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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Schild - Schildkrebse.

Völkern bevorzugt (s. Tafel "Rüstungen", Fig. 11). Die älteste Form des Ritterschildes ist der normännische S. (Fig. 5), länglich, oben abgerundet, unten spitz, stark um den Leib des Trägers gebogen; um 1200 wird der S. oben geradlinig. Sie sind aus Holz gefertigt, mit Leinwand, Leder oder Pergament überzogen; auf diesen Überzug wird das Wappen aufgemalt oder, aus geeignetem Material (z. B. aus Pelzwerk) ausgeschnitten, aufgenagelt. Diese Schilde wurden an einem Riemen (Schildfessel) um den Hals getragen. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrh. verschwanden die Schilde aus dem Kriegsgebrauch, und bei den Turnieren bürgerte sich demnächst die Tartsche (Fig. 6) ein; dieselbe ist rechteckig und heraldisch rechts mit einem Ausschnitt zum Einlegen der Lanze versehen. An diese Form lehnen sich die spätern heraldischen Phantasieschilde an, die der Symmetrie halber an beiden Seiten Ausschnitte erhielten und unten stets abgerundet sind. Eine nur für den Kriegsgebrauch (noch im 16. Jahrh.) dienende Waffe waren die böhmischen Pavesen (Setzschild, auch Sturmwand genannt), bis zu 2 m hoch und verhältnismäßig breit, innen mit Eisen beschlagen und unten mit eisernen Spitzen versehen, mittels deren sie in der Erde festgerammt wurden, um den Kämpfern Deckung zu geben. Im Rittertum des Mittelalters spielte der S. eine bedeutende Rolle. Das Berühren des Schildes ist eine Herausforderung zum Zweikampf; Ritter, die in der Schlacht fielen, wurden mit dem S. bedeckt; in seinem S. empfing der Ritter die Gabe seines Herrn; starb ein Fürst, so trugen seine Getreuen als Zeichen der Landestrauer den S. verkehrt, d. h. mit der Spitze nach oben. Auch das Wort Schildwache gehört hierher, da man an dem Bild auf dem S. erkannte, ob der Träger Feind oder Freund war. Vgl. Wappen.

^[Abb.: Fig. 6. Tartsche]

Schild, in der Jägersprache die vom Suhlen und Maalen auf den Blättern der starken Schweine (gepanzerten Sauen) mit Harz und Schlamm überzogene Schwarte; auch der braune Fleck auf der Brust der Rebhühner; ferner der mit einer Kuh bemalte Leinwandschirm, hinter welchem sich der Jäger beim Fang der Rebhühner im Treibzeug verbirgt.

Schildamsel, s. Drossel.

Schildau (Schilda), Stadt im preuß. Regierungsbezirk Merseburg, Kreis Torgau, am Fluß S., hat Thon- und Zündwarenfabrikation und (1885) 1391 evang. Einwohner. S., dessen Bewohnern der Volkswitz früher, wie den Schöppenstädtern, Krähwinklern u. a., lächerliche Streiche (s. Lalenbuch) zuschrieb, ist Gneisenaus Geburtsort.

Schildberg (Ostrzeszow), Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Posen, an der Linie Posen-Kreuzburg der Preußischen Staatsbahn, hat 3 kath. Kirchen, ein Bernhardinerkloster, eine Burgruine, ein Amtsgericht und (1885) 3081 meist kath. Einwohner.

Schildblume, s. Chelone.

Schildbogen, s. Bogen, S. 124.

Schildbürger, s. Lalenbuch.

