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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Schnee, roter - Schneebruch.

über liegen, ohne zu schmelzen. Die Schneedecke der Gebirge steigt im Winter gegen die Niederungen herab und zieht sich im Sommer wieder gegen die Gipfel der Gebirge zurück. Jene Höhengrenze, bis zu welcher sich der S. der Gebirge im Sommer zurückzieht, bezeichnet man als Schneegrenze oder Schneelinie, auch die Grenze des ewigen (besser fortdauernden) Schnees genannt. Sie ist von zwei klimatischen Faktoren abhängig: von der Sommerwärme und von der Mächtigkeit der winterlichen Schneemengen. Die Schneelinie fällt deshalb keineswegs mit der Jahresisotherme von 0° zusammen, sondern liegt bald über, bald unter dieser Jahresisotherme, je nach dem Verhältnis der Sommerwärme zu der Menge des im Winter gefallenen Schnees. Die mittlere Jahrestemperatur an der Schneelinie sinkt um so tiefer unter den Gefrierpunkt des Wassers, je kontinentaler das Klima (s. d.) und je geringer die Schneemenge des Winters ist. Deshalb ist auch die jahreszeitliche Wanderung der untersten Schneegrenze in jenen Gegenden am größten, wo der Unterschied zwischen Sommerhitze und Winterkälte am größten ist, also im kontinentalen Klima; sie ist im Küstenklima kleiner und sehr klein unter dem Äquator, wo namentlich in den Höhen der Schneegrenze fast kein Wärmewechsel der Jahreszeiten mehr besteht. Nachstehende Zahlenangaben geben eine Übersicht der Höhengrenze der Linie des "ewigen Schnees" unter verschiedenen Breitengraden und verschiedenen klimatischen Verhältnissen:

Orte Geographische Breite Höhe der Schneegrenze in Metern

Nordgrönland 75° Nord 715

Island (Österjökul) 65 " 936

Norwegen: Inneres 70 " 1021

" Küste 70 " 884

" Inneres 60 " 1680

" Küste 60 " 1360

Alpen: West- und Mittelalpen 45-47 " 2700

" Ostalpen 45-47 " 2800

Kaukasus: Elbrus 43 " 3372

" Kasbek 43 " 3235

Himalaja: Südabhang 27 " 3956

" Nordabhang 30½ " 5067

Karakorum: Tibet 28-36 " 5820

Südamerika: Andes unter d. Äquator 0 4820

Kilima Ndscharo (Afrika) 3° Süd 5000

Südamerika: Andes von Bolivia (Ostseite) 16 " 4850

" do. do. (Westseite) 16 " 5620

" Andes von Chile 33 " 4500

" Andes von Patagonien 42 " 1830

Magelhaensstraße 53½ " 1100

Aus der Vergleichung dieser Zahlenwerte ersieht man den Einfluß eines feuchten, gleichmäßigen Klimas auf das Herabdrücken der Schneegrenze und das Zurückweichen derselben in größere Höhen im trocknen, extremen Klima. So liegt z. B. in Norwegen die Schneelinie in gleichen Breiten an der Küste tiefer als im Innern, ebenso an der feuchten indischen Seite des Himalaja tiefer als auf dem nördlichen Abhang, der ein mehr kontinentales Klima besitzt, und dessen Temperaturverhältnisse durch die Hochebenen Mittelasiens stark beeinflußt werden. Am höchsten liegt sie in den trocknen Hochebenen Tibets auf dem Karakorum. In dem regenreichen Patagonien reicht in der Breite von Rom (42°) die Schneegrenze bis zu 1830 m, und in der Magelhaensstraße, unter der Breite von Berlin, liegt die Schneelinie nur wenig höher als in Norwegen unter 70°. Vgl. Fischer, Die Äquatorialgrenze des Schneefalls (Leipz. 1888).

Schnee, roter, s. Blutschnee und Protococcus.

Schneeaar, s. Bussarde.

Schneealge, s. Protococcus.

Schneeamsel, s. Drossel, S. 157.

Schneeballstrauch, Pflanzengattung, s. Viburnum.

