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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schmalkaldischer Krieg; Schmallenberg; Schmalnasen; Schmalreh; Schmalspießer; Schmalte; Schmaltekraut; Schmaltier; Schmalz; Schmalzöl

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Schmalkaldischer Krieg - Schmalzöl.

gemeinsame Politik und hielten im Februar 1537 eine Bundesversammlung zu Schmalkalden, auf der die Schmalkaldischen Artikel (s. d.) verfaßt wurden. Ihre Weigerung, das Trienter Konzil zu beschicken, führte 1546 den Schmalkaldischen Krieg herbei, der, von den Verbündeten in Süddeutschland lau geführt, infolge des Verrats des Herzogs Moritz von Sachsen mit der Auflösung des an der Donau aufgestellten Heers der Schmalkaldener (Dezember 1546), der Unterwerfung erst der süddeutschen Verbündeten und, nach dem Sieg der Kaiserlichen bei Mühlberg (24. April 1547), mit der Gefangennahme des Kurfürsten von Sachsen und des Landgrafen von Hessen und der Auflösung des Bundes endete. Herzog Moritz erhielt zum Lohn die sächsische Kur und den größten Teil des Ernestinischen Sachsen. Durch das Augsburger Interim suchte darauf Karl V. den kirchlichen Wirren in Deutschland ein Ende zu machen. Der Abfall des Kurfürsten Moritz 1552 brachte aber den Kaiser um alle Früchte des Siegs und rettete im Passauer Vertrag den Protestantismus. Vgl. G. Voigt, Die Geschichtschreibung über den Schmalkaldischen Krieg (Leipz. 1874); Maurenbrecher, Karl V. und die deutschen Protestanten (Düsseld. 1865).

Schmalkaldischer Krieg, s. Schmalkaldischer Bund.

Schmallenberg, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Arnsberg, Kreis Meschede, an der Lenne und der Linie Altenhundem-S. der Preußischen Staatsbahn, 407 m ü. M., hat Eisenwarenfabrikation, Wollspinnerei, Jackenweberei, Strumpfstrickerei und (1885) 1524 meist kath. Einwohner.

Schmalnasen (Catarrhini), s. Affen, S. 141.

Schmalreh, s. Schmaltier.

Schmalspießer, s. Geweih, S. 284 u. 286.

Schmalte (Smalte, Kobaltglas, blaue Farbe, Blaufarbenglas, Kobaltblau), ein intensiv blaues, wesentlich aus kieselsaurem Kali und kieselsaurem Kobaltoxydul bestehendes Glas, welches gemahlen in den Handel kommt und als blaue Farbe benutzt wird. Man bereitet die S. in den Blaufarbenwerken, indem man schwefel- und arsenhaltige Kobalterze (Speiskobalt, Glanzkobalt) röstet, um das Kobalt möglichst in Oxydul überzuführen, ohne die Schwefel- und Arsenverbindungen der übrigen in den Erzen enthaltenen Metalle (Nickel, Eisen, Kupfer, Wismut, Silber etc.) zu zersetzen. Die gerösteten Erze schmelzt man mit Pottasche und Quarzpulver in Tiegeln oder in einem Flammofen mit geneigter Sohle, wobei jene Schwefelverbindungen sich als Speise abscheiden und ein Glas entsteht, welches in kaltes Wasser abgeschöpft wird. Das abgeschreckte Glas wird auf Walz- oder Stampfwerken zerkleinert, dann gemahlen und geschlämmt, wobei man mehrere Sorten von verschiedener Feinheit herstellt. Streublau (Streusand, Blau, B) ist gröberes, eckiges, Kouleur (C) mittelfeines und Eschel (E) das feinste Pulver. Die Zeichen H (hoch) und B (böhmisch) bezeichnen bei Streublau und Kouleur feineres Korn. Die Intensität der Farbe wächst mit dem Kobaltgehalt, und von der Reinheit der Erze hängt die Reinheit der Nüance ab. F, M, O (fein, mittel, ordinär) bezeichnen den relativen Kobaltgehalt. Die kobaltreichste S. heißt Königsblau (Kaiserblau), die dunkelste Azurblau. Die S. bildet ein mehr oder weniger rein himmelblaues Pulver, ist sehr beständig, widersteht der Kalilauge, wird aber durch Säuren zersetzt und gibt beim Schlämmen kohlensaures und kieselsaures (auch arsensaures) Kali an das Wasser ab. Sie ist infolge des Gehalts an diesen Salzen etwas hygroskopisch und ballt sich; auch erhält sie dadurch eine sattere Farbe und die Fähigkeit, länger in Wasser suspendiert zu bleiben. Die S. eignet sich besonders zur Wassermalerei auf Mauerwerk; sie wird auch in der Porzellanmanufaktur und in der Töpferei benutzt, ist dagegen als Farbstoff für Papier und Wäsche durch das Ultramarin fast vollständig verdrängt worden. Durch Kobaltblau gefärbte Gläser wurden schon von den alten Ägyptern dargestellt. Eine bewußte Verwendung der Kobalterze zum Blaufärben von Glas datiert indes wohl erst aus dem 16. Jahrh. und soll von Schürer zuerst ausgeführt worden sein. 1571 gründete Preußler das erste Blaufarbenwerk zwischen Platten und Eibenstock, auf welchem Kobaltglas zu S. vermahlen wurde. Seitdem erhielt sich die S. im allgemeinen Gebrauch, bis um die Mitte dieses Jahrhunderts das Ultramarin mehr und mehr Eingang fand. Auch s. v. w. Schmelz und Email (s. d.).

