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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Schirmvogt - Schkeuditz.

Schirmvogt, s. v. w. Schutzherr, Kirchenvogt (s. d.).

Schirongolen, ein von Potanin beschriebener mongolischer Volksstamm im Huanghothal bei Santschuan, welcher eine Mischsprache aus Mongolisch, Chinesisch und Tungusisch spricht. Die Männer tragen sich wie die Chinesen, die Frauen haben eine seltsame, ihnen eigentümliche Tracht. Die S. treiben hauptsächlich Acker- und Gartenbau und schicken ihre Kinder vielfach in buddhistische Klöster, wodurch eine Klasse von buddhistischen Lamas unter ihnen entstanden ist.

Schirren, Karl Christian Gerhard, Historiker, geb. 20. Nov. 1826 zu Riga, studierte 1844-48 in Dorpat, habilitierte sich 1856 daselbst und ward 1858 Professor der Geschichte. Seit 1863 nahm er im "Dorpater Tageblatt" den Kampf für die deutschen Landesrechte gegen die Russifizierung auf, ward im Juni 1869 wegen seiner "Livländischen Antwort" (Leipz. 1869) von der russischen Regierung abgesetzt, siedelte nach Deutschland über und ward 1874 Professor in Kiel. Er schrieb: "Jordanes und Kassiodor" (1858); "Quellen zur Geschichte des Untergangs livländischer Selbständigkeit" (Reval 1861-81, 8 Bde.; "Neue Quellen", das. 1883-86, Bd. 1-3); "Die Rezesse der livländischen Landtage 1681-1711" (Dorp. 1865); "Die Kapitulationen der livländischen Ritter- und Landschaft" (das. 1865); "Beiträge zur Kritik älterer holsteinischer Geschichtsquellen" (Kiel 1876) u. a.

Schirrmacher, Friedrich Wilhelm, Geschichtschreiber, geb. 28. April 1824 zu Danzig, studierte in Berlin und Bonn Philosophie und Geschichte, war 1849-54 Hilfslehrer am Friedrichswerderschen Gymnasium zu Berlin, danach Professor der Geschichte an der Ritterakademie zu Liegnitz und wurde 1866 in gleicher Eigenschaft an die Universität Rostock berufen. Er schrieb: "Kaiser Friedrich II." (Götting. 1859-65, 4 Bde.), "Die letzten Hohenstaufen" (das. 1871), "Albert von Possemünster, genannt der Böhme" (Weim. 1871), "Die Entstehung des Kurfürstenkollegiums" (Berl. 1873), "Johann Albrecht I., Herzog von Mecklenburg" (Wism. 1885, 2 Tle.), "Geschichte von Spanien" (Gotha 1881 ff.) und gab heraus: "Urkundenbuch der Stadt Liegnitz" (Liegn. 1866), "Beiträge zur Geschichte Mecklenburgs, vornehmlich im 13. Jahrhundert" (Rost. 1872-75, 2 Bde.), "Briefe und Akten zur Geschichte des Religionsgesprächs zu Marburg 1529 und des Reichstags zu Augsburg 1530" (Gotha 1876).

Schirrmeister, die im Feldwebelsrang stehenden Unteroffiziere bei den Traindepots, die mit der Verwaltung des Materials beauftragt sind.

Schirting (engl. shirting, von shirt, Hemd), Hemdenzeug aus Baumwollgarn der Feinheitsnummern 12-60, mäßig dicht gewebt.

Schirwa, See im südöstlichen Afrika, zwischen 15 und 15° 35' nördl. Br., südöstlich vom Nyassasee, etwa 600 m ü. M. Der See, welcher 1859 von Livingstone entdeckt wurde, ist von Papyrusstauden umkränzt und von Nilpferden und Krokodilen bewohnt. Er ist besonders im westlichen Teil sehr seicht, sein Wasser schwach salzig; er enthält mehrere Inseln und empfängt von Süden her den Palombwe, kleinere Zuflüsse im SW., NW. und im O., wo Höhenzüge dicht an die Ufer herantreten. Im W. begrenzen die Tschikalaberge mit dem 2130 m hohen Zomba den See, im N. trennt ihn ein breiter, niedriger Höhenzug von den Quellsümpfen des Ludschende, der, wie O'Neills Reise 1883-84 nachgewiesen hat, nicht im S. seinen Ursprung nimmt und höchstens bei ausnahmsweise hohem Wasserstand durch die nördlichen Zuflüsse desselben mit ihm in Verbindung tritt.

