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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: San Daniēle del Friūli; Sanda; Sandaal; Sandal; Sandalen; Sandarach; Sandarak

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Sanda - Sandarak.

trotz ihrer Ausführlichkeit und zahlreicher vortrefflicher Partien die gehegten Erwartungen nicht; die psychologischen und philosophischen Erörterungen überwuchern und ersticken fast den historischen Kern. Gegen Ende ihres Lebens war S. noch Zeugin der Ereignisse von 1870/71; aber wie schwer auch ihre Vaterlandsliebe darunter litt, gab sie sich doch über die Aussichtslosigkeit der von den Männern des 4. Sept. in Szene gesetzten Landesverteidigung keiner Täuschung hin und ließ sehr beißende und wegwerfende Urteile über die damaligen Machthaber in die Öffentlichkeit dringen. Sie starb als Freidenkerin, wie sie gelebt hatte, 8. Juni 1876 auf ihrem Schloß Nohant. In La Châtre bei Nohant wurde ihr 1881 ein öffentliches Denkmal (von Millet) errichtet; eine andre Statue (von Clésinger) wurde 1877 im Foyer des Théâtre-Français aufgestellt. Ist schon die erstaunliche, bis ins Alter ungeschwächt gebliebene Produktionskraft der Dichterin Beweis eines ungewöhnlichen Geistes, so nötigt vollends der innere Gehalt ihrer Werke Bewunderung ab. Sie erscheint mit einer Tiefe des Blickes, zugleich mit einer Kraft, die gewonnenen Eindrücke zu gestalten, begabt wie noch selten eine ihres Geschlechts. Liebe, in und außer der Ehe, Politik, Volkswirtschaft, Religion, das Höchste für den Menschen wie für die Völker, erfüllt ihre Seele und führt ihre Feder, und viele ihrer Schöpfungen sind durch und durch nur zu sichtlich von der Tendenz getränkt. Am größten ist die Dichterin gleichwohl da, wo sie sich tendenz- und leidenschaftslos dem wohlthuenden Zug ihres Genius für Darstellung des Naturlebens und des menschlichen Treibens überläßt, wie in "Consuélo" und namentlich in ihren reizenden Dorfgeschichten. Noch sind der Vollständigkeit wegen ihre "Impressions littéraires" (1862) und "Autour de la table" (1862), Sammlungen litterarischer und kritischer Essays, zu erwähnen, denen sich die nach ihrem Tod veröffentlichten "Dernières pages" (1877) und "Questions d'art et de littérature" (1878) anreihen. Ihre Werke erschienen in mehreren Gesamtausgaben, zuletzt in 55 Bänden (in deutscher Übersetzung Leipz. 1843-47, 87 Bde.); ihre gesammelten Briefe 1882-84 in 6 Bänden. Vgl. Haussonville, George S. (Par. 1878); Caro, George S. (das. 1887).

Ihr Sohn Maurice S., geb. 1825, hat sich ebenfalls als Schriftsteller versucht und unter anderm ein anziehendes Buch über die Charakterrollen der italienischen Komödie: "Masques et bouffons" (1859, 2 Bde.), ferner die Romane: "Callirhoë" (1864), "Raoul de la Chastre" (1865), "La monde de papillons" (1866), "Miss Mary" (1868), "Mademoiselle de Cérignan" (1874) etc. veröffentlicht.

Sanda, Insel, s. Sanday.

