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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Samenmantel - Sämisch.

vereinigt, in die Kloake, aus welcher der Same in einer besondern Rinne auf die Rute (s. d.) übertritt; bei fast allen Säugetieren jedoch endet er in der Harnröhre, deren Fortsetzung sich im Innern des männlichen Gliedes befindet. An seinem Ende gehen von ihm Drüsenbildungen, die sogen. Samenblasen (s. unten), aus, die namentlich bei Insektenfressern und Nagetieren stark entwickelt sind. Dicht daneben und zwar beim Eintritt in die Harnröhre befindet sich bei Säugetieren stets noch ein Rest des andern Zweigs des Urnierenganges (der beim Weib zum Eileiter wird) in Gestalt einer einfachen oder doppelten Ausbuchtung, der sogen. Vorsteherblase (Vesicula prostatica) oder der männlichen Gebärmutter (uterus masculinus). Beim Menschen ist der etwa 30 cm lange S. mit einer starken Muskelhaut aus glatten Fasern zur Auspressung des Samens versehen. Er läuft erst neben der Hode her, tritt dann in den Samenstrang (funiculus spermaticus), d. h. eine bindegewebige, von einer besondern Haut und einer Muskelschicht umgebene Röhre, in welcher sich außer dem S. noch Gefäße und Nerven befinden, und gelangt durch ihn in die Bauchhöhle zurück, wo er am Grunde der Harnblase seitlich die 11-14 cm lange Samenblase (Samenbläschen, Vesicula seminalis) in sich aufnimmt und bei seinem weitern Verlauf durch die Vorsteherdrüse hindurch bis zur Harnröhre als Ductus ejaculatorius (Ausspritzgang) bezeichnet wird.

Samenmantel, s. Same, S. 254.

Samenschale (testa), s. Same, S. 253.

Samenschlag (Samenschlagbetrieb), forstlicher Verjüngungsbetrieb, bei welchem die Begründung eines Holzbestandes durch den Samenabfall eines Mutterbestandes bewirkt wird (vgl. Bestandsgründung). Zweck des Samenschlagbetriebs ist entweder nur die Ansamung, z. B. bei Kiefernsamenschlägen, oder die Ansamung und der Schutz des Jungbestandes (Nachwuchses) gegen Jugendgefahren. Beim S. werden vier Schlagstadien unterschieden: 1) der Vorbereitungsschlag. Derselbe soll dazu dienen, durch geringe Bestandslichtung und dadurch vermittelten größern Lichteinfall den Boden mittels Verwesung der Laubteile zu neuer erfolgreicher Ansamung und den Bestand zur Vermehrung der Samentragfähigkeit vorzubereiten; 2) der Besamungsschlag (Dunkelschlag). Derselbe soll durch eine entsprechende Schlagstellung und Schlagbearbeitung die Ansamung, gute Anwurzelung und bei Buche und Weißtanne den Schutz gegen Jugendgefahren, namentlich gegen Frost, bewirken; 3) der Lichtschlag. In demselben wird durch weitere Verminderung des Mutterbestandes der Nachwuchs unter gleichzeitiger Gewährung des noch erforderlichen Schutzes allmählich an Freistellung gewöhnt; 4) der Abtriebs- oder Räumungsschlag. In demselben wird der Rest des Mutterbestandes abgetrieben und der Nachwuchs völlig frei gestellt. Der durch Abfliegen leichten, geflügelten Samens entstandene Nachwuchs heißt Anflug, der durch das Abfallen schweren Samens, z. B. von Bucheln, Eicheln, entstandene Aufschlag. Der S. in Buchen- und Tannenbeständen enthält in der Regel alle vier Schlagstadien, der S. in Kiefern dagegen besteht nur aus dem Besamungsschlag und dem Abtriebsschlag. In dem Besamungsschlag wird häufig eine Bearbeitung des Bodens (Bodenverwundung) vorgenommen, um dem Samen ein gutes Keimbett und eine kräftigere Anwurzelung zu sichern. Der Zeitraum zwischen Besamungsschlag und Abtriebsschlag heißt Verjüngungszeitraum.

Samenstiel, s. Nabelstrang.