Schmalte, grüne, durch Chromoxyd intensiv gefärbtes, nach Art der Schmalte bereitetes Glas, welches gepulvert als Farbe benutzt wird.

Schmaltekraut, s. Clitoria.

Schmaltier, ein noch unbeschlagenes weibliches Stück Rot-, Dam- oder Elchwild vom Januar bis zur nächsten Brunft; in einigen Gegenden werden die Kälber schon vom November ab als Schmaltiere angesprochen. Beim Rehwild werden sie Schmalrehe genannt.

Schmalz, weiches Tierfett, besonders von Schweinen. Das Schweineschmalz wird im großen namentlich im Mississippithal, in Ungarn und Serbien gewonnen. In Nordamerika konzentriert sich die Schweineschlächterei in Cincinnati und Chicago, und man verarbeitet dort einen großen Teil der geschlachteten Schweine bis auf die Schinken nur auf Fett, indem man alle übrigen Teile auspreßt, das abfließende Fett aber läutert und bleicht. Das amerikanische S. stammt also nicht, wie das bei uns gewonnene, nur aus dem Nierenfett und ist daher weicher, oleinreicher, worauf indes auch die Art der Mästung Einfluß ausübt. Sehr viel S. wird auch in Nordamerika durch Pressen in einen flüssigen Teil (Specköl, Schmalzöl, Lard-oil) und in starres Fett (Solarstearin) geteilt, und man benutzt das Öl als Schmiermittel, Brennöl, zum Verfälschen des Olivenöls etc., das Stearin aber zu Kerzen. Ungarisches S. wird für Küchenzwecke dem amerikanischen vorgezogen. S. auch s. v. w. Schmelzbutter (Butter, S. 697).

Schmalz, Pflanze, s. Camelina.

Schmalz, Theodor Anton Heinrich, Schriftsteller im Gebiet der Rechts- und Staatswissenschaft, geb. 17. Febr. 1760 zu Hannover, studierte in Göttingen erst Theologie, dann Jurisprudenz, wurde 1787 Professor der Rechte zu Rinteln, 1789 zu Königsberg, 1803 zu Halle, kam 1809 in den Oberappellationssenat des Kammergerichts in Berlin und wurde bei der Stiftung der Universität daselbst 1810 zum Ordinarius der Juristenfakultät und ersten Rektor ernannt. Er starb hier 20. Mai 1831. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Das Recht der Natur" (Königsb. 1795, 3 Bde.; neu bearbeitet von Jarcke u. d. T.: "Die Wissenschaft des natürlichen Rechts", Leipz. 1831); "Encyklopädie der Kameralwissenschaften" (Königsb. 1797, 2. Aufl. 1819); "Handbuch des kanonischen Rechts" (Berl. 1815, 3. Aufl. 1834); "Das europäische Völkerrecht" (das. 1817); "Lehrbuch des deutschen Privatrechts" (das. 1818); "Das deutsche Staatsrecht" (das. 1825, 2 Bde.).

Schmalzöl, s. Rüböl, Schmalz, Schmiermittel.