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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schlechtd.; Schlechte; Schlechtendal; Schleg.; Schlegel

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Schlechtd. - Schlegel.

(Wien 1864); "Die Kämpfe zwischen Persien und Rußland in Transkaukasien seit 1804-13" (das. 1864); "Die Revolution in Konstantinopel in den Jahren 1807 und 1808" (das. 1882). Besondere Beachtung verdienen noch die in türkischer Sprache von ihm verfaßte "Darstellung des europäischen Völkerrechts" (Wien 1847, 2 Bde.) und "Manuel terminologique français-ottoman" (das. 1870).

Schlechtd., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für D. F. L. v. Schlechtendal (s. d.).

Schlechte, erzleere Gesteinsklüfte; Schmerschlechte, mit schlüpfrigem Letten erfüllte Klüfte.

Schlechtendal, Dietrich Franz Leonhard von, Botaniker, geb. 27. Nov. 1794 zu Xanten, kam mit seinen Eltern 1798 nach Berlin, studierte daselbst, ward 1819 Kustos des königlichen Herbariums, 1828 Professor der Botanik und 1833 Direktor des botanischen Gartens zu Halle, wo er 12. Okt. 1866 starb. Er schrieb: "Animadversiones botanicae in Ranunculaceas" (Berl. 1819-20); "Adumbrationes plantarum" (das. 1825-32, enthält Filices capenses); "Flora Berolinensis" (das. 1823-24); "Hortus Hallensis" (Halle 1841); "Flora von Deutschland" (mit Langethal u. Schenk, Jena 1841-64, mit 2400 Tafeln; 5. Aufl. von Hallier, Gera 1880-87). Auch bearbeitete er die Eläagneen für De Candolles "Prodromus". Außerdem war er Herausgeber der "Linnäa" (Halle, seit 1826) und mit H. v. Mohl der "Botanischen Zeitung" (Berl. u. Leipz., seit 1843).

Schleg., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für Herm. Schlegel, geb. 1804 zu Altenburg, gest. 1884 als Konservator des zoologischen Museums in Leiden (Zoolog).

Schlegel, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Breslau, Kreis Neurode, in einem tiefen Thal des Neuroder Gebirges, hat eine kath. Kirche, ein Krankenhaus, Steinkohlenbergbau, Glasfabrikation, Sandsteinbrüche und Steinhauerei, Weberei, eine Lumpensortieranstalt, Bierbrauerei und (1885) 3593 meist kath. Einwohner.

Schlegel, 1) Johann Elias, Dichter, geb. 28. Jan. 1718 zu Meißen, besuchte die Klosterschule Pforta, studierte sodann in Leipzig die Rechte, wurde hier mit Gottsched bekannt und schrieb die Tragödie "Hermann" sowie ein episches Gedicht: "Heinrich der Löwe". 1743 ging er als Privatsekretär des sächsischen Gesandten nach Kopenhagen, wurde später Professor an der neugegründeten Ritterakademie zu Sorö und starb 13. Aug. 1749 daselbst. Seine Lustspiele: "Der Triumph der guten Frauen" und "Stumme Schönheit" erwarben ihm das Lob Mendelssohns und Lessings; in allen seinen dramatischen Versuchen war ein noch unentwickelter Keim zu wirklich dramatischer Gestaltung vorhanden. Höher noch als seine Dichtungen stand seine Einsicht in das Wesen des Dramas; er war der erste, welcher auf Shakespeare wieder im Sinn aufrichtiger Verehrung hinzudeuten wagte. Seine Werke erschienen in 5 Bänden (Leipz. 1761-1770), seine "Ästhetischen und dramaturgischen Schriften" in neuer Ausgabe von Antoniewicz (Heilbr. 1887). Vgl. Wolff, Joh. Elias S. (Kiel 1889).

2) Johann Adolf, Dichter und Kanzelredner, Bruder des vorigen, geb. 17. Sept. 1721 zu Meißen, studierte in Leipzig, wurde 1751 Diakonus und Lehrer zu Pforta, 1754 Pastor und Professor zu Zerbst und 1759 Pastor, 1775 auch Konsistorialrat und Superintendent in Hannover, wo er 16. Sept. 1793 starb. Er war ein mehr thätiger als glücklicher Mitarbeiter an den "Bremischen Beiträgen". Von seinen Gedichten erhielten sich nur einige geistliche Lieder. Er veröffentlichte auch eine Erläuterung von Batteux' "Einschränkung der schönen Künste auf Einen Grundsatz" (3. Aufl., Leipz. 1770, 2 Bde.).

