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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schaffhausen

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Schaffhausen (Kanton und Stadt).

rechtlich, gemeinnützig, kirchlich-religiös. Der Klettgauer ist intelligenter und betriebsamer, aber auch unruhiger und beweglicher als der Randen- und Reyatbewohner. Die herrschende Konfession ist die protestantische. Die Katholiken zählen 4154 Seelen, vorwiegend in den Gemeinden S. und Ramsen; sie sind dem Bistum Basel zugeteilt. S. ist ein Bauernland par excellence und erzeugt Getreide über den Bedarf. Außerdem baut man viel Kartoffeln und Hanf, auch viel Obst (mehr Kern- als Steinobst); treffliche Weine gedeihen um Schaffhausen und im Klettgau (Unter-Hallau). Der Wald dagegen liefert kaum die nötige Menge Bau-, Brenn- und Werkholz; aber unverkennbar befindet sich die Waldkultur, gefördert durch ein neues Forstgesetz, im Aufschwung. Im östlichen Kantonteil wird Schwabenvieh gehalten, im westlichen eine Mittelrasse von Schweizer- und Schwabenvieh. Ziegen sind in Menge vorhanden, und sorgfältige Schweinezucht hat einen geschätzten Schlag (Klettgauer Rasse) erzeugt. Schleitheim versendet Gips; anderwärts bricht man Kalk- und Sandsteine (die Lithographiesteine haben sich nicht bewährt), trefflichen Thon ("Lohner Erde") auf dem Reyat. Das Bohnerz liegt unbenutzt. Nach Kochsalz wurde wiederholt gebohrt, aber immer ohne Erfolg. Über die Fabrikthätigkeit des Kantons s. unten (Hauptstadt). Die Volksschule zerfällt auch hier in eine obligatorische, primäre und in eine fakultative, sekundäre; ein Lehrerseminar besitzt der Kanton nicht, aber eine Kantonsschule (in der Hauptstadt), aus einer humanistischen und realistischen Abteilung bestehend. Die öffentlichen Bibliotheken zählen über 51,000 Bände (die Stadtbibliothek allein 27,000). Eine Rettungsanstalt für verwahrloste Kinder besteht in Friedeck (bei Buch). Der Kanton hat sich 14. Mai 1876 eine neue Verfassung gegeben und ist damit von der Repräsentativdemokratie zu dem rein demokratischen Wesen der Referendumskantone übergegangen. Demgemäß wählt sich das Volk eine Legislativbehörde, den Großen Rat, je auf 500 Seelen ein Mitglied und zwar auf vier Jahre; die Gesetze unterliegen, sofern 1000 Bürger es verlangen, der Volksabstimmung. Ebenso können sowohl Legislative als Exekutive abberufen werden, und das Volk entscheidet auch über größere außergewöhnliche Ausgaben. Einer Minimalzahl von 1000 Bürgern ist das Recht der Gesetzesinitiative eingeräumt. Die oberste Exekutivbehörde ist der Regierungsrat, dessen fünf Mitglieder auf je vier Jahre durch das Volk gewählt werden. Ein Obergericht von fünf Mitgliedern wird ebenfalls auf je vier Jahre, aber durch den Großen Rat ernannt. In jedem der sechs Bezirke besteht ein Bezirksgericht, in den Gemeinden je ein Gemeinderat und Friedensrichter. Im übrigen garantiert die Verfassung die in den Schweizer Kantonen üblichen Grundrechte. Die Staatsrechnung für 1887 ergibt bei der Kantonskasse an Einnahmen, namentlich Steuern, 544,171 Frank, an Ausgaben 588,264 fr., demnach ein Defizit von 44,092 Fr. Bei dieser Kasse betrug zu Ende 1887 das reine Staatsvermögen 1,307,888 Fr.; dazu kommen noch zwölf Spezialfonds, der Kirchen- und Schulfonds allein mit 7,963,197 Fr. Vermögen, so daß das gesamte Staatsgut auf netto 11,444,891 Fr. ansteigt.

Die Stadt Schaffhausen.

