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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Scheffer-Boichorst; Scheffler; Scheg; Scheherezade; Schehr; Schehr-i-sebs; Scheibbs

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Scheffer-Boichorst - Scheibbs.

am Spinnrad; Gretchen, Martha den Schmuck zeigend, und Gretchen in der Kirche (1832). An diese Darstellungen reihen sich der Zeitfolge nach mehrere aus andern Dichtungen entnommene, so: der Giaur, nach Byron (1833); Medora, nach desselben Dichters "Korsar" (1834); Graf Eberhard der Greiner, nach Schiller (im Louvre); Dante und Vergil, in der Hölle die vom Sturmwind umgetriebenen Schatten der Francesca da Rimini und des Paolo Malatesta treffend (1834). Ein gewisses Schwanken in der technischen Ausführung, die bald an die Kunstweise Rembrandts, bald an die der alten italienischen Maler und der ihr verwandten neuern deutschen erinnert, zeigen die Bilder: Christus der Tröster (1837 gemalt, gestochen von Henriquel-Dupont) und Christus der Lohnspender (1847 gemalt, gestochen von Blanchard: Christus remunerator). Für das historische Museum zu Versailles malte er zwei große Bilder: die Schlacht bei Zülpich und die Unterwerfung Wittekinds und der Sachsen unter Karl d. Gr. zu Paderborn. Weit anziehendere Erzeugnisse seiner eignen Wahl und Neigung sind aber die Goetheschen Dichtungen entnommenen Bilder: der König von Thule (1837); Mignon, sich nach dem Vaterland sehnend; Mignon, sich nach dem Himmel sehnend (1839), und Mignon und ihr Vater; ferner Gretchen, aus der Kirche kommend (1839); Gretchen und Faust im Garten (1846); Faust, auf dem Blocksberg Gretchens Gespenst erblickend. Der Dichtung Dantes entnommen sind: Dante und Beatrice im Paradies und der heil. Augustin mit seiner Mutter Monika. Die letzte Periode der künstlerischen Thätigkeit Scheffers brachte biblische Darstellungen von vorwiegend spiritualistischer Richtung hervor, so: Jakob und Rahel; die Hirten, von einem Engel zur Krippe Christi hingeführt; die heil. drei Könige; Christus, in der Wüste vom Teufel versucht; Christus, über Jerusalem weinend; die Rückkehr des verlornen Sohns; Christi Leiden im Garten Gethsemane; Maria als Mater dolorosa; Christus, das Kreuz tragend; die drei Marien, vom Grab Christi kommend, u. a.; endlich noch drei allegorische Gemälde: Tugend und Laster oder die himmlische und die irdische Liebe; der Bürgerkrieg (auch der 2. Dezember genannt) und die Klagen der Erde, sich in Hoffnungen und Seligkeiten verwandelnd. Endlich schuf S. auch Bildnisse berühmter Zeitgenossen. Er starb 17. Juli 1858 in Argenteuil bei Paris. Die empfindsame, krankhafte Richtung, welche S. vertrat, kam der allgemeinen Zeitstimmung so sehr entgegen, daß er einer der gefeiertsten Künstler seiner Zeit war. Doch hat sein Ruhm vor der Nachwelt nicht Stich gehalten. Vgl. Mrs. Grote, A memoir of the life of A. S. (2. Aufl., Lond. 1860).

2) Henri, Maler, Bruder des vorigen, geb. 27. Sept. 1798 im Haag, hatte ebenfalls Pierre Guérin zum Lehrer, ahmte dann aber besonders seinen Bruder nach. Von seinen Bildern sind hervorzuheben: die Verhaftung der Charlotte Corday bei Marats Leiche; Jeanne d'Arc auf dem Marktplatz zu Rouen; die protestantische Predigt nach der Zurücknahme des Edikts von Nantes (1838); ein Genrebild nach Goethes "Hermann und Dorothea"; Madame Roland auf dem Weg zur Hinrichtung (1845). Er starb 15. März 1862.

