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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Sartène; Sarthe; Sarti; Sarto

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Sartène - Sarto.

Wein, vortreffliche Seide. Die Wohnungen sind bei arm und reich elende Lehmhütten, ebenso ist die Kleidung überall von gleichem Schnitt; sie besteht bei den Männern aus einem langen Gewand (Chalat), baumwollenen oder seidenen Beinkleidern, ledernen Strümpfen, einem Turban auf dem ganz kahl rasierten Kopf. Die Frauen flechten das Haar in Zöpfe, ihre Kleidung ist gleichfalls einfach; berühmt sind die außerordentlich feinen seidenen Hemden, sehr vielfach ist der goldene und silberne Schmuck, zu dem auch große Ringe in einem Nasenflügel und um Handgelenke und Fußknöchel gehören. Die S. sind fanatische Mohammedaner; sie kaufen ihre Frauen, die Ehe wird durch das Trinken des Heiratskandidaten aus einer Schale Wasser vor dem Molla geschlossen. Die vor der russischen Eroberung bestehenden Beamten, die Kazis, vom Beg eingesetzte Richter, und die Muftis, Richter in geistlichen Angelegenheiten, sind in ihren Funktionen belassen worden, doch müssen Fälle von größerer Wichtigkeit sowie Streitigkeiten zwischen Christen und Mohammedanern vor einen russischen Richter gebracht werden.

Sartène (spr. ssartähn), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Corsica, besteht aus der ganz mittelalterlichen Altstadt und dem neuen Stadtteil, hat (1886) 3870 Einw., Wein- und Ölbau, Viehzucht und Handel.

Sarthe (spr. ssart), Fluß im nordwestlichen Frankreich, entspringt bei Moulins la Marche im Departement Orne, durchfließt dieses in südwestlicher Richtung, windet sich in einem großen Bogen anfangs südöstlich, dann südwestlich durch das gleichnamige Departement, nimmt hier links die Huisne, rechts die Vegre auf und wird bei Le Mans schiffbar. Sie tritt dann in das Departement Maine-et-Loire über, nimmt hier noch den Loir auf und bildet durch den Zusammenfluß mit der Mayenne bei Angers die Maine, welche bald darauf in die Loire fällt. Ihr Lauf beträgt 276 km, wovon 128 km schiffbar sind. - Das nach ihr benannte Departement, gebildet aus dem östlichen Teil der ehemaligen Maine (Bas-Maine) und einem kleinen Teil von Anjou, grenzt nördlich und nordöstlich an das Departement Orne, östlich an Eure-et-Loir und Loir-et-Cher, südlich an Indre-et-Loire und Maine-et-Loire, westlich an Mayenne und hat einen Flächenraum von 6207 qkm (113,10 QM.). Das Land ist, wenige Hügel ausgenommen, eben und fruchtbar; nur im SO. zwischen der Huisne und dem Loir sind sandige, fast ganz unfruchtbare Heiden. Der Hauptfluß des Departements ist die Sarthe, die hier die oben genannten Nebenflüsse aufnimmt. Das Klima ist gemäßigt und gesund. Die Bevölkerung belief sich 1886 auf 436,111 Einw. (1861: 466,155). Von der Oberfläche kommen auf Äcker 405,003, Wiesen 67,224, Weinberge 10,305, Wälder 91,761, Heiden und Weiden 16,257 Hektar. Das Departement ist ein überwiegend Ackerbau treibendes. Weizen und Gerste sind die Hauptprodukte (zusammen 2 Mill. hl), nächst dem Hafer, Kartoffeln, Hanf, mittelmäßiger Wein (1882: 46,780 hl) u. Obst. Die Viehzucht ist gut entwickelt; 1882 gab es 62,183 Pferde, 191,425 Stück Rindvieh, 108,636 Schweine, 57,790 Schafe u. 28,322 Ziegen. Berühmt sind die Kapaune u. Poularden von Le Mans und (wegen ihres Gefieders) die Gänse, welche nebst Schweinen und Eiern in großer Menge nach Paris ausgeführt werden; das Rindvieh geht vorher zur Mästung in die Normandie. Mineralische Produkte fallen wenig ins Gewicht, am meisten noch Steinkohlen. Außerdem treiben die Bewohner ziemlich lebhafte Industrie und zwar in Porzellan und Fayence, Glas, Papier, Lamm- und Ziegenleder für Handschuhfabrikation, Leinwand, Maschinen und Geräten, Mühlsteinen etc. Von Bedeutung ist auch der Handel mit den Landeserzeugnissen. Das Departement wird von der Eisenbahn von Paris nach Le Mans durchschnitten, welche sich hier nach Cherbourg, Rennes (Brest), Angers (Nantes) und Tours (Bordeaux) verzweigt und Seitenflügel nach Mamers, St.-Calais etc. entsendet. Es zerfällt in die vier Arrondissements: La Flèche, Le Mans, Mamers und St.-Calais. Hauptstadt ist Le Mans. Vgl. Edom, Géographie de la S. (9. Aufl., Le Mans 1876).