3) Johann Heinrich, dän. Geschichtschreiber, Bruder der vorigen, geb. 1724 zu Meißen, studierte in Leipzig die Rechte und Geschichte, ward Sekretär in der Kanzlei zu Kopenhagen, dann königlicher Historiograph und Professor der Geschichte daselbst und starb hier 18. Okt. 1780. Er schrieb unter anderm eine "Geschichte der Könige von Dänemark aus dem oldenburgischen Stamm" (Kopenh. u. Leipz. 1777, 2 Bde.), übersetzte mehrere Stücke von Thomson und andern englischen Dramatikern und gab die Werke seines Bruders Johann Elias S. heraus.

4) Johan Friderich Wilhelm, dän. Jurist, Sohn des vorigen, geb. 4. Okt. 1765 zu Kopenhagen, studierte daselbst und wurde 1789 Adjunkt der juristischen Fakultät, 1800 ordentlicher Professor der Rechte, 1812 Konferenzrat. Er starb 19. Juli 1836 auf seinem Landsitz Söllerödgaard bei Kopenhagen. Von seinen zahlreichen Schriften, meist in dänischer Sprache, sind hervorzuheben: "Naturrecht" (Kopenh. 1798, 2 Bde.; 2. Aufl. 1805); "Staatsrecht des Königreichs Dänemark und der Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg" (deutsch von F. H. W. Sarauw, Schlesw. 1829); "Codex juris Islandorum antiquissimus, qui nominatur Grágás" (Kopenh. 1829, 2 Bde.).

5) August Wilhelm von, ausgezeichneter Kritiker, Sprachforscher und Dichter, Sohn von S. 2), geb. 8. Sept. 1767 zu Hannover, woselbst er das Gymnasium besuchte, begann 1786 in Göttingen das Studium der Theologie, wandte sich jedoch bald ausschließlich der Philologie und schriftstellerischen Thätigkeit zu. Als Mitglied des Heyneschen philologischen Seminars schrieb er 1787 eine lateinische Abhandlung über Homerische Geographie, im nächsten Jahr ein Register zu Heynes Ausgabe des Vergil; auch beteiligte er sich seit 1789 als Mitarbeiter an den "Göttinger gelehrten Anzeigen". Wesentlichen Einfluß auf ihn in ästhetischer Richtung gewannen Bürger, der ihm befreundet ward und in einem Sonett Schlegels Dichterberuf proklamierte, und Bouterwek, der ihm Vorliebe für romanische Poesie einflößte. Seit 1787 veröffentlichte S. im "Göttinger Musenalmanach" und in der "Akademie der schönen Redekünste" (beide damals von Bürger redigiert) einzelne Dichtungen. Nach beendigten akademischen Studien bekleidete er drei Jahre lang eine Hofmeisterstelle im Haus des Bankiers Muilman zu Amsterdam und ließ sich, nachdem er im Herbst 1795 nach Deutschland zurückgekehrt war, im folgenden Frühjahr in Jena nieder. Hier war er, zum Teil in Gemeinschaft mit seiner geistreichen (später von ihm geschiedenen) Frau, einer Tochter des Professors Michaelis in Göttingen (s. Schelling 2), als Dichter besonders für Schillers "Horen" und "Musenalmanach", als Kritiker für die jenaische "Allgemeine Litteraturzeitung" eifrig thätig; auch begann er damals durch Verdeutschung von Dichtungen Shakespeares, Calderons, Dantes, Guarinis, Cervantes', Camoens' u. a. seine eigenste Begabung und rasch erreichte Meisterschaft in der Kunst der poetischen Übertragung zu erweisen. Vom Herzog Karl August 1798 zum außerordentlichen Professor an der Universität Jena ernannt, gab er mit seinem Bruder Friedrich gemeinsam die Zeitschrift "Athenäum" heraus, blieb bis 1801 in Jena, ging dann nach Berlin und hielt dort Vorlesungen über schöne Litteratur und Kunst, die große Teilnahme fanden. Von 1804 an lebte er meist außerhalb Deutschlands