Schirwan (das Albania der Alten), früher russ. Provinz in Kaukasien, gebildet aus den 1813 von den Persern zwischen dem Kaspischen Meer, dem Kur und den Ausläufern des Kaukasus abgetretenen Gebieten, jetzt Hauptbestandteil des Gouvernements Baku.

Schirwindt, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Gumbinnen, Kreis Pillkallen, am Einfluß des Flusses S. in die Scheschuppe, der polnischen Stadt Wladislawow gegenüber, hat eine gotische evang. Kirche, eine Reichsbanknebenstelle und (1885) 1298 Einw. S., die östlichste Stadt des Deutschen Reichs, ward 1724 von Friedrich Wilhelm I. gegründet.

Schischkow, Alexander Semenowitsch, russ. Admiral, geb. 1754, machte als Seeoffizier verschiedene Reisen, wurde 1812 Staatssekretär, verfaßte in dieser Stellung bis 1814 viele später von ihm gesammelte (Petersb. 1816), gut stilisierte und von einem hohen patriotischen Schwung beseelte Aufrufe, Manifeste, Ukase und Reskripte, ward 1816 Präsident der Akademie der russischen Sprache, 1820 Mitglied des Reichsrats und 1824 Minister des öffentlichen Unterrichts sowie Generaldirektor der geistlichen Angelegenheiten aller nichtgriechischen Konfessionen Rußlands; starb im April 1841. Seine zahlreichen Schriften über Seewesen und russische Sprache erschienen als "Gesammelte Werke" (Petersb. 1826-39, 17 Bde.), seine Memoiren und Briefwechsel wurden herausgegeben von Kisselew und Samarin (Berl. 1870, 2 Bde.).

Schisdra, Stadt, s. Shisdra.

Schisma (griech.), Trennung, besonders Kirchenspaltung, d. h. derjenige Zustand der katholischen Kirche, wo infolge der Wahl mehrerer Päpste die oberste Kirchengewalt getrennt und somit die Einheit der Kirche aufgehoben ist, z. B. das große S. von 1378-1417. Schismatiker, Anhänger einer durch ein S. hervorgerufenen Religionspartei. - In der Musik heißt S. der kleinste bei der mathematischen Tonbestimmung in Betracht kommende Wert, der des Intervalls c:his (= 32,805:32,768).

Schitomir, Stadt, s. Shitomir.

Schivelbein (Schiefelbein), Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Köslin, an der Rega und an der Linie Stargard in Pommern-Zoppot der Preußischen Staatsbahn, hat eine evang. Kirche, eine Synagoge, ein altes Schloß (vormals Residenz eines Johanniterkomturs), eine Landwirtschaftsschule, ein Amtsgericht, ein Hauptsteueramt, ein Warendepot der Reichsbank, Wollwarenfabrikation, Damastweberei, Dachpappefabrikation, Dampfmahl- und Schneidemühlen und (1885) 5784 meist evang. Einwohner.

Schiwa (hebr., "sieben"), Bezeichnung der nach der Beerdigung eintretenden sieben Trauertage bei den Israeliten.

Schizäaceen, Familie der Farne (s. d., S. 54).

Schizocarpia, Spaltfrüchte, s. Frucht, S. 755.

Schizomyceten (Spaltpilze), s. Pilze (I), S. 68.

Schizoneura, s. Blattläuse.

Schizophyten, s. Pilze (I), S. 68.

Schk., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für Franz v. Paula Schrank, geb. 1747 zu Barnbach in Bayern, gest. 1835 in München als Vorsteher des botanischen Gartens. Botanik und Zoologie.

Schkeuditz, Stadt im preuß. Regierungsbezirk und Kreis Merseburg, an der Elster und der Linie Leipzig Magdeburg-Wittenberge der Preußischen Staatsbahn, 130 m ü. M., hat ein Amtsgericht, eine Oberförsterei, Fabrikation von Malz, landwirtschaftlichen Maschinen, Drahtseilbahnen, Steinkohlenteerprodukten, Papierwaren, Röhrendampfkesseln, Holzzement, Seife, Wagen und (1885) 4592 meist evang. Einwohner. In