Scheffer-Boichorst, Paul, deutscher Geschichtsforscher, geb. 25. Mai 1843 zu Elberfeld, studierte in Innsbruck, Göttingen und Berlin Geschichte, war 1871-75 Mitarbeiter an den "Monumenta Germaniae", in welchen er die Chronik des Alberich von Troisfontaines herausgab, und wurde 1875 als außerordentlicher Professor nach Gießen, 1876 als ordentlicher Professor der Geschichte nach Straßburg berufen. Von seinen Schriften sind zu erwähnen: "Kaiser Friedrichs I. letzter Streit mit der Kurie" (Berl. 1866); "Annales Patherbrunnenses. Eine verlorne Quellenschrift des 12. Jahrhunderts wiederhergestellt" (Innsbr. 1870); "Deutschland und Frankreich von 1180 bis 1214" (Götting. 1868); "Florentiner Studien" (Leipz. 1874); "Die Chronik des Dino Compagni" (das. 1875); "Die Neuordnung der Papstwahl durch Nikolaus II." (Straßb. 1879); "Dante- und Boccaccio-Studien" (1881); "Aus Dantes Verbannung" (das. 1882).

Scheffler, 1) Hermann, Mechaniker, geb. 10. Okt. 1820 zu Braunschweig, studierte auf dem Carolinum daselbst, ging 1846 zum Staatseisenbahndienst über, ward 1853 Mitglied der herzoglichen Eisenbahndirektion und 1871 Direktionsmitglied der braunschweigischen Eisenbahngesellschaft. Er übersetzte aus dem Englischen Moseleys "Mechanische Prinzipien der Ingenieurkunst und Architektur" (Braunschw. 1845, 2 Bde.) und schrieb: "Die Prinzipien der Hydrostatik und Hydraulik" (das. 1847, 2 Bde.); "Die unbestimmte Analytik" (Hannov. 1854); "Theorie der Gewölbe-Futtermauern" (Braunschw. 1857); "Die Theorie der Festigkeit gegen das Zerknicken" (das. 1858); "Über Gitter- und Bogenträger und über die Festigkeit der Gefäßwände" (das. 1862); "Imaginäre Arbeit eine Wirkung der Zentrifugal- und Gyralkraft" (Leipz. 1866); "Die Ursachen der Dampfkesselexplosionen" (Berl. 1867); "Sterblichkeit und Versicherungswesen" (Braunschw. 1868); "Die Theorie der Wärme" (das. 1875); "Die Naturgesetze" (Leipz. 1876-81, 4 Bde. mit 3 Supplementen); "Die polydimensionalen Größen" (Braunschw. 1880); "Die magischen Figuren" (Leipz. 1882); "Die Welt nach menschlicher Auffassung" (das. 1885). Auch optische Arbeiten hat S. geliefert: "Die physiologische Optik" (Braunschw. 1865, 2 Bde.); "Die Gesetze des räumlichen Sehens" (das. 1866); "Die Theorie der Augenfehler und der Brille" (Wien 1868). 1856-63 redigierte er das "Organ für die Fortschritte des Eisenbahnwesens".

2) Johann, s. Angelus Silesius.

Scheg, s. Galjon.

Scheherezade (Schehersad), die berühmte Märchenerzählerin in "Tausend und eine Nacht" (s. d.).

Schehr (türk.), s. v. w. Stadt.

Schehr-i-sebs ("grünende Stadt"), Hauptort des ehemaligen Chanats gleiches Namens in Turkistan, besteht aus zwei durch den Ak-Darja getrennten Städten, Kitab und Schehr, welche von Einer jetzt halbzerstörten Mauer umgeben sind. Schehr hat an 90 Moscheen und an 20,000, Kitab 15,000 Einw. (fast sämtlich Uzbeken); zwischen beiden ziehen sich ausgedehnte Gärten hin. Am Anfang des 14. Jahrh. befand sich an der Stelle von S. das Dorf Kesch, in welchem 1333 Tamerlan geboren wurde. Derselbe wollte hier die Hauptstadt seines Reichs gründen und errichtete viele große, jetzt meist verfallene Bauten; von seinem Palast Ak-Serai, einem der sieben Wunder der Welt, sind heute nur noch Trümmer übrig. Das Chanat S. stand 1868 auf seiten des Emirs von Bochara gegen die Russen, wurde aber 1870 nach tapferm Widerstand und Einnahme der Hauptstadt durch den General Abramow erobert und von den Russen dem Emir von Bochara übergeben. Das Gebiet ist reich an Getreide, Tabak, Baumwolle, Hanf, Früchten und Gemüsen sowie Eisen und Salz.

Scheibbs, Marktflecken in Niederösterreich, an der Erlaf und der Staatsbahnlinie Pöchlarn-Gaming, mit einem Schloß, einer Dechanteikirche, Fabrikation