chilisalpeter gewinnt man durch nochmaliges Umkristallisieren reines Salz, doch genügt bisweilen auch das Waschen des rohen Salzes mit einer Lösung von reinem salpetersauren Natron. Letzteres bildet farblose, wasserfreie, würfelähnliche Kristalle vom spez. Gew. 2,2, schmeckt kühlend salzig, löst sich leicht und unter starker Temperaturerniedrigung in Wasser, und zwar lösen 100 Teile Wasser bei

^[Liste]

0° 72,9 Teile

10° 80,8 "

20° 87,5 "

30° 94,9 "

40° 102 "

50° 112 "

60° 122 "

70° 134 "

80° 148 "

90° 162 "

100° 180 "

110° 200 "

und bei 120°, dem Siedepunkt der gesättigten Lösung, 216 Teile. Es schmilzt bei 310°, zerfällt in starker Hitze in salpetrigsaures Natron und Sauerstoff, verpufft beim Erhitzen mit Kohle und zieht aus der Luft Feuchtigkeit an. Das rohe salpetersaure Natron dient zur Darstellung von Salpetersäure und Schwefelsäure. Mischt man 1 Molekül salpetersaures Natron mit 3 Molekülen Kochsalz und übergießt das Gemenge mit Schwefelsäure, so erhält man saures schwefelsaures Natron, Chlor und Untersalpetersäure, welch letztere durch konzentrierte Schwefelsäure absorbiert und dann in der Schwefelsäurefabrikation benutzt werden kann. Große Mengen von salpetersaurem Natron werden, da es den Kalisalpeter in vielen Fällen, z. B. für die Bereitung des Schießpulvers, nicht ersetzen kann, in Kalisalpeter umgewandelt: aus der mit Chlorkalium versetzten Lösung kristallisiert salpetersaures Kali, während Kochsalz in Lösung bleibt. Außerdem dient salpetersaures Natron zur Darstellung von Sprengpulver, Chlor, arsensaurem Natron, Mennige, basischem Bleichlorid, als Oxydations- und Flußmittel bei Metallarbeiten, in großer Menge zur Stahlfabrikation, zur Reinigung des Ätznatrons und des Glases, zum Einpökeln von Fleisch, zur Darstellung von Glühkohle, zur Regeneration des Braunsteins, als Arzneimittel und in der Landwirtschaft als Dünger. Chilisalpeter ist besonders als Hilfsdünger zu empfehlen, um einer Saat in einer gewissen Periode aufzuhelfen, ihr Wachstum zu beschleunigen. Deshalb verwendet man ihn auch sehr zweckmäßig als Kopfdüngung und darf ihn jedenfalls niemals im Herbst ausstreuen, weil er vom Wasser fortgewaschen wird, sondern nur kurz vor der Aussaat. Salpetersaures Natron wurde zuerst 1683 von Bohn erwähnt, und 1821 entdeckte Mariano de Riviero den Chilisalpeter, der aber erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts größere Bedeutung gewann. 1840 wurden 227,000 Ztr. aus Südamerika exportiert, 1860 schon 1,732,160 Ztr., 1871: 3,605,906 Ztr. Vgl. Stutzer, Der Chilisalpeter etc. als Düngemittel (Berl. 1886); Ochsenius, Die Bildung des Natronsalpeters aus Mutterlaugensalzen (Stuttg. 1887). Salpetersaures Quecksilberoxydul Hg2(NO3)2 ^[Hg<sub>2</sub>(NO<sub>3</sub>)<sub>2</sub>] entsteht bei Einwirkung kalter verdünnter Salpetersäure auf überschüssiges Quecksilber, bildet farblose Kristalle mit 2 Molekülen Kristallwasser, wird von wenig Wasser unverändert gelöst, gibt mit viel Wasser basisches Salz, wirkt stark ätzend, ist höchst giftig, färbt die Haut am Licht purpurrot, dann schwarz, hinterläßt beim Erhitzen Quecksilberoxyd und dient zum Beizen der Haare in der Hutmacherei (Secretage), zum Gelbfärben feiner Wollwaren, zur Zerstörung des Indigos in der Zeugdruckerei, zum Färben des Horns, zum Ätzen und Amalgamieren von Metallen, zur Erzeugung schwarzer Bronze auf Messing, zur Darstellung von fein verteiltem Gold für die Porzellanmalerei, zur Bereitung andrer Quecksilberpräparate, auch als Arzneimittel. Salpetersaures Quecksilberoxyd Hg(NO3)2 ^[Hg(NO<sub>3</sub>)<sub>2</sub>] erhält man durch Lösen von Quecksilberoxyd in Salpetersäure oder durch Behandeln von Quecksilber mit überschüssiger warmer Salpetersäure. Es bildet schwierig große, farblose, zerfließliche Kristalle mit 1 oder 8 Molekülen Kristallwasser, löst sich unzersetzt in wenig Wasser, wird durch viel Wasser unter Abscheidung basischen Salzes zersetzt, wirkt stark ätzend, ist höchst giftig, färbt die Haut wie das vorige und hinterläßt beim Erhitzen Quecksilberoxyd. Man benutzt es zur Darstellung von Anilinrot und Quecksilberoxyd, zum Färben der Seide und als Arzneimittel. Salpetersaures Silberoxyd (Silbersalpeter) AgNO3 ^[AgNO<sub>3</sub>] entsteht beim Lösen von Silber in Salpetersäure, wird aus kupferhaltigem Silber bereitet, indem man die Lösung desselben in Salpetersäure verdampft, den Rückstand bis zur Zersetzung des Kupfernitrats erhitzt und auslaugt, oder indem man aus der kupferhaltigen Lösung Chlorsilber fällt, dies auf reines Silber verarbeitet und dann letzteres in Salpetersäure löst. Es bildet farblose, wasserfreie, luftbeständige Kristalle vom spez. Gew. 4,328, schmeckt herb metallisch, wirkt ätzend giftig, löst sich sehr leicht in Wasser, auch in Alkohol und Äther, reagiert neutral, schmilzt bei 198°, erstarrt kristallinisch, ist am Licht unveränderlich, schwärzt sich aber bei Gegenwart organischer Stoffe, welche metallisches Silber abscheiden. Daher erzeugt die Lösung auf der Haut oder Wäsche schwarze Flecke. Diese verschwinden leicht durch Betupfen mit (höchst giftiger!) Cyankaliumlösung oder nach dem Betupfen mit verdünnter Jodtinktur durch Waschen mit konzentrierter Lösung von unterschwefligsaurem Natron und Spülen mit Ammoniak. Gewöhnlich wird das geschmolzene Silbernitrat in Stängelchen gegossen (Höllenstein, Lapis infernalis, Argentum nitricum fusum); es dient in der Photographie, zur Darstellung andrer Silberpräparate, zum Färben der Haare, zum Zeichnen der