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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schelch; Schelde; Schele von Schelenburg; Scheler; Schelfhout; Schelhorn; Scheliff; Schelklingen; Schellack

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Schelch - Schellack.

vermittelst des Alexander von Württembergschen Kanals auch mit dem Weißen Meer dient.

Schelch, s. Hirsch, S. 566.

Schelde (franz. Escaut, bei den Alten Scaldis), Fluß in Frankreich und Belgien, entspringt im franz. Departement Aisne bei Catelet in nur 142 m Seehöhe, was sie schon als echten Tieflandsstrom charakterisiert, fließt in vorherrschend nördlicher Richtung durch das Departement Nord, wird bei Cambrai schiffbar, tritt nach der Einmündung der Scarpe nach Belgien über und durchfließt hier die Provinzen Hennegau, Ostflandern und Antwerpen. An der belgisch-holländischen Grenze teilt sich die S. in zwei Mündungsarme: Osterschelde und Westerschelde oder Honte. Weiteres s. Niederlande, S. 140. Der Gesamtstromlauf der S. beträgt 430 km, wovon 340 km schiffbar sind. Die bedeutendsten Nebenflüsse sind: in Frankreich links die Scarpe, in Belgien links die Lys, rechts die Dender und die Rupel. Die S. ist bei Dendermonde 190 m, bei Antwerpen 660 m breit und hier zur Zeit der Flut (die noch bis Gent bemerkbar ist) 15 m tief. Historisch merkwürdig ist die S. wegen des von den Holländern von 1648 bis 1792 behaupteten und nach der Trennung Belgiens wieder, aber vergeblich, in Anspruch genommenen Rechts ihrer Schließung. Auch die von Belgien von den fremden Schiffen, welche die S. befuhren, erhobenen Zölle wurden durch den Brüsseler Ablösungsvertrag vom 16. Juli 1863 aufgehoben.

Scheler, August, Linguist, geb. 6. April 1819 zu Ebnat im Kanton St. Gallen, studierte zu Erlangen, Bonn und München und lebt seit 1839 in Brüssel, wo er 1853 zum königlichen Bibliothekar, daneben 1876 zum Professor der allgemeinen Sprachlehre an der Universität ernannt wurde. Auch ist er seit 1884 ordentliches Mitglied der belgischen Akademie. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Dictionnaire d'étymologie française" (Brüssel 1861, 3. Aufl. 1888); "Kurzgefaßtes etymologisches Wörterbuch der französischen Sprache" (Leipz. 1865); "Glossaire roman-latin du XV. siècle" (Antwerp. 1865) und das "Exposé des lois qui régissent la transformation française des mots latins" (Brüssel 1875). Auch gab er zahlreiche altfranzösische und altprovençalische Werke heraus, besorgte die 4. Auflage von Diez' "Etymologischem Wörterbuch der romanischen Sprachen" (Bonn 1878) und brachte das von Grandgagnage begonnene "Dictionnaire étymologique de la langue wallone" (1880) zum Abschluß.

Schele von Schelenburg, Georg Viktor Friedrich Dietrich, Freiherr, hannöverscher Staatsmann, geb. 1771 zu Schelenburg, studierte die Rechte in Göttingen und wurde nach Errichtung des Königreichs Westfalen zum Gesandten in München und Mitglied des Staatsrats ernannt. In den hannöverschen Staatsdienst übergetreten, erhielt er 1824 das Präsidium des Obersteuer- und Schatzkollegiums und ward nach Errichtung des Geheimratskollegiums Mitglied desselben. In der Ersten Kammer war er Vorfechter der reaktionären Adelspartei. König Ernst August ernannte ihn sofort nach seinem Einzug in Hannover (29. Juni 1837) zum Staats- und Kabinettsminister und ließ von ihm durch Patent vom 5. Juli das Staatsgrundgesetz von 1833 aufheben. 1838 ward er in den Freiherrenstand erhoben. Er starb 5. Sept. 1844 in Schelenburg. - Sein zweiter Sohn, Eduard August Friedrich, Freiherr S., geb. 23. Sept. 1805, trat erst in den Justizdienst, ward 1841 Kabinettsrat, 1845 Mitglied der Ersten Kammer und übernahm nach der Thronbesteigung Georgs V. (22. Okt. 1851) die Präsidentschaft des Ministeriums sowie die Portefeuilles des Auswärtigen und des königlichen Hauses. Da er aber die Anmaßungen der ritterschaftlichen Partei bekämpfte und den Verfassungsbruch widerriet, erhielt er 21. Nov. 1853 seine Entlassung. Er war hierauf bis Juli 1866 fürstlich Thurn und Taxisscher Generalpostmeister zu Frankfurt und starb 14. Febr. 1875 daselbst.

