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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Scheffel; Scheffer

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Scheffel - Scheffer.

die Fortsetzung des "Hafis", voll schalkhafter Epigramme, leichtfüßiger Dithyramben, erotischer Legenden und Parabeln von höchst abgerundeter Form. Manches Fremdartige in diesen Produkten erklärt sich aus Schefers Vorliebe für den Orient und die religiös-sittlichen Ansichten des Mohammedanismus, die besonders stark in "Mahomets türkischen Himmelsbriefen" (Berl. 1840) hervortritt. Seine letzten Publikationen waren: "Schneekönigs Kinder", komisches Epos (Düsseld. 1857), und "Homers Apotheose" (Lahr 1858), ein Gedicht, in welchem mit der Verherrlichung des Dichters die des vollen, gesunden, ausgereiften Menschendaseins gegeben werden sollte. Seine musikalische Begabung machte der Dichter in späterer Zeit in einer Oper: "Sakontala", und mehreren von ihm komponierten Quartetten geltend. Er starb 13. Febr. 1862 in Muskau. Aus seinem Nachlaß gab Gottschall "Für Haus und Herz. Letzte Klänge" (Leipz. 1867) und Moschkau "Das Buch des Lebens und der Liebe" (das. 1877, 3. Aufl. 1887) heraus. "Ausgewählte Werke" Schefers erschienen in 12 Bänden (2. Aufl., Berl. 1857). Vgl. Brenning, Leopold S. (Brem. 1884).

Scheffel, deutsches Getreidemaß, war in Preußen früher = 16 Metzen = 54,962 Lit.; in Sachsen = 4 Viertel = 103,985 L.; in Bayern = 6 Metzen = 222,357 L.; in Württemberg = 177,226 L. Der nach Einführung des metrischen Maßsystems in Deutschland zur Anwendung kommende "Neuscheffel" hat 50 L. = 5 Faß à 10 L. = ½ hl, wurde 1884 wieder abgeschafft. S. heißt auch ein Ackermaß gleich einer Fläche, zu deren Besäung 1 S. Frucht oder Aussaat gehört. Vgl. Hohlmaße.

