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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schmant; Schmarda; Schmarotzen; Schmarotzer

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Schmant - Schmarotzer.

Schmant (tschech. smetana), im nordöstlichen Deutschland s. v. w. Milchrahm.

Schmarda, 1) Ludwig Karl, Zoolog, geb. 23. Aug. 1819 zu Olmütz, studierte seit 1835 in Wien Philosophie und seit 1837 daselbst Medizin und Naturwissenschaften, ward 1843 Assistent des Lehrers der Naturgeschichte an der Josephsakademie in Wien, 1847 Lehrer der Naturgeschichte und Geographie an der landwirtschaftlichen Realschule in Graz, 1850 Professor der Naturgeschichte an der Universität daselbst, wo er das zoologische Museum gründete, und 1852 Professor der Zoologie in Prag. 1853 trat er mit Franz v. Fridau eine naturwissenschaftliche Reise um die Welt an und ging über Griechenland, Ägypten, Arabien nach Ceylon, dann nach dem Kap der Guten Hoffnung, nach Australien, Chile, Panama, Westindien, Peru, den Vereinigten Staaten, Kanada und Cuba. 1857 kehrte er in die Heimat zurück und privatisierte nun, inzwischen wegen seiner Beteiligung an den Ereignissen von 1848 seiner Professur enthoben, auf den Besitzungen des Ritters v. Fridau in Steiermark, in Paris und Berlin, bis er 1862 die Professur der Zoologie in Wien erhielt. 1863-65 untersuchte er die Fischereiverhältnisse an den österreichischen und 1868 an den französischen Küsten. Er trat 1883 in Ruhestand. Seine wissenschaftlichen Arbeiten waren vorzugsweise den wirbellosen Tieren und der Zoogeographie gewidmet. Er schrieb: "Zur Naturgeschichte der Infusorien" (Wien 1846); "Aus dem Seelenleben der Tiere" (das. 1846); "Grundzüge der Zoologie" (das. 1853); "Zur Naturgeschichte der Adria" (das. 1852); "Zur Naturgeschichte Ägyptens" (das. 1854); "Die geographische Verbreitung der Tiere" (das. 1853, 3 Bde.); "Neue wirbellose Tiere" (Leipz. 1859-61); "Reise um die Erde" (Braunschw. 1861, 3 Bde.); "Zoologie" (Wien 1871-1872, 2 Bde.; 2. Aufl. 1877).

2) Karl Johann, Mathematiker und Ingenieur, Bruder des vorigen, geb. 13. Juli 1826 zu Olmütz, studierte an der dortigen Akademie Mathematik und Ingenieurwissenschaften, wurde 1848 Artillerieleutnant und 1850 zugleich Professor der Mathematik an der Militärakademie zu Wiener-Neustadt, 1866 Mitglied, 1880 Präsident des Artilleriekomitees zu Wien, 1885 pensioniert. Er schrieb: "Lehrbuch der Trigonometrie" (Wien 1855); "Anleitung zur Feldbefestigungskunst" (mit Möderler, das. 1856, 2 Bde.); "Lehrbuch der praktischen Geometrie" (4. Aufl., das. 1880); "Über die geometrischen Vorbedingungen der treffsichern Fernwirkung" (Prag 1862); "Batteriebau beim Angriff und bei der Verteidigung fester Plätze" (Wien 1874); "Feldbatteriebau" (2. Aufl., das. 1875).

Schmarotzen (schmarutzen), einen andern benutzend, auf dessen Kosten in Speise und Trank frei ausgehen; auch im übertragenen Sinn gebraucht.