Schelfhout, Andreas, holländ. Maler, geb. 16. Febr. 1787 im Haag, bildete sich bei dem Theatermaler Breckenheimer zum Landschaftsmaler aus und erzielte 1815 seinen ersten größern Erfolg mit einer Winterlandschaft. Auch später waren Winterlandschaften seine Spezialität. Doch schilderte er daneben auch die Dünen, Wiesen, Wälder und Heiden Hollands, welche er anfangs in der kleinlichen Manier der ältern Schule, dann breit und frei in der Art der neuern Stimmungsmaler behandelte. Bilder von ihm besitzen das Museum Fodor in Amsterdam und die Museen von Haarlem, Rotterdam und Gent. Er starb 19. April 1870 im Haag.

Schelhorn, Johann Georg, Litteratur, geb. 8. Dez. 1694 zu Memmingen, gest. 31. März 1773 als Superintendent daselbst, Verfasser der berühmten "Amoenitates litterariae" (Frankf. 1725-34, 14 Bde.; 2. Aufl., Bd. 1-4, 1737-38).

Scheliff, der längste Fluß Algeriens, entsteht aus zwei Quellflüssen, von denen der eine längere vom Dschebel Amur, der andre vom Tiaret kommt, und mündet nach einem 700 km langen, vielgewundenen Lauf nördlich von Mostaganem ins Mittelländische Meer. Der S. ist bald ein reißender Strom, bald ganz seicht; sein Wasser wird jetzt durch Kanäle auf die fruchtbaren Felder an seinen Ufern geführt.

Schelklingen, Stadt im württemberg. Donaukreis, Oberamt Blaubeuren, an der Aach und der Linie Ulm-Sigmaringen der Württembergischen Staatsbahn, hat eine restaurierte kath. Pfarrkirche, eine Schloßruine (Muschenberg), eine Erziehungsanstalt für katholische Knaben, Zementfabrikation und (1885) 1126 meist kath. Einwohner. Dazu gehört das säkularisierte Benediktinerkloster Urspring (jetzt mechanische Baumwollweberei).

Schellack (Tafellack, Plattlack, Lacca in tabulis), aus dem Gummilack abgeschiedenes Harz, wird in Indien erhalten, indem man den rohen oder durch Auswaschen mit Wasser vom Farbstoff befreiten Gummilack in Säcken auf etwa 140° erhitzt und das abfließende Harz auf Pisangblättern oder irdenen Cylindern in dünner Schicht erstarren läßt. Der S. kommt in kleinen, dünnen, eckigen, tafelartigen Bruchstückchen, auch in Form von Kuchen (Kuchenlack) oder Klumpen (Klumpenlack) sowie in Form meist runder, einige Linien dicker, wenig durchscheinender, braunroter, sehr glatter Tafeln von reiner Masse (Blut-, Knopfschellack) in den Handel, ist in der Kälte sehr spröde und brüchig, ziemlich hart, geruch- und geschmacklos, schmilzt beim Erhitzen, verbreitet in höherer Temperatur einen nicht unangenehmen Geruch und brennt mit hell leuchtender Flamme. Er ist unlöslich in Wasser, aber löslich in Weingeist (bis auf das beigemengte Wachs), Borax, Ammoniak und kohlensauren Alkalien. Man bleicht den S., indem man ihn in Sodalösung löst, mit unterchlorigsaurem Natron gemischt dem direkten Sonnenlicht aussetzt, durch Salzsäure fällt und gut auswäscht. Er ist ganz farblos und nimmt beim Kneten und Ausziehen einen schönen seidenartigen Glanz an. Der S. dient zur Bereitung von Siegellack, von Firnis, Politur (farbloser S. für weiße Hölzer), Kitt, Schleifsteinen etc.