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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Schlankaffe - Schlechta-Wssehrd.

Schlankaffe (Semnopithecus Cuv.), Affengattung aus der Familie der Schmalnasen (Catarrhini) und der Unterfamilie der Hundsaffen, schlanke, leicht gebaute Affen mit langen Gliedmaßen und langem Schwanz, kleinem Kopf, nacktem Gesicht und verkürzter Schnauze. Der Vorderdaumen ist kurz, die übrigen Finger sind verlängert, die reichliche feine Behaarung verlängert sich oft am Kopf. Sie besitzen Gesäßschwielen, aber keine Backentaschen. Der Magen erinnert durch seine Einschnürungen an den der Beuteltiere. Die Schlankaffen bewohnen Südasien, Ceylon und die indischen Inseln, leben gesellig in Wäldern in der Nähe der Flüsse und der Dörfer und nähren sich von Pflanzenteilen aller Art. Der Hulman (Huneman, Mandi, Marbur, S. Entellus Wagn., s. Tafel "Affen II"), 60 cm lang, mit 97 cm langem Schwanz, gelblichweiß, an den nackten Stellen dunkelviolett, im Gesicht, an Händen und Füßen, soweit sie behaart sind, schwarz, über den Augen mit einem steifen, schwarzen Haarkamm, ist überall gemein in Niederindien, wird abgöttisch verehrt, geschützt und gepflegt, und seiner Unverschämtheit werden keine Schranken gesetzt. Er ist in der Jugend ein kluges, anziehendes Tier, wird aber im Alter stumpf, einsiedlerisch und tierischer. Der Budeng (S. maurus Desm.) ist mit dem Schwanz 1,5 m lang, ganz schwarz, mit eigentümlicher Haarmütze, bewohnt in Scharen die Wälder Javas, wird hier und da im halbwilden Zustand von den Eingebornen gehegt, aber auch des Felles wegen gejagt. In der Gefangenschaft zeigt sich der Budeng äußerst gutmütig, ernst und ruhig.

Schlankjungfer, s. Wasserjungfern.

Schlappermentstag, soldatische Bezeichnung für den 31. eines Monats, insofern es für diesen Tag keine Löhnung gibt.

Schlaraffe (ältere Formen Slûderaffe, Slûraffe, Schlauraffe, mit schludern, nachlässig arbeiten, zusammenhängend), gedankenloser Müßiggänger, ist ein seit dem 15. Jahrh., besonders in den Fastnachtspielen, häufig nachweisbares Schimpfwort. Im Anschluß hieran bezeichnet Schlaraffenland ein fingiertes Land lächerlicher Vollkommenheit, in welchem dem Menschen ohne jede geistige oder körperliche Anstrengung alle materiellen Güter und Genüsse zu teil werden. Das "Märchen vom Schlaraffenland", welches seine Analoga unter fast allen Nationen hat, ist nichts andres als eine Parodie auf die Vorstellung von den paradiesischen Zuständen der Urzeit. Den Beweis, daß die Volksphantasie in der That hier anknüpfte, liefern die Griechen. Dichter der altattischen Komödie (5. Jahrh. v. Chr.) geben eine ins Komische übertriebene Beschreibung von dem goldenen Zeitalter unter der Herrschaft des Kronos, die sich vielfach mit Zügen unsers Märchens berührt. Auch hier fließen Bäche von Milch, Honig und Wein, Suppenströme führen gleich die Löffel mit sich, die Fische kommen ins Haus und braten sich selbst, gebratene Vögel und Backwerk fliegen den Leuten in den Mund, auf den Bäumen wachsen Bratwürste etc.; sogar das "Tischchen, deck dich" fehlt nicht. Ähnliches erzählte man dann von dem Leben der Frommen nach dem Tod (vgl. Lukianos' Beschreibung der Insel der Seligen in den "Verae historiae". II, 11 ff.) oder von fernen Ländern, besonders von Indien. Im Mittelalter war das Märchen bei den romanischen Völkern bereits vollständig entwickelt und einem eigens dazu erfundenen fabelhaften Land zugewiesen, das lat. Cucania, ital. Cuccagna, franz. Coquaigne oder Cocagne etc. hieß, ein Name, der wahrscheinlich zum lat. coquere (kochen) zu stellen ist. Besungen wurde dieses Land seit dem 13. Jahrh. in französischen, italienischen, englischen und niederländischen Gedichten, auch in einer spanischen Romanze, welche das Märchen nach einer Isla de Jauja ("Goldinsel") verlegt. Über die mit dem Land Cuccagna in engem Zusammenhang stehende neapolitanische Fastnachtsbelustigung gleiches Namens s. Cocagna. Von Frankreich her scheint sich das Märchen in Deutschland eingebürgert zu haben, wo sich die ersten Spuren desselben kurz vor dem 16. Jahrh. finden, und während es seine Entstehung und bisherige Erhaltung nur der Freude am Komisch-Wunderbaren verdankte, gesellte sich hier die moralisierende Tendenz dazu, der Jugend zur Warnung und Ermahnung zu dienen. Allbekannt ist der Schwank vom "Schlauraffenland" von Hans Sachs, weniger ein andrer Schwank von ihm: "Der Sturm des vollen Bergs", dessen Handlung ebenfalls im Schlauraffenland spielt. Für die große Beliebtheit des Gegenstandes sprechen zahlreiche Gedichte auf fliegenden Blättern des 16. und 17. Jahrh. und Anspielungen bei verschiedenen Schriftstellern. Außer dem Namen Schlauraffenland kam seit Thomas Morus für die Faulenzerwelt der Name Utopia (s. d.) in Gebrauch. Eine humoristisch-allegorische "Tabula Utopiae oder Schlauraffenland" veröffentlichte gegen Ende des 17. Jahrh. der österreichische General Schrebelin, die zu ihrer Zeit als eine ausgezeichnete Satire gegolten haben soll; vermutlich ist es dieselbe, welche als komischer Anhang in den Homann-Hübnerschen Atlas aufgenommen worden ist. Vgl. Paul u. Braune, Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Litteratur, Bd. 5 (Halle 1878).