Samenstrang, s. Samenleiter.

Samenträger (Samenleiste), bei den Pflanzen s. v. w. Placenta, s. Blüte, S. 68 f.

Samenvorbereitungen, gärtnerische und landwirtschaftliche Operationen entweder zur Sicherung der Saat gegen Rostpilze (Einweichen in Vitriol) oder zur schnellern Entwickelung des Keims, letzteres durch Einweichung der Samen in stark verdünnte Säuren oder in flüssigen Dünger, auch durch Befeuchten mit starker unverdünnter Kuhjauche und wenig Vitriol unter fortwährendem Umschaufeln, was 5-6 Tage täglich einigemal wiederholt werden muß, bis die Flüssigkeit aufgesogen ist, d. h. bis die Körner trocken sind, wonach sie ausgesäet werden. Same von Palmen, auch von Canna indica u. a., die mit sehr harter Schale versehen sind, schneidet oder feilt man vorsichtig bis auf den Eiweißkörper an, um das Eindringen der Feuchtigkeit zu ermöglichen. Über das Vorkeimen harter Samen s. Stratifizieren.

Samenwechsel, die Beschaffung nicht auf eignem Acker gewachsenen Saatguts. Nur unter günstigsten Verhältnissen und bei sachkundigster Behandlung behalten die Varietäten und Sorten unsrer Kulturpflanzen mehrere Generationen hindurch ihre wertvollen Eigenschaften ungeschwächt. Wo dies nicht mit Sicherheit zu erwarten ist, empfiehlt sich häufigerer (alle 3-4 Jahre) S., da die Kosten für das Saatgut sich durch höhern Ernteertrag stets reichlich bezahlt machen. Bisweilen kann auch fremdes Saatgut billiger beschafft werden, als es die eigne Kultur liefert. Das durch S. zu beschaffende Saatgut soll Frühreife, Widerstandsfähigkeit gegen Kälte, Dürre, Schmarotzerpilze und Lagerung besitzen und bessere Qualität und größere Quantität des Ernteprodukts liefern. Zu gunsten des Samenwechsels spricht auch die Erfahrung, daß bei vielen Pflanzen ein Wechsel des Standorts mit einer momentanen Auffrischung der Lebenskraft verbunden zu sein pflegt. Mit Vorliebe bezieht man nordisches Saatgut, da solches die Tendenz zu rascherer Entwickelung und Ausreifung besitzt und diese auch in südlichern Gegenden einige Jahre beibehält.

Samhara, der schmale Küstenstreifen zwischen dem Hochland von Abessinien und dem Roten Meer. Die S. besitzt einen Untergrund von Korallenkalk, der von Sand-, Kies- und Geröllmassen überlagert wird. Eine regelmäßig abgegrenzte Regenzeit wird hier nicht beobachtet. Die Pflanzenwelt besteht aus Akazien, Kapernpflanzen, Christdorn, Tamarisken, Wolfsmilch- und Wermutstauden, Salsolaceen, Stapelien, in den Gebüschen malerische Schlinggewächse. An den Wildbächen sammelt sich höhere, waldartige Baumvegetation, häufig finden sich prachtvolle, von Scharen buntfarbiger Vögel belebte Baumgruppen. Nomadisierende Bewohner der S. sind die räuberischen Schoho, zu denen auch die Hasorta gehören, ein gleich den weiter südöstlich wohnenden Danakil zu den Ostafrikanern (Bedscha) gerechnetes Volk. Die S. ist wichtig als Durchgangsland von dem jetzt italienischen Hafen Massaua nach Abessinien.

Samiël, s. Sammaël.

Sämisch, Edwin Theodor, Augenarzt, geb. 30. Sept. 1833 zu Luckau, studierte in Berlin und Würzburg, wurde dann Assistent bei Pagenstecher in Wiesbaden, habilitierte sich 1862 für Augenheilkunde in Bonn, wurde daselbst 1867 Professor der Ophthalmologie u. Direktor der Universitätsaugenklinik. Er beschrieb zuerst das serpiginöse Hornhautgeschwür und gab ein wirksames operatives Heilverfahren für das-^[folgende Seite]