Die Hauptstadt S., Knotenpunkt der Nordostbahnlinie Winterthur-S. und der Badischen Staatsbahnlinie Waldshut-Konstanz, in tiefem Thalgrund am Rhein gelegen und mit dem zürcherischen Ort Feuerthalen durch eine Brücke verbunden, ist ein sehenswerter Ort von mittelalterlicher Bauart, mit Erkern, bemalten Frontseiten und steinernen Stufengiebeln. Die gotische Hauptkirche St. Johann und das Münster stammen aus dem 12. Jahrh. Auf dem freien Platz Herrenacker, dem ehemaligen Schauplatz der Ritterspiele adliger Herren, steht das Imthurneum (1864 gestiftet von einem in London wohnenden Bürger Imthurn zur Förderung ästhetischer und wissenschaftlicher Bildung). Von hohem Rebhügel schaut der Munot, ein mittelalterliches Bollwerk mit angeblich bombenfesten Kasematten (vgl. Harder, Historische Beschreibung des Munots, 4. Aufl. 1874). Im Museum werden Altertümer, besonders die interessanten Funde aus dem "Keßlerloch" bei Thäyingen, aufbewahrt. Auf der Promenade steht das Denkmal des Geschichtschreibers Joh. v. Müller. Besondern Reiz erteilt der Gegend der weißschäumende Strom und dessen naher Fall; auf Züricher Seite liegt Schloß Laufen (s. d. 2). Die Stadt zählt (1888) 12,360 Einw. Die Eisenbahnen und die ausgiebige Nutzbarmachung der Rheinwasserkräfte haben die Stadt S., zusammen mit ihrer Nachbargemeinde Neuhausen, zu einem Industrieplatz erhoben. Schon längst arbeitete am Rheinfall ein Eisenwerk (jetzt nicht mehr als Hochofen, sondern Gußwaren, Stabeisen etc. aus dem Roheisen von Rondez fabrizierend); dazu gesellten sich eine Waggon- und Waffenfabrik, zu den ältern städtischen Gewerben (Getreide- und Ölmühlen, Bierbrauereien, Brennereien, Seifen- und Kerzenfabriken, Thonwaren, treffliche Gußstahl- und Feilenfabrik) eine Reihe neuerer Anstalten: Spinnereien für Wolle (Kammgarn) und Baumwolle, eine große Werkstatt für landwirtschaftliche Maschinen, eine Champagnerfabrik u. a. Kommerzielle Anstalten sind: die Bank in S., mit 1½ Mill. Fr. eingezahltem Kapital, die Schaffhauser Handelsbank (1 Mill. Fr.) und die Kantonalbank (½ Mill. Fr.). - S., ein alter Schifferflecken, wurde im 11. Jahrh. Eigentum des dort von den Herren von Nellenburg gestifteten Klosters Allerheiligen und mit diesem unter den Staufern reichsunmittelbar. Nachdem sich die Bürgerschaft allmählich von der Herrschaft des Abtes emanzipiert hatte, wurde die Stadt von Ludwig dem Bayern 1330 an Österreich verpfändet, erlangte jedoch 1415 infolge der Ächtung Herzog Friedrichs ihre Reichsunmittelbarkeit wieder. Bedrängt vom österreichischen Adel, schloß S. 1454 ein 25jähriges Bündnis mit den Eidgenossen, das 19. Aug. 1501 in ein ewiges verwandelt wurde. Nach längerm Schwanken und heftigen Tumulten trat es 1529 zur Reformation über und erwarb teils durch Abtretung der Besitzungen von seiten des Klosters und andrer Stiftungen, teils durch Kauf ein kleines Gebiet auf dem rechten Rheinufer. 1799 zwangen die Österreicher die Franzosen durch mehrere Gefechte bei S. zum Rückzug, wobei die letztern die berühmte, 364 Fuß lange hölzerne Rheinbrücke verbrannten. Die Mediationsakte gab dem Kanton S. eine Repräsentativverfassung, welche 1814 in aristokratischem, 1830-31 aber durch einen Aufruhr der Landschaft in demokratischem Sinn modifiziert wurde. 1835 wurde durch eine Verfassungsrevision das Wahlvorrecht der Stadt beinahe ganz beseitigt und 1852 Vertretung nach der Kopfzahl eingeführt. Durch das neue, 14. Mai

^[Abb.: Wappen von Schaffhausen.]