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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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San Pietro - San Sebastian.

San Pietro, Insel im Mittelländischen Meer, an der Südwestküste der Insel Sardinien, zur ital. Provinz Cagliari gehörig, 14 km lang, 9-10 km breit, gebirgig und dürr, hat (1881) 6259 Einw., welche Seesalzgewinnung, Korallen- und Thunfischerei und Handel betreiben. Der Besitzer der Insel führt den Titel "Herzog von S." Hauptort ist Carloforte an der Ostküste, mit Schloßruinen, lebhaftem Hafenverkehr (1886: 539 eingelaufene Schiffe mit 84,483 Ton.) und (1881) 6072 Einw.

Sanquhar (spr. ssanker), alte Stadt in Dumfriesshire (Schottland), am Nith, mit (1881) 1299 Einw.

San Remo, Kreishauptstadt in der ital. Provinz Porto Maurizio, in reizender Lage an einer Bucht des Golfs von Genua (Riviera di Ponente), Station der Eisenbahn von Genua nach Nizza, hat vortreffliches Klima mit reichster südlicher Vegetation und zerfällt in die am südlichen Hügelabhang eng und winkelig gebaute Altstadt und die am Fuß des Hügels gegen die Küste hin angelegte offene, schöne, als klimatischer Kurort dienende Neustadt. Die Frequenz von S. als Winterkurort ist in den letzten Jahren sehr gestiegen. S. hat eine Kirche aus dem 13. Jahrh., mehrere Paläste, zahlreiche neue Villen (darunter die durch den Aufenthalt des deutschen Kaisers Friedrich III. bekannte Villa Zirio) und Hotels, schöne palmengeschmückte Anlagen, ein Lycealgymnasium, eine nautische und Schiffbauschule, eine technische Schule, eine gute Wasserleitung, einen Hafen, bedeutenden Handel mit Südfrüchten und (1881) 12,285 Einw. Es ist Sitz eines Handelsgerichts und eines Hauptzollamtes sowie eines deutschen Konsuls. Vgl. Körner, S., eine deutsche Winterkolonie (Leipz. 1883).

San Roque (spr. röke), 1) Bezirksstadt in der span. Provinz Cadiz, auf einem Felsen 6 km nördlich von dem Erdwall (Linea) gelegen, welcher die Grenze des neutralen Bodens gegen Gibraltar zu bildet, in fruchtbarer Gegend, mit ansehnlichem Handel und (1878) 8729 Einw. - 2) Kap S., Vorgebirge an der Nordostecke von Brasilien, Provinz Rio Grande do Norte, wenig nördlich von der bei Pernambuco liegenden Ostspitze Südamerikas.

Sans, Stadt in der span. Provinz Barcelona, an der Eisenbahn nach Martorell, mit zahlreichen Fabriken für Baumwollspinnerei und -Weberei, Steingut, Wachstuch, chemische Produkte etc. und (1878) 15,959 Einw.

San Salvador, Insel, s. Watlingsinsel und Cat Island.

San Salvador, 1) Hauptstadt des mittelamerikan. Staats Salvador, 640 m ü. M., am Fuß des 2550 m hohen erloschenen Vulkans von S., wurde 1528 auf der Stelle der alten Stadt Cuscutlan erbaut, in der Osternacht (16.-17. April) 1854 aber samt ihrer schönen Kathedrale, dem Universitätsgebäude etc. durch ein Erdbeben fast völlig zerstört. Eine neue Stadt (Nueva S.) wurde hierauf 20 km im SW. in 1005 m ü. M. nach großartigem Plan angefangen, auch 1855 eingeweiht, aber nicht vollendet, da die Regierung 28. Juni 1858 wieder nach der notdürftig hergestellten alten Hauptstadt übersiedelte. S. hatte früher 25,000 Einw., 1886 aber nur 13,274. In den Jahren 1860, 1873 und 1879 ist sie abermals von Erdbeben heimgesucht worden. - 2) (Banza Congo, das alte Ambassi) Residenz des Königs von Congo (Südafrika), auf einer Hochebene südlich vom Congostrom, in der portugies. Provinz Angola, im Lande der Muschicongo, besteht in einer Ansammlung von 212 Hütten, einigen europäischen Faktoreien, der von Hecken umgebenen Residenz des Königs, Ruinen der alten portugiesischen Festung und mehrerer Kirchen, den einzigen Anzeichen der frühern Bedeutung der Stadt unter portugiesischer Herrschaft im 16.-17. Jahrh. Die Bevölkerung besteht aus 700 Eingebornen und 9 Europäern (3 Missionären, 6 Kaufleuten); von den erstern ist indes stets die Hälfte als Träger abwesend. Den jetzt zu einem elenden Negerdorf heruntergekommenen Ort besuchten 1857 Bastian, 1873 Grandy, 1879 Monteiro, 1882 Comber, 1884 Schulze, Wolf, Büttner, 1885 Chavanne. Vgl. Bastian, Ein Besuch in S. (Brem. 1859); Chavanne, Reisen und Forschungen im alten und neuen Congostaat (Jena 1887).

