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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Salpetersäure-Triglycerid; Salpêtrière; Salpetrige Säure; Salpetrigsäuresalze; Salpi

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Salpetersäure-Triglycerid - Salpi.

Wäsche und wird als Arzneimittel benutzt. Es dient als Ätzmittel und in Lösung bei Entzündung der Haut und der Schleimhäute, innerlich bei chronischen Magenleiden, Epilepsie und andern Nervenleiden. Bei längerm Gebrauch erzeugt es dauernde Bronzefärbung der Haut, welche auf Ablagerung von metallischem Silber in der Epidermis beruht (Argyriasis, Argyrosis). Größere Dosen rufen heftige Entzündung hervor und können tödlich wirken. Das Salz wurde schon von Geber in Kristallen erhalten. Angelus Sala lenkte im 17. Jahrh. die Aufmerksamkeit der medizinischen Chemiker auf dasselbe und stellte den Höllenstein dar. Als salpeterhaltiger Höllenstein ist ein zusammengeschmolzenes Gemisch von 1 Teil salpetersaurem Silberoxyd mit 2 Teilen salpetersaurem Kali offizinell. Salpetersaurer Strontian Sr(NO3)2 ^[Sr(NO_{3})_{2}], wie das Barytsalz darstellbar, bildet farblose, wasserfreie, luftbeständige Kristalle, ist leicht löslich in Wasser, kaum in Alkohol, dient zu Rotfeuer. Salpetersaures Wismutoxyd Bi(NO3)3 ^[Bi(NO_{3})_{3}] entsteht beim Lösen von Wismut in Salpetersäure, bildet große, farblose, zerfließliche Kristalle mit 3 Molekülen Wasser, ist sehr ätzend, reagiert stark sauer, schmilzt sehr leicht im Kristallwasser, zersetzt sich schon bei 80° und gibt mit Wasser basisch salpetersaures Wismutoxyd, dessen Zusammensetzung von der Menge des angewandten Wassers abhängt. Ein solches basisches Salz ist offizinell als Bismuthum subnitricum (Magisterium Bismuthi, Wismutweiß); es bildet ein lockeres, farb- und geruchloses, fast geschmackloses Pulver, ist unlöslich in Wasser, leicht löslich in verdünnten Säuren, verliert bei 100° Wasser, hinterläßt bei höherer Temperatur Wismutoxyd, beim Behandeln mit sehr vielem Wasser Wismuthydroxyd. Es dient als Schminkpulver (das französische Crême de Bismuth ist frisch kalt gefälltes, wenig ausgewaschenes basisches Salz), zum Färben der Haare, als Flußmittel in der Porzellanmalerei, in der Zeugdruckerei, zum Aufreiben auf Zeichenleinwand, glattes Papier oder Pergament, auf welchem sich schlecht mit Tusche oder Tinte zeichnen läßt, und in großer Menge als Arzneimittel, namentlich in Frankreich, Italien, Algerien, bei Magen- und Darmkatarrh, Verdauungsbeschwerden, Magengeschwüren, Magenkrampf, bei Dysenterie und Cholera.

Salpetersäure-Triglycerid, s. v. w. Nitroglycerin.

Salpêtrière (franz., s. v. w. Salpetersiederei), ein unter Ludwig XIII. zum Zweck eines Arsenals errichtetes Gebäude in Paris, das später beträchtlich erweitert und zum Hospital für alte Frauen eingerichtet wurde. Es liegt in der Nähe des Jardin des Plantes und beherbergt jetzt in 45 verschiedenen Gebäuden über 4000 unbemittelte alte und irrsinnige Frauen.

