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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schande; Schandmasken; Schandorph; Schandpfahl; Schandschrift; Schändung; Schangalla; Schanghai

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Schande - Schanghai.

besuchte Punkte sowie das Dorf Postelwitz mit großartigen Sandsteinbrüchen. Bei S., am Eingang des Kirnitzschthals, befindet sich eine eisenhaltige Mineralquelle mit Badeanstalt, welche gegen Bleichsucht, Schwächezustände, Nervenleiden etc. empfohlen wird. Vgl. Petrenz, Die Mineralquellen von S. (Dresd. 1856); "Der Kurort S." (Schand. 1876).

Schande, im Gegensatz zur Ehre (s. d.) die nachteilige Meinung andrer von uns, daher sie ebensogut wie jene verdient oder unverdient, wahr oder falsch sein kann. Schändlich, was S. macht, d. h. bei andern eine nachteilige Meinung von unserm (sittlichen) Wert erzeugt.

Schandmasken, fratzenhafte Masken, mit denen ehemals Weiber, die sich gegen das sechste Gebot vergangen hatten, öffentlich ausgestellt oder durch die Straßen geführt wurden.

Schandorph, Sophus, dän. Lyriker und Romanschriftsteller, geb. 8. Mai 1834 zu Ringsted, studierte auf der Universität Kopenhagen Theologie, wandte sich später der romanischen Philologie und Litteratur zu und erwarb sich 1874 den philosophischen Doktorgrad mit einer Abhandlung über Goldoni und Gozzi. Schon 1862 hatte er einen Band Gedichte veröffentlicht, die aber im ganzen nur Nachklangspoesie der alten Romantik waren. Auch seine dramatische Dichtung "Ude i Skoven" ("Draußen im Wald", 1868) gehört noch dieser Richtung an, während die "Nye Digtninger" (1868) schon einen großen Fortschritt bekunden. Endlich kam sein eigentliches Talent, geweckt namentlich durch Georg Brandes' Vorlesungen (1872), zum Durchbruch, und S. stand fortan entschieden auf seiten der Realisten im Kampf gegen die Epigonen der Romantik. Die "Nogle Digte" (1875) und "Fra Provinsen" ("Aus der Provinz", 1876), eine Sammlung novellistischer Skizzen, waren die erste reife Frucht der Umwandlung. Nach der Heimkehr von einer 1877-1878 ausgeführten Reise nach dem Süden veröffentlichte er ferner: "Uden Midtpunkt" (1878; deutsch: "Ohne innern Halt", Norden 1881), einen zum Teil in Rom geschriebenen Roman, worin er gewisse Gebrechen der Zeit schildert, und den er später (1887) dramatisierte; die Dichtung "Unge Dage" ("Junge Tage", 1879); "Fem Fortællinger" (1879); die Romane: "Smaafolk" ("Kleine Leute", 1880) und "Thomas Fris's Historie" (1881, 2 Bde.); "Novelletter" (darin die treffliche Erzählung "Kjærlighed paa Trommesalen", 1882); "Et Aar i Embede" ("Das Jahr im Amte", 1883); "Skovfoged børnene" (1884); "Det gamle Apothek" (1885); "Fremmed og hjemligt" (1885); "Sex Fortællinger" (1886); "Frau Isle de France og fra Sorø Amt" (1888). Der Grundzug all dieser durch treffliche Charakteristik und Frische der Darstellung ausgezeichneten Dichtungen ist ein gesunder, etwas derber Humor. Eine Gesamtausgabe seiner "Gedichte" erschien 1882, eine neue Sammlung folgte unter dem Titel: "Fest-og Søgnedage" (1886).

Schandpfahl (Schandsäule), s. v. w. Pranger.

Schandschrift, s. v. w. Pasquill.

Schändung, s. Unzuchtsverbrechen.

Schangalla (Schankala, Bazen, Kunama), die nach F. Müller zur Nubarasse, nach Hartmann zu den Negern gehörigen Bewohner der westlichen Abhänge des abessinischen Hochlandes am Takazzé und Atbara. Der Name, welcher auf eine Reihe von Stämmen angewandt wird, deren Ursprung, Äußeres und Sprache verschieden sind, ist bei den so Bezeichneten selbst unbekannt. Sie sollen das Dalla sprechen und sind einander durch die dunkle, fast schwarze Farbe der Haut ähnlich und im Zustand der Barbarei, worin beständige Kriege und der von abessinischen Großen seit undenklichen Zeiten geübte Menschenraub sie halten. In der Ebene sind die Araber ihnen in gleicher Weise verderblich geworden. Vgl. Munzinger, Ostafrikanische Studien (Schaffhaus. 1864); Abbadie, Douze ans dans la Haute-Éthiopie (Par. 1868); Beltrame, Il Sennaar e lo Sciangállah (Verona 1879-82, 2 Bde.).

Schanghai, Stadt in der chines. Provinz Kiangsu, seit 1842 Traktatshafen und von einer unbedeutenden Stadt zum größten Handelsplatz in Ostasien erblüht, liegt 20 km von der Küste entfernt am Wusung, einem Zufluß des Jantsekiang, der für Seeschiffe tief genug ist, und durch welchen in Verbindung mit einem umfassenden Kanalnetz die wichtigsten Provinzen Chinas von S. aus dem europäischen Handel erschlossen sind. Die Stadt besteht aus einer chinesischen Stadt, mit engen, schmutzigen Straßen und von einer hohen Mauer umgeben, sowie ausgedehnten Vorstädten, die sich an jene anschließen; Häfen und Häuser der Europäer liegen nördlich der Stadt unmittelbar am Fluß. S. zählt 355,000 chines. Einwohner. In den fremdländischen Niederlassungen wohnen an 3000 Ausländer (davon fast 1500 Engländer und etwa 300 Deutsche). Sie teilen sich in ein englisches und ein französisches Gebiet und haben städtische Verfassungen, die auf der französischen Seite unter Aufsicht des französischen, auf der englischen unter der des gesamten Konsularkorps stehen; Deutschland ist durch ein Generalkonsulat vertreten. Das europäische Viertel hat schöne, breite Straßen, geschmackvolle Prachtbauten, Gasbeleuchtung, elektrisches Licht, Wasserleitung, Theater für die zahlreichen den fernen Osten durchziehenden Künstlergesellschaften, Klubs, Zeitungen etc. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 17° C., die Maximalhitze im Sommer 38, das Minimum in Winternächten -4,5°. S. ist Hauptplatz für den Thee-Export und den Opiumimport. Es gibt daselbst verschiedene europäische Banken, Versicherungs- und Handelsgesellschaften, darunter sehr thätige chinesische (für Versicherungswesen, Handelsgeschäfte und Schiffahrt, welch letztere erst 1877 die Flotte der amerikanischen Fluß- und Küstenfahrtgesellschaft ankaufte). S. ist der Ausgangspunkt des Kabels nach Europa wie nach Japan, erhält seine Posten regelmäßig durch französische, englische und amerikanische Postschiffe und nimmt seit dem Beitritt Hongkongs (1. Juni 1877) an den Portosätzen des Weltpostvereins teil. Lediglich zum Zweck der Verkehrsvermittelung innerhalb der Grenzen der europäischen Niederlassung,

^[Abb.: Situationsplan von Schanghai.]