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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schijaku; Schikane; Schikaneder; Schikarpur; Schiking; Schild

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Schijaku - Schild.

man gab der Sunna und der Tradition verschiedene Auslegungen, ja selbst einzelne Stellen des Korans wurden strittig, und so geschah es, daß die S. selbst in der Auffassung mancher Grundideen des Islam von den Sunniten abweichen. Im allgemeinen läßt sich sagen, daß der Schiite sich strenger an das Wort hält als der Sunnite und, im Gegensatz zu der landläufigen Meinung in Europa, der orthodoxere von beiden ist. Von Persien aus hat der Schiitismus gegen W. so gut wie keine und nach SO. nur geringe Verbreitung gefunden, nämlich in Indien und in der Gegend zwischen Herat und Kabul auf der Hochebene von Pamir. Der Nationalität nach sind die S. größtenteils Arier, d. h. Perser und Inder; zu den Türken können nur die von Aserbeidschân und Transkaukasien gerechnet werden, und arabische S. gibt es nur in Bagdad und seiner Umgebung. Da die S. das Kalifat nicht anerkennen, so hat auch die geistige Oberherrschaft des Sultans von Konstantinopel für sie keine Geltung, und der Schah von Persien wird nur als Beschützer des Glaubens, nicht aber als Stellvertreter des Propheten angesehen.

Schijaku, japan. Hohlmaß, s. Zjoo.

Schikane (franz. chicane), eine in böser Absicht veranlaßte Schwierigkeit, durch welche namentlich die von einem andern bezweckte Ausführung einer Sache verzögert oder verhindert werden soll (calumnia). Zur Sicherung gegen S. im Prozeß diente nach älterm Rechte der sogen. Gefährdeeid (jusjurandum calumniae speciale). Daher Schikaneur, einer, der darauf ausgeht, die Rechtsansprüche eines andern nicht zur Geltung kommen zu lassen, Ränkemacher.

Schikaneder, Emanuel, Opern- und Lustspieldichter, geb. 1751 zu Regensburg, gewann in mehreren österreichischen Städten als Komiker den Beifall der Menge, lebte sodann eine Zeitlang als Theaterdirektor zu Prag und später zu Wien, wo er das sogen. Theater an der Wien gründete und 21. Sept. 1812 starb. Seine Opern und Singspiele, worunter die "Zauberflöte" durch Mozarts Musik am bekanntesten ward, erschienen gesammelt als "Theatralische Werke" (Wien 1792, 2 Bde.).

Schikarpur, Distrikt in der britisch-ind. Präsidentschaft Bombay, rechts am Indus im obern Sind, 25,901 qkm (470 QM.) groß mit (1881) 852,986 Einw. Die gleichnamige Hauptstadt, mit 42,496 Einw., war wichtiger Stapelplatz für den Handel nach Afghanistan bis zur Anlage der Eisenbahn von Kotri über Jakobabad nach Südafghanistan.

Schiking ("Buch der Lieder"), eins der wichtigsten litterarischen Denkmäler der Chinesen (s. Chinesische Sprache und Litteratur, S. 30).

Schild, Schutzwaffe gegen Hieb, Stich, Pfeil- und Spießwurf, kommt bereits in prähistorischer Zeit vor (s. Metallzeit). Die älteste Schildform der Griechen war die des Kreises, später, der bessern Deckung wegen, oval, etwa 1,5 m lang mit seitlichen Ausschnitten, böotischer S. genannt (Fig. 1), von den Hopliten geführt, während die leichten Truppen später den Rundschild (Fig. 2) oder die halbmondförmige Pelte (Amazonenschild), die Schutzwaffe der leichtbewaffneten Peltasten (s. d., mit Abbildung), trugen. Der S. (Sakos, Aspis) bestand aus mehreren Lagen Rindsleder mit Metallbelag oder mit Randschienen beschlagen, auf denen die Nagelköpfe buckelartig hervortraten. Der S. der Römer war ursprünglich rechteckig, an seine Stelle trat später der tuskische Rundschild (clupeus, aspis), seit den Gallierkriegen das etwa 1,25 m hohe, 80 cm breite Scutum (Fig. 3). Der von den Principes geführte eherne Clupeus wurde durch die kreisrunde Parma von 1 m Durchmesser aus Leder ersetzt, die später die Veliten erhielten. In späterer Zeit waren ovale, rechteckige und sechseckige Schilde im Gebrauch, deren Form u. Bemalung (Blitzstrahlen, Adler, Halbmonde, Lorbeerzweige etc. kommen als Schildzeichen vor) wahrscheinlich zur Unterscheidung der Truppenteile dienten. An der in der Mitte hervortretenden Erhöhung (Omphalos) war oft eine eiserne Spitze angebracht, die nicht allein die Kraft der Wurfspieße, Pfeile, Steine etc. schwächen, sondern im Handgemenge auch als Angriffswaffe dienen sollte; zum Halten des Schildes diente ein lederner Riemen oder eine eherne Handhabe oder wohl auch inwendig angebrachte Querhölzer oder metallene Ringe, durch welche der linke Arm gesteckt ward. Die Perser führten große Schilde aus Flechtwerk, häufig mittels Metallspitze in die Erde zu stecken, um hinter ihnen vorzuschießen. Der Verlust des Schildes in der Schlacht galt als die größte Schande, daher die auf dem Schlachtfeld getöteten oder verwundeten Krieger auf demselben weggetragen wurden. Römer und Griechen machten nicht allein im Einzelgefecht von den Schilden Gebrauch, sondern ganze Abteilungen wußten diese Schutzwaffen so zu verschränken, daß dadurch zum Angriff und vorzüglich zur Verteidigung gegen Reiterei sowie bei Rückzügen, wo die Schwerbewaffneten die leichten Truppen und den Troß in die Mitte nahmen, ein undurchdringliches Schutzdach gebildet wurde, auf welchem die Soldaten beim Stürmen, zur Ersteigung niedriger Mauern selbst mehrfach übereinander stehen konnten. Auf dem S. emporgehoben zu werden, galt lange bei vielen Völkern für die höchste Ehrenbezeigung; bei den Burgundern diente es als Zeichen der Königswahl. Das Mittelalter kannte zwei Hauptformen der Schilde, den Buckeler und den S. im engern Sinn. Der Buckeler war rund, gewölbt mit großem, rübenförmigem Buckel oder Nabel (Fig. 4); er wurde vom 11. Jahrh. an durch den dreieckigen Ritterschild mehr und mehr verdrängt. Die runden Schilde, die vorzugsweise geringerm Kriegsvolk und Söldnern im Ernstkampf dienten, erhielten sich bei den Franzosen, Spaniern, Niederländern und der italienischen Reiterei unter dem besondern Namen Rondellen (Rundtartschen, Rondaches) am längsten (s. Tafel "Rüstungen", Fig. 6 u. 15) und wurden auch von den orientalischen und asiatischen

^[Abb.: Fig. 1. Böotischer Schild.]

^[Abb.: Fig. 2. Rundschild.]

^[Abb.: Fig. 3. Scutum der Römer.]

^[Abb.: Fig. 4. Buckeler.]

^[Abb.: Fig. 5. Normänn. Schild.]