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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schleifen; Schleifenblume; Schleifer; Schleifkanne; Schleifleinen; Schleifmühle; Schleifsteine

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Schleifen - Schleifsteine.

oder Ziegelmehl entfernt. Über das S. des Glases s. Glas. S. 390. Zum S. von Holz, Glas und dergleichen plattenförmigen Körpern dient sehr vorteilhaft eine Schleifmaschine, diese besteht (s. Figur) aus einer rotierenden Scheibe a, die eine mit Sand bekleidete Kautschukplatte trägt und nach und nach über die ganze Fläche T hinweggeführt wird. Zu diesem Zweck befindet sich die Schleifscheibe an dem vordern Ende eines Arms b c, der sowohl bei o als bei u um vertikale Achsen drehbar, also wie ein Armgelenk konstruiert ist, um somit leicht nach allen Stellen des Tisches geführt werden zu können. Die sehr schnelle Drehung der Schleifscheibe erfolgt von der Riemenscheibe 1 aus durch die Transmissionen 2, 2, 3, 4.

^[Abb.: Sandschleifmaschine]

Schleifen, das Zerstören von Festungswerken, welches, abgesehen von Fällen des Aufgebens einer Festung als solcher, entweder infolge auferlegter Friedensbedingungen oder dann stattfinden kann, wenn man eine genommene feindliche Festung wieder verlassen muß. - In der Musik heißt s. aufeinander folgende Töne aneinander gezogen vortragen, ohne zwischen ihnen abzusetzen; das Zeichen dafür ist ein bogenförmiger Strich über den betreffenden Noten.

Schleifenblume, s. Iberis.

Schleifer (franz. Coulé), musikal. Verzierung, bestehend aus dem Vorschlag von zwei oder mehr Noten in Sekundfolge (in der Regel von unten nach oben), wird in kleinen Noten vorgeschrieben:

^[img]

S. wird auch der langsame Walzer (s. d.) genannt.

Schleifkanne, eine aus Holzdauben zusammengefügte Kanne mit Deckel und Henkel (Schleife) über der Öffnung, seit dem Mittelalter in Gebrauch.

Schleifleinen, Leinwand, welche mit einer dünnen Schicht Schmirgel-, Feuerstein-, Sand-, Glaspulver beklebt ist und zum Schleifen dient. Bei Anwendung eines zähen Papiers als Unterlage erhält man das Schleifpapier.

Schleifmühle, s. v. w. Schleifwerk.

Schleifsteine, Steine oder steinähnliche Massen, welche zum Schleifen (s. d.) benutzt werden. Man unterscheidet Wetz- oder Handsteine, größere oder kleinere Steinstücke von meist länglicher Form, oft an einer Seite zugespitzt, um damit in Vertiefungen der Arbeitsstücke gelangen zu können, und Drehsteine, runde, scheibenförmige, mäßig harte Steine von feinem, möglichst gleichförmigem Korn (Sandstein), welche bei der Arbeit mit Hilfe einer Achse und Kurbel gedreht werden. In der Regel benutzt man zum Schleifstein die cylindrische Stirn des Steins, doch werden ebene Flächen auch auf einer der geraden Seitenflächen geschliffen. Je schneller der Stein rotiert, umso mehr wird die Arbeit beschleunigt. Die Umfangsgeschwindigkeit wechselt zwischen 3-12 m in einer Sekunde, erreicht bei den Schleifsteinen für Nähnadeln 30 m. Hier entsteht Gefahr durch die Wirkung der Zentrifugalkraft, gegen die man sich durch Anbringung eines Mantels über der obern Steinhälfte schützt, während die untere sich in einem Trog befindet. Beim Schleifen wird der Stein gewöhnlich naß gehalten, und zwar füllt man entweder Wasser in den Trog, oder man läßt von oben durch eine Röhre Wasser auf ihn fließen. Ein trockner Stein arbeitet zwar schneller als ein nasser, aber er erzeugt gröbere Risse, nutzt sich schneller ab und erzeugt so große Hitze, daß z. B. gehärteter Stahl beim Trockenschleifen weich wird. Die feinen abgeriebenen Teilchen (Schliff) sind für die Gesundheit der Arbeiter sehr gefährlich, und man umgibt deshalb auch aus diesem Grunde die S. mit einem nur an einer Stelle offenen Gehäuse und läßt mittels eines Ventilators durch jene Öffnung einen Luftstrom durchsaugen. Beim Gebrauch werden die Steine unrund und müssen dann durch Behauen mit einem Meißel oder wieder dadurch abgerundet werden, daß man einen spitzen Meißel unbeweglich gegen den in Bewegung befindlichen Umkreis hält. Auch eine mit harten Spitzen besetzte rotierende Walze wird zum Abrichten angewendet. Am sichersten erzielt man eine bleibende Rundung, wenn man zwei Steine gegeneinander dreht. Die Drehsteine erhalten Größen von 15-150 cm im Durchmesser, mitunter auch besondere Formen, z. B. konkave Oberflächen zum Anschleifen der Nadeln (s. d.), und sodann vielfach Nebenteile zum Festhalten der Arbeitsstücke, zum Drehen cylindrischer Stücke um ihre Achse etc. Die Sandsteine kommen aus Sachsen, Böhmen, Thüringen, Bayern, Württemberg etc., Wetzsteine aus Steiermark, Krain, Böhmen, Unterammergau. Die letztern bestehen meist aus grauem Thonschiefer, auch aus Kieselschiefer und werden zum trocknen Schärfen von Sensen, Sicheln etc. benutzt. Wetzsteine zum nassen Abziehen feinerer Schneidwerkzeuge mit Wasser oder Öl (Wetzschalen, Streichschalen) bestehen aus Wetzschiefer (Thüringen, Harz, Sachsen), aus graubraunem, von Kieselsäure durchdrungenem Dolomit (levantische Ölsteine) oder aus einer Art Chalcedon (Arkansasschalen, Kansassteine). Künstliche S. erhält man z. B. durch anhaltendes starkes Brennen von feuerfestem Thon, oder man zerstößt Abfälle von feinkörnigem harten Thonsandstein zu Pulver, knetet dies mit dünnem Thonschlamm zu einem Teig, preßt die Masse in Formen und brennt sie im Scharffeuer des Steingutofens. Auch 4 Teile Raseneisensteinpulver, 2 Teile Sandsteinpulver und 1 Teil Thon geben bei ähnlicher Behandlung einen guten Stein. Den besten aber erhält man durch Erhitzen eines Gemenges von Schellack und scharfkörnigem Quarzsand oder Schmirgel bis zum Schmelzen des erstern. Die Menge des