Sandaal (Sandfisch, Ammodytes Art.), Fischgattung aus der Ordnung der Weichflosser und der Familie der Schlangenfische (Ophidini), langgestreckte Fische mit spitzer Schnauze, ohne Bauchflossen, mit sehr langer Rücken-, mittellanger After-, kleiner Brustflosse und wohl entwickelter Schwanzflosse und mit kleinen Schuppen und Längsfalten in der Haut der Bauchseite. Der Tobiasfisch (A. Tobianus L.), 40 cm lang, bräunlich, unterseits silberweiß, gemein an den Küsten der Nordsee, des Kanals und des Atlantischen Meers, liegt zusammengerollt im Sand, um nach Würmern zu wühlen. Zur Zeit der Ebbe wird dieser Fisch zu vielen Tausenden mit eignen Rechen oder Haken hervorgeholt, um als Angelköder zu dienen. In Grönland wird er auch gegessen. Der gemeine S. (Sandlanze, A. lanceolatus Les.), 25-30 cm lang, oberseits bräunlich, unten silberweiß, lebt an den englischen Küsten und in der Nordsee und dient ebenfalls als Köder.

Sandal, in der Türkei kleines Wasserfahrzeug, ähnlich dem in Deutschland unter dem Namen "Grönländer" bekannten Nachen.

Sandal, Leinengewebe, s. Cendal.

Sandalen (griech.), die älteste Art von Fußbekleidung bei Griechen und Römern (bei letztern auch Soleae genannt). Nach Maßgabe der antiken Darstellungen bestanden die S. aus einer bis 5 cm starken Sohle von leichtem Holz, Leder etc. Sie bedeckten nur die Fußsohlen und wurden mit Riemen, die kreuzweise geschlungen wurden, am Fuß befestigt; das oft mit einer kostbaren Schnalle geschmückte Riemenwerk erhielt seinen Schluß oberhalb der Knöchel. Bei Griechen u. Römern diente diese ursprünglich kleinasiatische Fußbekleidung anfangs als Weiberluxus; später gebrauchte man sie außerhalb des Hauses u. besonders auf Reisen, nie jedoch bei feierlicher Tracht (vgl. Abbildung). S. heißen auch die mit Gold und Perlen gestickten Prachtsocken der hohen kathol. Geistlichen sowie die ledernen Schnürsohlen der Mönche.

^[Abb.: Verschiedene Arten der antikeln Sandalen.]

San Daniēle del Friūli, Distriktshauptort in der ital. Provinz Udine, auf einer Anhöhe östlich vom Tagliamento, hat ein Schloß, mehrere Kirchen (darunter die gotische Kirche Sant' Antonio mit Fresken von Pellegrino di San Daniele), Seidenkultur, Vieh- und Getreidehandel und (1881) 4883 Einw. Hier 11. Mai 1809 unglückliches Rückzugsgefecht der Österreicher unter Erzherzog Johann gegen die Franzosen.

Sandarach, s. Realgar.

Sandarak, ein Harz, welches aus der Rinde von Callitris quadrivalvis Vent., in Algerien, im Atlas und den übrigen nordwestafrikanischen Gebirgen, freiwillig oder nach Einschnitten ausfließt. Es bildet längliche, spröde, blaßgelbliche bis fast bräunliche, außen weißlich bestäubte, im Bruche glasglänzende und durchsichtige Körner, die beim Kauen nicht erweichen, schmeckt balsamisch harzig, etwas bitter, riecht beim Erwärmen balsamisch und etwas terpentinartig, ist in Alkohol fast ganz, in Terpentinöl zum Teil löslich, erweicht erst über 100° und schmilzt bei 135°. Im Mund zerkaut er sich sandig. S. wird nur aus Mogador verschifft, man benutzt ihn, namentlich in Verbindung mit andern Harzen, zu Terpentin- und Alkoholfirnissen, Polituren, Lacken, Räucherpulvern, auch als Radierpulver. Reibt man radierte Stellen auf Papier mit Sandarakpulver, so kann man wieder darauf schreiben, ohne daß die Tinte ausfließt. Unter dem Namen Sandarache verstanden die Alten das rote Schwefelarsen (Realgar), Dioskorides aber bereits auch das Harz. Im Mittelalter hieß S. (und wohl auch Bernstein) Vernix oder Bernix und wurde zu Firnis benutzt, welches Wort sich von jenem Namen ableitet. Die Abstammung des Sandaraks wurde