Scheffel, Joseph Viktor von, Dichter, geb. 16. Febr. 1826 zu Karlsruhe, wo sein Vater die Charge eines Majors und Oberbaurats bekleidete, studierte 1843-47 in Heidelberg, München und Berlin Jurisprudenz sowie germanische Philologie und Litteratur, promovierte zum Doktor der Rechte und begleitete im Sommer 1848 den Reichskommissar Welcker als Sekretär auf seiner Reise nach Skandinavien. In der Folge arbeitete er an mehreren großherzoglichen Ämtern, 1850-51 als Rechtspraktikant in Säckingen, 1852 im Sekretariat des Hofgerichts zu Bruchsal, wurde nach einer Reise durch Italien zwar noch zum Referendar ernannt, entsagte jedoch bald gänzlich der juristischen Laufbahn, um sich für das akademische Lehramt vorzubereiten, und nahm in dieser Absicht wieder längern Aufenthalt in Heidelberg. Allein immer unwiderstehlicher wurde er von seinen poetischen Neigungen zur litterarischen Laufbahn geführt, und er folgte dem innern Drang um so leichter, als die günstigen Verhältnisse seiner Familie eine sorglose Entwickelung seines Talents gestatteten. Die Reise, welche er im Mai 1852 nach Rom antrat, sollte über seinen Beruf zur Landschaftsmalerei entscheiden, entschied aber in Wahrheit über seine poetische Zukunft, da er in Italien der Stärke u. Eigenart seines Dichtertalents gewiß ward. Er trat nunmehr mit dem köstlichen Erstlingswerk "Der Trompeter von Säckingen, ein Sang vom Oberrhein" (Stuttg. 1854; 77. Aufl., das. 1880) hervor, welchem schon kurze Zeit später der historische Roman "Ekkehard" (Frankf. 1857; 100. Aufl., Stuttg. 1888) folgte. Sowohl die kleine epische Dichtung als der Roman, eine Geschichte aus dem 10. Jahrh., ließen in S. auf der Stelle einen durch Originalität, die prächtigste Frische und einen seltenen Humor ausgezeichneten Dichter erkennen, dem aus der Fülle innerer Anschauung und lebendig gewordener Studien noch dazu die reichsten Farben für Schilderung verschiedener Zeiten und Zustände zu Gebote standen. Nachdem der Dichter eine Zeitlang in München, dann 1858-59 als Bibliothekar des Fürsten Egon von Fürstenberg in Donaueschingen gelebt hatte, ließ er sich dauernd in seiner Vaterstadt Karlsruhe nieder, wo 16. Febr. 1876 der 50. Geburtstag des inzwischen berühmt Gewordenen in besonders festlicher Weise begangen, S. aber durch den Großherzog von Baden in den erblichen Adelstand erhoben ward. Unter den spätern Produktionen Scheffels fanden die humoristischen Lieder und Balladen, die in "Gaudeamus" (Stuttg. 1867; 50. Aufl., das. 1887) gesammelt erschienen, um ihrer geistreichen Frische, ihres kecken studentischen Tons willen außerordentlichen Beifall. In "Frau Aventiure. Lieder aus Heinrich von Ofterdingens Zeit" (Stuttg. 1863; 15. Aufl., das. 1887) sowie in der Erzählung "Juniperus. Geschichte eines Kreuzfahrers" (das. 1868, 4. Aufl. 1883) überwogen die zum Erweis gründlicher Studien dienenden Einzelzüge die warme Darstellungskraft und siegende Lebendigkeit zwar nicht, aber sie nahmen diesen Dichtungen doch die volle Unmittelbarkeit. Beide Dichtungen waren gleichsam Splitter eines geplanten großen historischen Romans, welche die Entstehung des Nibelungenlieds und den Sängerkrieg auf der Wartburg schildern sollte, aber leider unausgeführt blieb. Scheffels letzte Produktionen sind die "Bergpsalmen" (Stuttg. 1870, 4. Aufl. 1883); das lyrische Festspiel "Der Brautwillkomm auf Wartburg" (Weim. 1873); "Waldeinsamkeit", Dichtung zu zwölf landschaftlichen Stimmungsbildern von Jul. Marak (Stuttg. 1880, 5. Aufl. 1888); "Der Heini von Steier", Dichtung (Münch. 1883), und "Hugideo. Eine alte Geschichte" (Stuttg. 1884, 5. Aufl. 1886). Zu einer Anzahl seiner Werke hat Anton v. Werner (s. d.) treffliche Illustrationen geliefert. Nachdem S. die letzten Jahre seines Lebens auf einer Besitzung zu Radolfzell am untern Bodensee zugebracht hatte, starb er 9. April 1886 in Karlsruhe. Nach seinem Tod erschienen noch: "Fünf Dichtungen" (Stuttg. 1887); "Reisebilder" (hrsg. von J. ^[Johannes] Prölß, das. 1887) und "Gedichte" (das. 1888). Vgl. Zernin, Erinnerungen an Joseph Viktor v. S. (Darmst. 1886); Ruhemann, Joseph Viktor v. S. (Stuttg. 1886); Pilz, Viktor v. S. (Leipz. 1887); J. Prölß, Scheffels Leben und Dichten (Berl. 1887).

Scheffer, 1) Ary, franz. Maler, geb. 12. Febr. 1795 zu Dordrecht, Sohn des Malers Johann Baptist S. aus Mannheim, eines Schülers Tischbeins, ging mit 18 Jahren nach Paris, wo er sich bei P. Guérin ausbildete, und malte dann eine lange Reihe von religiösen, historischen und Genrebildern aus dem Volksleben, welch letztere sich durch Einfachheit und Wahrheit der Empfindung auszeichneten, bis das Auftreten der Romantiker bestimmend auf ihn einwirkte und er sich ihren Bestrebungen anschloß. Die ersten Bilder dieser neuen Richtung waren: Gaston von Foix, auf dem Schlachtfeld von Ravenna unter den Toten gefunden (im Museum zu Versailles), ausgezeichnet durch Energie der Auffassung und Tiefe des Gefühls; die letzten Soldaten von Missolunghi, im Begriff, sich in die Luft zu sprengen; die suliotischen Frauen, im Begriff, sich von der Höhe des Felsens herabzustürzen, um der Sklaverei zu entgehen (1827), ergreifend durch lebenswahren Ausdruck der Verzweiflung. 1829 machte S. eine Reise nach den Niederlanden. Seine nächstfolgenden Werke lassen den Einfluß des Studiums von Rembrandt erkennen, so: Christus und die Kinder; Lenore, nach Bürgers Ballade; Faust in seinem Studierzimmer; Gretchen