Schmarotzer (Parasiten), Organismen, welche sich auf Kosten eines andern Organismus ernähren, indem sie sich freiwillig an oder in dessen Organen zeitweilig oder für immer aufhalten. Nach dieser Definition ist im allgemeinen der S. bedeutend kleiner als sein Wirt, doch läßt sich schon mit Rücksicht hierauf keine scharfe Grenze zwischen Freilebenden und Parasiten ziehen, zumal viele Tiere wie auch Pflanzen nur in der Jugend oder nur im Alter dem Schmarotzertum huldigen, die übrige Zeit ihres Lebens jedoch sich selbständig ernähren, andre auch wohl in regelmäßiger Weise den Wirt mit einem andern vertauschen, bei noch andern nur das eine Geschlecht schmarotzt etc. Man unterscheidet meist folgende Abstufungen des Parasitismus: echte Parasiten, welche sich ganz von andern Tieren ernähren, Kommensalen (Tischgenossen, Mitesser), welche von der Nahrung andrer mit genießen, und Mutualisten, welche gegenseitig aufeinander angewiesen sind. - Im Tierreich äußert sich der Kommensalismus und Mutualismus in sehr verschiedener Weise, am wenigsten jedenfalls noch, wenn der sogen. S. den Wirt lediglich als Wohnung zu benutzen scheint, wie z. B. der Schlangenaal (Fierasfer), der sich im Leib einer Seegurke aufhält, aber von Krebsen lebt und auch meist den Kopf aus der hintern Öffnung seiner lebenden Behausung herausstreckt. Andre Fische finden sich konstant in oder am Körper von Seerosen und Quallen und mögen wohl nur ihren Schutz genießen. Sehr viele Kommensalisten finden sich unter Krebsen und Würmern, von denen ein großer Teil zum Leben der beständigen Hilfe andrer Tiere bedarf. Der Einsiedlerkrebs lebt in verlassenen Schneckengehäusen, welche neben ihm gewöhnlich noch ein Ringelwurm bewohnt, während eine Seerose außerhalb auf dem Gehäuse sitzt und in naher Beziehung zu dem Krebse steht, der sie vielleicht sogar füttert, jedenfalls aber, wenn er ein andres Schneckengehäuse aufsucht, mit auf dieses überträgt. Die Seerose ihrerseits verhindert bei der Gefährlichkeit ihrer Nesselorgane die Annäherung vieler dem Krebs nachstellender Tiere, so daß hier die gegenseitige Abhängigkeit deutlich hervortritt. Manche Insekten, die auf Säugetieren und Vögeln wohnen und sich von deren normal abgefallenen Hautschuppen nähren, lassen sich gleichfalls, insofern ihre Anwesenheit dem Wirt von Nutzen ist, zu den Mutualisten rechnen; dasselbe gilt von gewissen Milben, die auf echte Schmarotzermilben Jagd machen und so die Haut der Säugetiere und Vögel von diesen lästigen Parasiten befreien (sogen. Hilfsparasiten). Echte Parasiten sind besonders zahlreich unter den Würmern vertreten und wohl bei den meisten höhern und vielen niedern Tieren zu finden. So beherbergt allein der Mensch häufig verschiedene Bandwürmer im Darm, Distomen in der Leber, im Darm und Blut, Nematoden in den Verdauungswegen oder im Blut, einige junge Bandwürmer im Augapfel, in den Gehirnventrikeln, dem Herzen und Bindegewebe; ferner aber leben von seinem Blut Läuse, Flöhe und Wanzen, zuweilen Zecken. Diese echten S. nähren sich von den Bestandteilen des lebenden Körpers und erzeugen häufig genug Krankheiten, selbst den Tod. Meist sind sie an bestimmte Teile des Wirtskörpers oder wenigstens an bestimmte Wirte gebunden. Auch auf oder in Schmarotzern hausen manchmal andre S. Viele S. erreichen nicht in einem und demselben Wirt oder wenigstens nicht in demselben Organ ihre volle Entwickelung; sie sind dann zu Wanderungen gezwungen oder gelangen passiv in einen andern Wirt, indem dieser z. B. das Tier frißt, welches den S. im Jugendzustand enthält, der sich nun in den Verdauungswegen des neuen Wirtes zur Geschlechtsreife entwickelt. Man unterscheidet übrigens nach dem Aufenthalt in oder auf dem Wirtstier Ento-, resp. Ektoparasiten (Binnen-, resp. Außenschmarotzer). Zu den in jedem Alter freien Schmarotzern gehören die Blutegel, Mücken, Fliegen, Flöhe, Läuse, Wanzen, Milben etc.; sie siedeln sich niemals auf dem andern Tier an, nähren sich zwar von dessen Blut, nehmen ihm aber nie das Leben (Halbparasiten). Andre S. sind nur in der Jugend frei, siedeln sich bei erlangter Reife in einem andern Tier an und erleiden dann oft eine sehr beträchtliche Wandlung der Gestalt. Auch schmarotzt wohl das Männchen in oder auf dem (mitunter selbst schon parasitischen)