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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Santiago de Compostela - Säntis.

der Provinz und ein Munizipalrat; auch ist die Stadt Sitz eines deutschen Konsuls. - S. wurde 1541 von Pedro Valdivia gegründet. Südlich davon liegt die Ebene, auf welcher 5. April 1818 die Chilenen unter O'Higgins über die Spanier siegten und damit die Unabhängigkeit Chiles begründeten.

Santiago de Compostéla, Bezirkshauptstadt in der span. Provinz Coruña, am Abhang des Monte Pedroso 288 m ü. M. gelegen, durch Eisenbahn mit dem Hafenort Carril verbunden, hat 15 Kirchen (darunter die 1120 vollendete romanische Kathedrale mit zwei 78 m hohen Türmen, dreischiffigem Querhaus und dem angeblichen Grab des Apostels Jacobus [Santiago], des Schutzpatrons von Spanien, früher berühmter Wallfahrtsort; vgl. Jakobsbrüder), mehrere ehemalige Klöster, eine Universität mit 2 Fakultäten und gegen 700 Hörern, 2 höhere Colegios und (1878) 24,192 Einw., welche Leinweberei und lebhaften Handel mit Leinwand, Seide, Garn, Lederwaren, Hüten und Papier betreiben. S. ist Sitz eines Erzbischofs und eines berühmten militärischen Ritterordens, der ehedem sehr begütert war.

Santiago de Cuba (auch bloß Cuba), Stadt auf der westind. Insel Cuba, früher Hauptstadt der ganzen Insel, jetzt des östlichen Departements derselben, liegt auf der Südküste an einer prächtigen Bai, welche einen sichern, durch die Forts Morro und Estrella verteidigten Hafen bildet, ist der Sitz eines Gouverneurs und eines Bischofs, hat eine Kathedrale und viele andre Kirchen, ein Seminar, verschiedene Wohlthätigkeitsanstalten, eine Reiterstatue des Königs Ferdinand, etwas Industrie (Eisengießereien, Zigarrenfabrikation, Sägemühlen etc.), lebhaften Handel (Ausfuhr von Zucker, Kakao, Rum, Kaffee, Tabak, Mahagoniholz etc. im Wert von [1883] 15½ Mill. Mk.) und (1877) 71,307 Einw. S. wurde 1514 gegründet und 1662 von Flibustiern besetzt.

Santiago de Guatemala, s. Guatemala, S. 893.

Santiago del Estero, eine der innern Provinzen der Argentinischen Republik, 80,403 qkm (1460 QM.) groß mit (1882) 158,000 Einw., enthält meist flaches Land längs der Flüsse Salado und Dulce und eignet sich mehr zur Viehzucht als zum Ackerbau. 1884 zählte man 1,300,000 Rinder, 850,000 Schafe und 110,000 Pferde; 18,600 Hektar waren mit Mais, Weizen, Zuckerrohr etc. bebaut. Die gleichnamige Hauptstadt liegt in fruchtbarer Gegend am Rio Dulce, 162 m ü. M., und hat 8000 Einw., meist reine Indianer. S. ist Sitz eines deutschen Konsuls. Die 1552 gegründete Stadt bietet jetzt ein Bild des Verfalls. Vgl. Gancedo, Memoria descriptiva de la província de S. del Estero (Buenos Ayres 1885).

Santiago de Veráguas, Hauptstadt des Departements Veraguas im Staat Panama (Kolumbien), 105 m ü. M., in fruchtbarer Gegend, am San Martin, der in den Stillen Ozean geht, hat ein Hospital, heiße Quellen, Fabrikation von Strohhüten und Hängematten und (1870) 6258 Einw.