Salpetrige Säure HNO2 ^[HNO_{2}] ist in reinem Zustand nicht bekannt, findet sich aber an Basen gebunden weitverbreitet, wenn auch stets nur in geringer Menge in der Natur (s. Salpetersäure) und entsteht auf mannigfache Weise. Erwärmt man leicht oxydierbare Körper, z. B. Stärkemehl, Zucker, mit Salpetersäure, so entwickeln sich rote Dämpfe, welche sich bei starker Abkühlung zu einer grünen, sehr flüchtigen Flüssigkeit verdichten; letztere besteht aus Stickstofftrioxyd N2O3 ^[N_{2}O_{3}] und Stickstoffperoxyd NO2 ^[NO_{2}]. Leitet man durch diese Flüssigkeit Stickstoffoxydgas NO und läßt das entweichende Gasgemisch durch ein heißes Rohr streichen, so erhält man bei starker Abkühlung des Produkts reines Stickstofftrioxyd als tiefblaue Flüssigkeit, welche bei wenig gesteigerter Temperatur in Stickstoffoxyd und Stickstoffperoxyd zerfällt. Das Trioxyd ist also nur bei sehr hoher und bei sehr niedriger Temperatur beständig. In eiskaltem Wasser löst sich das Trioxyd zu einer blauen Flüssigkeit, welche S. enthält, sich aber schon bei gelindem Erwärmen in Salpetersäure und Stickstoffoxyd zersetzt. Mit Basen bildet sie die Salpetrigsäuresalze (Nitrite), und diese sind sehr beständige Körper; sie entstehen durch Einwirkung von salpetriger Säure auf Basen, durch Reduktion von Salpetersäuresalzen und durch Oxydation von Ammoniak. Sie sind meist sehr leicht in Wasser, zum Teil auch in Alkohol löslich, zersetzen sich beim Erhitzen wie die Salpetersäuresalze, auch beim Kochen der Lösung, verpuffen auf Kohle und werden von verdünnten Säuren unter Bildung roter Dämpfe zersetzt. Salpetrigsaures Ammoniak NH4NO2 ^[NH_{4}NO_{2}] entsteht sehr allgemein in der Natur, bildet farblose Kristalle, ist trocken ziemlich haltbar, zersetzt sich im feuchten Zustand freiwillig, explodiert bei schnellem Erhitzen und durch Schlag und zerfällt bei vorsichtigem Erhitzen in Stickstoff und Wasser. Salpetrigsaures Kali KNO2 ^[KNO_{2}] entsteht bei starkem Erhitzen von salpetersaurem Kali, beim Schmelzen desselben mit Blei oder beim Behandeln der Lösung mit Zinkstaub etc.; es bildet farblose, zerfließliche Nadeln, löst sich leicht in Wasser, nicht in Alkohol und dient zur Darstellung von salpetrigsaurem Kobaltoxydkali, Salpeteräther und Azofarbstoffen, auch in der chemischen Analyse. Über salpetrigsaures Kobaltoxydkali s. Kobaltoxyd. Von den Salpetrigsäureäthern entsteht der Äthyläther (Salpeteräther, Äthylnitrit) C2H5NO2 ^[C_{2}H_{5}NO_{2}], wenn man in einem Cylinder rauchende Salpetersäure, Wasser und Alkohol übereinander schichtet, oder durch Einleiten der oben zuerst erwähnten Dämpfe in Alkohol und vorsichtige Destillation. Zur Darstellung übergießt man am besten Kupferdrehspäne mit Alkohol und Salpetersäure und leitet die ohne Erwärmung sich entwickelnden Dämpfe durch warmes Wasser, dann durch einen Kühlapparat. Er bildet eine farblose Flüssigkeit, riecht angenehm obstartig, schmeckt stechend, spez. Gew. 0,947, siedet bei 16,5°, ist wenig löslich in Wasser, mischbar mit Alkohol und Äther und wenig beständig, unter Umständen explodierbar. Er ist Hauptbestandteil des offizinellen Spiritus aetheris nitrosi (Salpeterätherweingeist, versüßter Salpetergeist, Salpeternaphtha), welcher durch Destillation von 48 Teilen Spiritus mit 12 Teilen Salpetersäure erhalten und als Geschmackskorrigens und Diuretikum benutzt wird. Zum Aromatisieren des Branntweins stellt man ein ähnliches Präparat dar, indem man ein Gemisch von Spiritus und Salpetersäure aus einer von außen durch Dampf erwärmbaren irdenen Flasche mit zinnernem Kühlrohr destilliert, das Produkt mit Ätzkalk entsäuert und rektifiziert, dabei aber das Kühlrohr in Spiritus eintauchen läßt. Salpetrigsäureamyläther (Amylnitrit) C5H11NO2 ^[C_{5}H_{11}NO_{2}] wird durch Destillation von Amylalkohol mit Salpetersäure dargestellt, bildet eine gelbliche Flüssigkeit, riecht gewürzhaft, schmeckt fruchtartig, spez. Gew. 0,877, siedet bei 96°, ist unlöslich in Wasser, löslich in Alkohol und Äther, erzeugt beim Einatmen des Dampfes beschleunigten Herzschlag und Blutandrang nach dem Kopf und wird gegen Migräne angewandt. Vgl. Pick, Das Amylnitrit (2. Aufl., Berl. 1877).

Salpetrigsäuresalze, s. Salpetrige Säure.

Salpi, Strandlagune an der Ostküste der ital. Provinz Foggia, durch eine schmale Nehrung vom Adriatischen Meer getrennt und durch zwei Kanäle mit demselben verbunden. Da sie Malaria erzeugt, hat man von Süden den Ofanto, von N. die Carapella