Schilddrüse (Glandula thyreoidea), bei allen erwachsenen Wirbeltieren, mit Ausnahme der Leptokardier, eine rings geschlossene Drüse in der Halsgegend. Beim Menschen (s. Tafel "Eingeweide des Menschen I", Fig. 2) liegt sie dicht vor dem Bogen des Ringknorpels und dem obern Ende der Luftröhre, mit welcher sie durch straffes Zellgewebe verbunden ist. Sie ist rötlichbraun, sehr reich an Blutgefäßen, besitzt beim Erwachsenen ungefähr den Umfang eines Hühnereies, ein Gewicht von reichlich 30 g und hat die Gestalt eines mit seinen Hörnern nach oben gerichteten Halbmondes. Die physiologische Bedeutung der Drüse ist noch nicht recht klar (man behauptet, sie regele die Blutzufuhr zum Gehirn); dagegen weiß man aus vergleichend-anatomischen Untersuchungen, daß sie ein rudimentäres Organ vorstellt. Im Embryo entsteht sie als ein Fortsatz der Schlundhöhle, der indessen sich rasch abschließt und zur Drüse ausbildet. Diese ist unpaar oder paar; im letztern Fall werden die beiden Massen oft durch eine Querbrücke (Isthmus) miteinander verbunden, so beim Menschen. Sehr häufig entartet die S. bei Erwachsenen, wobei sie sich mehr oder weniger beträchtlich vergrößert und den sogen. Kropf (s. d.) bedingt.

Schilderbent, Vereinigung niederländ. Maler, welche aus Raffaels Zeit herrühren soll und namentlich im 16. Jahrh. in Rom blühte. Ursprünglich war sie zum Zweck gegenseitiger Förderung in Kunst und Leben geschlossen worden. Der Versammlungsort war ein Gasthaus in der Nähe der Bäder des Diokletian. Jedes Mitglied erhielt einen Bentnamen unter allerlei absonderlichen Taufzeremonien. Nachdem die Zusammenkünfte schon geraume Zeit in wilde Bacchanalien ausgeartet waren, machte Papst Clemens XI. dem Verein 1720 durch strenges Verbot ein Ende.

Schilderblau, s. Zeugdruckerei.

Schildesche, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Minden, Landkreis Bielefeld, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein Rettungshaus, bedeutende Leinen-, Seiden- und Wollweberei, Garnspinnerei, Fabrikation von Nähmaschinen etc., Leinwand- und Schinkenhandel und (1885) 3749 Einw.

Schildeshaupt, in der Heraldik, s. Heroldsfiguren.

Schildfarn, s. Aspidium.

Schildfisch, s. Schiffshalter.

Schildflechte, s. Parmelia.

Schildgroschen (Landsberger), sächsische Groschen von achtlötigem Silber mit Schild und meißnischem Löwen auf dem Revers, im 15. Jahrh. von den Markgrafen von Meißen geprägt, = 1/92 Mk.

Schildhalter (früher auch Wappenknechte genannt), hinter, neben oder unter dem Schild befindliche Menschen- und Tiergestalten, die auf einem Boden, Zweigen, Konsolen u. dgl. zu stehen pflegen. Die S., welche schon im 13. Jahrh. vorkommen, waren ursprünglich nicht erblich; jeder einzelne konnte sie nach Willkür annehmen. Dies ist im Grund auch heute noch der Fall, obgleich man seit Mitte des 17. Jahrh. begonnen hat, sie diplommäßig und erblich zu verleihen. Auch eine Reihe landesherrlicher Wappen haben bestimmte S., die durch Verordnungen ein für allemal festgesetzt sind. S. Tafel "Wappen I".

Schildhuhn, s. v. w. Birkhuhn.

Schildigel, s. Echinoideen.

Schildklee, s. v. w. Esparsette, s. Onobrychis.

Schildknappe, s. Knappe.

Schildknorpel, s. Kehlkopf.

Schildkrebse (Thoracostraca), sehr formenreiche Ordnung der höhern Krebse (Malacostraca), ausgezeichnet durch den Besitz eines Panzers, der sich auf dem Rücken als sogen. Rückenschild befindet und den Kopf mit allen oder wenigstens den vordern Brustringen zum sogen. Cephalothorax (s. d.) verbindet. Der Körper besteht aus 20 Ringen, von denen 6 auf den Kopf, 7 auf die Brust (Thorax) und 7 auf den