Schlauch, bei gewissen Haustieren, namentlich beim Pferd, s. v. w. Vorhaut.

Schlauche, in der Schweiz, s. v. w. Klamm (s. d.).

Schlauchfrucht (Utriculus), einsamige, dünnhäutige, quer aufspringende Frucht, z. B. die von Amarantus.

Schlawa (Slawe), Stadt im preuß. Regierungsbezirk Liegnitz, Kreis Freistadt, am See S., mit evangelischer und kath. Kirche und (1885) 803 Einw.

Schlawe, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Köslin, an der Wipper, Knotenpunkt der Linien Stargard i. Pomm.-Zoppot und Zollbrück-Rügenwalde der Preußischen Staatsbahn, hat eine evang. Kirche, ein Progymnasium, ein Amtsgericht, ein Warendepot der Reichsbank, Eisengießerei, Bierbrauerei, eine große Mahlmühle und (1885) mit der Garnison (eine Eskadron Husaren Nr. 5) 5503 meist evang. Einwohner.

Schlechta-Wssehrd, Ottokar Maria, Freiherr von, Orientalist, geboren 20. Juli 1825 zu Wien, wirkte erst als Dragoman bei der österreichischen Gesandtschaft in Konstantinopel, ward dann Legationsrat und Direktor der orientalischen Akademie in Wien und bekleidete 1871-74 den Posten eines Generalkonsuls und politischen Agenten in Bukarest. Er lebt in Wien. S. hat sich besonders durch Herausgabe und Übersetzung persischer und türkischer Schriftsteller Verdienst erworben. Die hervorragendsten dieser Leistungen sind: "Der Fruchtgarten des Sadi" (Wien 1852); "Ibn Jermîns Bruchstücke" (a. d. Pers., das. 1852; 2. Aufl. 1879); "Der Frühlingsgarten von Mewlana Abd ur Râhman Dschami" (das. 1855) und "Das Buch vom Fechter von Firdewsi" (türk. u. deutsch, in der "Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft", Leipz. 1863); "Jussuf und Suleicha" von Firdusi (deutsch, Wien 1889). Sonst schrieb er: "Die osmanischen Geschichtschreiber der neuern Zeit" (Wien 1856); "Fuad Paschas Vater und dessen Tristia" (Leipz. 1863); "Feth Ali Schah und seine Thronrivalen"