San Salvador-Balsam, s. Perubalsam.

Sansandig, ehemals bedeutende, vor kurzem von den Toucouleurs zerstörte Stadt an der Ostgrenze der franz. Kolonie Senegal in Westafrika, links am Niger, hatte früher an 40,000 Einw. und als Knotenpunkt der Saharastraßen große Handelsthätigkeit.

Sansara (ind.), Gegensatz zu Nirwana (s. d.).

Sans comparaison (franz., spr. ssang konparäsong), ohne Vergleichung.

Sans-culottes (franz., spr. ssangkülott, "Ohne Culotten"), zu Anfang der ersten französischen Revolution Benennung der Proletarier und der radikalen Revolutionsmänner überhaupt, weil sie, aus den niedern Ständen hervorgegangen, keine Culotten, d. h. Kniehosen, wie die höhern Stände, sondern Pantalons, d. h. lange Hosen, trugen.

Sans-culottides (franz., spr. ssangkülottihd), die fünf (im Schaltjahr sechs) Ergänzungstage oder Jours complémentaires des französischen Revolutionskalenders, welche das Jahr beschlossen und festlich begangen wurden. Vgl. Kalender, S. 384.

Sans doute (franz., spr. ssang duht), ohne Zweifel.

San Sebastian, 1) befestigte Hauptstadt der span. Provinz Guipuzcoa, am südlichen Abhang des ins Viscayische Meer vorspringenden Bergs Orgull, den das Kastell Mota krönt, und an der Eisenbahn Madrid-Irun gelegen, ist ein uralter Ort, aber seit der Zerstörung durch die Engländer 1813 modern aufgebaut. Der an der Westseite der Stadt befindliche Hafen (Concha) ist unsicher, weshalb sich der Handel großenteils nach dem 4 km östlich gelegenen Pasages gezogen hat, dessen Hafen zu den besten Spaniens gehört. Die Stadt S., welche (1886) 23,072 Einw. zählt, hat einen schönen Platz mit Säulengängen, ein Rathaus, eine Handels- und eine Marineschule, besuchte Seebäder, eine Arena für Stierkämpfe, eine Ankerfabrik, ferner Fabrikation von Tapeten, Segeltuch, Leder und Nägeln, Seilereien und treibt lebhaften Handel. Im Hafen von S. sind 1886: 429 Schiffe mit 79,521 Ton., in jenem von Pasages 562 Schiffe mit 300,691 T. beladen eingelaufen. Der Warenverkehr belief sich im erstern Hafen in der Einfuhr auf 9,5, in der Ausfuhr auf 3, in Pasages in der Einfuhr auf 19, in der Ausfuhr auf 13,8 Mill. Pesetas. Hauptartikel sind in der Einfuhr Kohle, Erze, Garne, Spiritus, Fische; in der Ausfuhr Wein, Metalle, Zündhölzchen, Gewebe. S. ist Sitz des Generalkapitäns der baskischen Provinzen, eines Gouverneurs und mehrerer auswärtiger Konsulate (darunter auch eines deutschen). S. wurde 1719 von dem Herzog von Berwick eingenommen, aber im Frieden an Spanien zurückgegeben. Die Engländer und Portugiesen stürmten und zerstörten es 31. Aug. 1813. Im J. 1839 wurde es von den Engländern abermals besetzt, aber 16. Aug. 1840 wieder von ihnen geräumt. - 2) Hauptstadt der Kanarischen Insel Gomera (s. d.). - 3) Stadt in der südamerikan. Repuplik ^[richtig: Republik] Venezuela, Provinz Aragua, am Guarico, hat