Santillana (spr. ssantilljana), Iñigo Lopez de Mendoza, Marques von, span. Gelehrter und Dichter, geb. 19. Aug. 1398 zu Carrion de los Condes, zeichnete sich früh in dem Kriege gegen die Aragonier und Navarresen so aus, daß ihm der König die Stadt Junquera verlieh. Seine Teilnahme an den Kriegen gegen die Mauren von Granada 1431 und 1438 erwarb ihm die Markgrafschaft S. und sein Anteil an der glücklichen Entscheidung der Schlacht von Olmedo (1445) gegen den König von Navarra den Titel eines Grafen von Real de Manzanares. 1446 eroberte er die Stadt Torrija. An der Verschwörung, welche 1453 den Sturz des Günstlings Alvaro de Luna zur Folge hatte, war er beteiligt. Nach Johanns Tod (1454) zog S. sich mehr und mehr vom öffentlichen Leben zurück und lebte ganz den Wissenschaften. Er starb 25. März 1458 in Guadalajara. S. hat vorzüglich dazu beigetragen, die kastilische Kunstpoesie teils nach dem Muster der klassisch-gelehrten italienischen, teils nach der spätern provençalisch-katalonischen Hofpoesie umzugestalten. Seine ziemlich zahlreichen Gedichte sind teils didaktischer, teils lyrischer Art. Unter den erstern sind besonders die "Proverbios" oder "El centiloquio", eine Sammlung von 100 Sprichwörtern in achtteiligen Strophen, der "Diálogo de Bias contra Fortuna" und das "Doctrinal de privados" zu bemerken, unter den lyrischen die volkstümlich anmutigen "Serranillas" und die Sonette als die ältesten der spanischen Dichtkunst. Die in Dialogform abgefaßte "Comedieta de Ponza", ein allegorisches Gedicht in Dantescher Manier, hat dieser Form wegen eine gewisse Bedeutung in der Geschichte des spanischen Dramas. Außer den poetischen Werken ist noch ein Sendschreiben Santillanas an den Connétable Dom Pedro von Portugal vorhanden, welches durch die darin enthaltenen Mitteilungen eine höchst wichtige Urkunde für die Geschichte der ältern spanischen Dichtkunst ist. Santillanas Werke sind herausgegeben mit Kommentaren von Amador de los Rios (Madr. 1852).

Santini, Giovanni, Astronom, geb. 30. Jan. 1786 zu Caprese bei Borgo di San Sepolcro im Toscanischen, ward Priester, wirkte aber 1813-53 an Chiminellos Stelle als Professor der Mathematik und Direktor der Sternwarte in Padua, wo er 26. Juni 1877 starb. Er hat sich sowohl durch seine Forschungen und Beobachtungen als auch durch mehrere Verbesserungen astronomischer Instrumente bekannt gemacht. Seine "Elementi di astronomia" (Padua 1819) zählen zu den namhaftesten Lehr- und Handbüchern dieser Wissenschaft. Er schrieb ferner unter anderm: "Teorica degli strumenti ottici destinati ad estendere i confini della visione naturale" (Pad. 1828, 2 Bde.); "Della misura del tempo e del modo di regolare gli orologi comuni" (das. 1847); "Logarithmentafeln von 1-10,000" (das. 1842).

Säntis (weniger richtig Sentis), Gebirgsstock der Appenzeller Alpen, das Haupt der Gebirge der nordöstlichen Schweiz, ein kühner Bau dreier von SW. nach NO. streichender Parallelmauern, welche durch tief gefurchte Thäler getrennt und durch Hochsättel unter sich verknüpft sind. Mittelpunkt dieser Verbindung ist der Alte Mann (2435 m), der Kulminationspunkt der mittlern Gebirgsmauer Schafberg-Alte Mann-Thürme-Hundsstein-Alpsiegel, der einerseits mit der südöstlichen Reihe Gätterifirst-Staubern-Hohe Kasten-Kamor, anderseits mit der nordwestlichen Reihe in Verbindung steht. Dieser letztern gebührt nach Längenerstreckung wie vertikaler Erhebung der erste Rang. Ihr Haupt ist der Hohe S. (2504 m); von demselben aus folgen sich auf der Toggenburger Seite: das Silberblatt (2403 m), der Schwarzkopf (2030 m), der Lütispitz (1985 m) und der Schindelnberg (1821 m); auf der Appenzeller Seite: der Gyrenspitz (2367 m), der Hohe Niedere (2240 m), das Öhrli (2160 m), der Schäfler (1898 m) und die Ebenalp (1640 m). Als nördlichste Spitze erhebt sich der von Gais aus oft besuchte Gäbris (1254 m). Der S. ist eins der schönsten Gebirge der Schweiz, mit einer malerischen Mannigfaltigkeit aussichtsreicher Gipfel (Panorama von Heim, 3. Aufl., St. Gallen 1888), herrlicher Alpen, romantischer Alpseen, wilder Schnee-, Karren- und Trümmerfelder. Wie andre Höhenpunkte