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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Samtgut - Samydaceen.

eine landwirtschaftliche Schule, ein Amtsgericht, ein Warendepot der Reichsbank, ein öffentliches Schlachthaus, Dampfmahl- und Schneidemühlen, Bierbrauerei und (1885) 4185 meist kath. Einwohner.

Samtgut, im deutschen Recht nach dem System der ehelichen Gütergemeinschaft (s. Güterrecht der Ehegatten) das gemeinsame Vermögen der Ehegatten, im Gegensatz zu dem Sondergut oder vorbehaltenen Gut der Ehefrau.

Samtlehen, das mehreren Personen infolge einer Mitbelehnung gleichzeitig an ebendemselben Gegenstand zustehende Lehen (s. Lehnswesen, S. 632 f.).

Samtpalme, s. Latania.

Samtpapier, mit gefärbtem Wollenstaub überzogenes Luxuspapier.

Samtpappel, s. Abutilon.

Samtröschen, s. v. w. Tausendschön, s. Bellis.

Samtschnecke, s. Schnecken.

Samt und sonders, s. v. w. einer für alle und alle für einen (s. Korrealverbindlichkeit).

Samu, Insel, s. Samao.

Samuel (hebr., "von Gott erhört"), Prophet und letzter Richter der Hebräer, Sohn des Elkana und der Hanna aus Rama auf dem Gebirge Ephraim. Von Jugend auf als Diener des Heiligtums zu Silo erzogen, trat er nach Elis Tod (um 1100) als Richter seines Volkes auf, stellte, siegreich gegen äußere Feinde, die Einheit der Stämme her, hob das nationale Selbstbewußtsein und gründete Prophetenschulen. Trotzdem griff das Volk, um sich der immer drückender werdenden Übermacht der Philister zu entziehen, zu dem Auskunftsmittel monarchischer Heerführung, und S. selbst, wiewohl grollend, mußte sich an der Einsetzung des Königs Saul beteiligen. Doch gab er mittels der Prophetenschulen dem Prophetismus als einem heilsamen Gegengewicht königlicher Willkür eine bestimmte Gestaltung. Mit Saul selbst zerfiel er bald gänzlich und begünstigte David, den er zum König gesalbt hatte. Die zwei jetzt getrennten alttestamentlichen Bücher Samuelis haben bei den Hebräern nur als eins gegolten. Den Namen haben diese Bücher von S., mit dessen Geburt sie beginnen, während David der Hauptheld der darin erzählten Geschichte ist. Jedenfalls gehören sie, geschrieben, als der mosaische Kultus noch nicht durchgeführt war, zu den ältesten, in der Blütezeit des Reichs Juda verfaßten Teilen der alttestamentlichen Litteratur.

Samuel ben Meir, s. Raschi.

Samum (genauer Bahd-Samum, bei den Arabern der Wüste Sambuli, bei den Türken Samiel, von Sam [Gift] und Yel [Wind], genannt), ein dem westlichen asiatischen Kontinent, hauptsächlich dem Steinigen Arabien, eigentümlicher Wind, der vorzüglich die Wüsten zwischen Basra, Bagdad, Haleb und Mekka, das Steinige Arabien längs der Küste des Persischen Meerbusens und die Gegenden am Tigris heimsucht. Er weht in den Monaten Juni, Juli und August, am heftigsten im Juli und zwar meist am Tag, selten des Nachts und verliert auf Flüssen und Seen seine nachteilige Wirkung. Der ähnliche Wind, welcher, von der Sahara ausgehend, Ägypten belästigt, heißt Chamsin (s. d.) und wird auf der Westseite der Sahara in Senegambien mit dem Namen Harmattan (s. d.) bezeichnet. Der S. ist nichts weiter als ein sehr heißer, trockner und wegen der Menge des mitgeführten feinen Sandes in der Wüste höchst unangenehmer Wind; daß er aber tödlich sein und ganze Karawanen vernichtet haben soll, sind übertriebene Erzählungen der Beduinen. Zum Glück für die Reisenden kündigt sich der S. stets vorher an, der Himmel rötet sich in der Gegend, woher er weht, man bemerkt eine eigentümliche Bewegung in der Luft und hört ein heftiges Brausen in der Ferne. Der Wind weht niemals dicht am Boden, weshalb das Niederwerfen dagegen schützt; aber Staub und Sand werden hoch in die Luft geführt, die dann dadurch je nach der Beschaffenheit des Bodens, der den Staub hergibt, ein rötliches, bläuliches oder gelbliches Ansehen erhält. Der S. weht wohl einige Stunden anhaltend, aber die eigentlichen Wirbel dauern nur etliche Minuten, dann steigt die Hitze bis auf einige 40° C., und nur dadurch und durch den aufgewirbelten Sand wird er gefährlich, denn giftige Bestandteile führt er nicht mit sich. Indem die Ausdünstung des Körpers durch die hohe Temperatur sehr stark vermehrt wird, trocknet der Gaumen aus, und es entstehen unaussprechlicher Durst und Übelkeit. In andrer Beziehung wirkt der S. auch wohlthätig auf die Gesundheit, denn viele Kranke erholen sich, und namentlich hören bei seinem Auftreten Wechselfieber und auch andre fieberhafte Zustände, selbst epidemische, auf.