Schneebeere, Pflanzengattung, s. Chiococca und Symphoricarpus.

Schneeberg, 1) höchster Gipfel der niederösterreich. Alpen, 2075 m hoch, von der Raxalpe durch das wildromantische, von der Schwarza durchflossene Höllenthal getrennt, nordöstlich gegen das Buchberger Thal schroff abfallend, wegen seiner ausgezeichneten Fernsicht namentlich von Wienern stark besucht, mit Alpengasthaus. Von seinen Abhängen nimmt die Wiener Hochquellenleitung ihren Ausgangspunkt (Kaiserbrunnen im Höllenthal). Vgl. Leeder, Der S. (Wien 1883). - 2) (Krainer S.) Aussichtsreicher Berggipfel im nördlichen Karst, 1796 m hoch. - 3) (Spieglitzer S.) Berggipfel der Sudeten, höchster Punkt des Glatzer Schneegebirges, 1417 m hoch. - 4) Höchster Punkt des Fichtelgebirges, 1063 m hoch. - 5) Höchster Gipfel der Sächsischen Schweiz, auf dem linken Elbufer, 724 m hoch, mit Aussichtsturm.

Schneeberg, Stadt in der sächs. Kreishauptmannschaft Zwickau, Amtshauptmannschaft Schwarzenberg, durch den Schlemaer Bach von der Bergstadt Neustädtel geschieden und an der Linie Niederschlema-S. der Sächsischen Staatsbahn, 473 m ü. M., hat eine schöne, 1516-40 erbaute Hauptkirche mit einem Altargemälde von Lukas Cranach, ein Gymnasium, eine Realschule zweiter Ordnung, ein Schullehrerseminar, eine Handelsschule, eine Klöppel- u. eine Zeichenschule, ein Waisenhaus, ein Rettungshaus für verwahrloste Kinder, ein Amtsgericht, bedeutende Puppenfabrikation mit starkem Export, Mineralfarben-, Buntpapier-, Blonden-, Tüll- und Spitzenfabrikation, Maschinenstickerei, Fabrikation chemischer Produkte, wichtigen Bergbau auf Silber (1471 entdeckt), Zinn, Eisen und Kobalt und (1885) 7949 meist evang. Einwohner. In der Nähe der große Filzteich, welcher 1783 seine Dämme durchbrach und mehrere Ortschaften und Bergwerke bedeutend beschädigte, ferner der 16 km lange, teilweise in Felsen gesprengte Flößgraben, der tiefe Fürstenstollen und der Marx-Semler-Stollen, welche die meisten Gruben der Umgegend lösen. Die Stadt verdankt ihre Existenz dem Bergbau; 6. Febr. 1471 wurde die Zeche St. Georg erschürft, und bereits 1481 erhielt S. Stadtgerechtigkeit. Vgl. Lehmann, Chronik von S. (Schneeb. 1837-40, 3 Bde.).

Schneeberger Schnupftabak wird aus verschiedenen fein geriebenen aromatischen Kräutern und Blüten (grüner besonders aus Angelica Archangelica, weißer aus Convallaria majalis) bereitet.

Schneeblindheit, s. Schnee, S. 575.

Schneebruch (Schneedruck), die Beschädigungen, welche an Bäumen durch die Schwere sehr großer Schneemassen verursacht werden. Durch S. werden die Bäume am Schaft, im Wipfel, an den Ästen oder Zweigen einzeln oder in Horsten und größern Massen gebrochen (Schaftbruch, Wipfelbruch, Astbruch, Zweigbruch, Einzelbruch, Nesterbruch, Massenbruch); der Schneedruck bewirkt kein Zerbrechen, sondern ein Niederbiegen und Umlegen von schwächern Stämmen. Am gefährlichsten ist der S. bei den wintergrünen Nadelhölzern, namentlich bei Kiefer und Fichte. Gebirgslagen zwischen 400 und 700 m, Ost- und Nordosthänge sind demselben am meisten ausgesetzt. Naß fallender Schnee mit darauf folgendem Frost, abermaligem starken Schneefall und hinzutretendem Wind