Sarti, Giuseppe, Komponist, geb. 28. Dez. 1729 zu Faenza, erhielt seine Ausbildung in Bologna, debütierte 1752 in seiner Vaterstadt erfolgreich mit der Oper "Pompeo in Armenia" und wurde bald darauf als Kapellmeister nach Kopenhagen berufen, kehrte jedoch, da seine Opern dort nur geringen Anklang fanden, nach neun Jahren wieder in sein Vaterland zurück. Hier wirkte er von 1770 an als Direktor des Konservatoriums dell' Ospedaletto zu Venedig, welche Stellung er 1779 mit der eines Domkapellmeisters in Mailand vertauschte. 1784 folgte er einem Ruf nach Petersburg, wo er von der Kaiserin Katharina II. in jeder Weise ausgezeichnet wurde. Er starb auf einer Erholungsreise in seine Heimat 28. Juli 1802 in Berlin. S., dessen Andenken gegenwärtig nur noch durch Mozart erhalten ist, der im zweiten Finale des "Don Juan" eine Melodie seines Nebenbuhlers (aus dessen Oper "Fra due litiganti il terzo gode") verwendete, gehört zu den liebenswürdigsten und achtungswertesten Komponisten der neapolitanischen Schule. In seinen Arbeiten sowohl für die Kirche als für die Bühne, unter welch letztern die Opern: "Le gelosie villane", "Giulio Sabino" und "Le nozze di Dorina" hervorragen, vereinigte er die Melodik und dramatische Lebendigkeit des Italieners mit der strengsten kontrapunktischen Bildung. Die letztere bewährte er auch als Lehrer, wie unter andern sein Schüler Cherubini bewiesen hat. Endlich dankt ihm noch die Musikwissenschaft die Erfindung eines akustischen Apparats zur Zählung der Schwingungen tönender Körper; dieselbe hatte seine Aufnahme in die Akademie der Wissenschaften zu St. Petersburg zur Folge.

Sarto, Andrea del, ital. Maler, geb. 17. Juli 1486 zu Florenz als Sohn des Schneiders Angelo di Francesco, weshalb er den Beinamen S. erhielt, kam zu einem Goldarbeiter in die Lehre, erregte aber durch seine Fertigkeit im Zeichnen die Aufmerksamkeit eines Malers, der ihn unterrichtete und dann bei Piero di Cosimo unterbrachte. Später arbeitete S. eine Zeitlang mit Franciabigio; doch bildete er sich vorzugsweise nach Leonardo, Michelangelo und Fra Bartolommeo, deren Stilrichtungen er geschickt zu einer eigentümlichen Ausdrucksweise verschmolz mit starker Betonung des Kolorits ohne Vernachlässigung plastischer Formenbildung. Von 1509 bis 1514 malte er Fresken aus dem Leben des Philippus Benizzi, die Anbetung der Könige und die Geburt Maria (Hauptwerk) in dem Vorhof und dem Kreuzgang der Servitenkirche Sant' Annunziata zu Florenz. Für die Brüderschaft dello Scalzo hatte S. um 1511 eine Taufe Christi in Fresko grau in grau gemalt. Von 1515 bis 1526 setzte er den Cyklus aus dem Leben Johannes' des Täufers daselbst fort. Diese Werke zeichnen sich durch frische Natürlichkeit, Streben nach mannigfaltiger Charakteristik, geschickte Ordnung und Gruppierung, harmonische Färbung und anmutige Darstellung, verbunden mit gewandter Zeichnung,