Sämund der Weise (Saemundr inn Frodhi, "der Kundige"), isländ. Geschichtschreiber, geboren um 1056 in Island, Sohn des Priesters Sigfus von Thoreys, unternahm eine Reise nach Rom und Paris, ward 1076 Priester zu Oddi auf Island und schrieb unter anderm eine Geschichte der norwegischen Könige von Harald Harfagar bis auf Magnus den Guten, die zwar in ihrer ursprünglichen Gestalt nicht auf uns gekommen ist, aber den Arbeiten andrer zur Grundlage gedient hat. Auch wird ihm die Abfassung oder wenigstens Sammlung der ältern Edda (s. d.) zugeschrieben. Er starb 1133. Sein Sohn war der gelehrte Lopt.

Samur, Fluß im russ. Gouvernement Baku in Kaukasien, entspringt am Nordostabhang des Kaukasus und mündet, in zahlreiche Arme geteilt, südöstlich von Derbent in das Kaspische Meer.

Samvat (Ära des Vikramaditja), ind. Zeitrechnung, beginnt mit 56 v. Chr., scheint erst mehrere Jahrhunderte n. Chr. chronologisch festgestellt und eingeführt worden zu sein. Näheres ist nicht bekannt. Vgl. M. Müller, Indien in seiner weltgeschichtlichen Bedeutung (Leipz. 1884).

Samwer, Karl Friedrich Lucian, Staatsrechtslehrer, geb. 16. März 1819 zu Eckernförde, studierte 1838-43 in Kiel und Berlin die Rechte, ward dann Advokat in Neumünster, schloß sich 1848 der Erhebung der Herzogtümer an, trat in die Armee, ward Büreauchef im Auswärtigen Ministerium und war 1849-50 bei den Friedensverhandlungen in London und Berlin beteiligt. 1850 ward er Professor in Kiel, 1852 nach Restauration der dänischen Herrschaft Bibliothekar und Staatsrat in Gotha, 1859 Mitglied des Staatsministeriums daselbst. 1863-66 stand er in Diensten des Prinzen Friedrich von Augustenburg und verfocht dessen Erbrecht mit großem Eifer. Er starb 8. Dez. 1882 in Gotha. Er schrieb: "Die Staatserbfolge der Herzogtümer Schleswig-Holstein" (Hamb. 1844), mit Droysen "Die Herzogtümer Schleswig-Holstein und das Königreich Dänemark" (das. 1850) und setzte G. F. v. Martens' "Recueil général de traités" fort (Götting. 1856-75, 7 Bde.; 2. Serie, Bd. 1-7, 1876-81). Aus seinen hinterlassenen Papieren gab M. Bahrfeldt die "Geschichte des ältern römischen Münzwesens" (Wien 1883) heraus.

Samydaceen, dikotyle, etwa 150 Arten umfassende, in den Tropen einheimische Pflanzenfamilie aus der