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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schultze; Schultzes Pulver

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Schultze - Schultzes Pulver.

fessor und 1882 ordentlicher Professor in Prag. Seit 1871 ist er Mitglied des Verwaltungsausschusses des Germanischen Museums in Nürnberg. Er schrieb: "Über Bau und Einrichtung der Hofburgen" (Berl. 1862); "Schlesiens Kunstleben im 13. bis 18. Jahrhundert" (Bresl. 1870-72, 2 Tle.); "Schlesiens Kunstdenkmale" (das. 1875); "Die Legende vom Leben der Jungfrau Maria und ihre Darstellung in der bildenden Kunst des Mittelalters" (Leipz. 1878); "Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger" (das. 1879-80, 2 Bde.; 2. Aufl. 1889 ff.); "Gerhard Heinrich von Amsterdam, Bildhauer zu Breslau" (Bresl. 1880); "Untersuchungen zur Geschichte der schlesischen Maler 1500-1800" (das. 1882) und andre Studien über schlesische Kunstgeschichte; "Kunst und Kunstgeschichte" (Leipz. u. Prag 1884, 2 Tle.; 2. erweiterte Aufl. u. d. T.: "Einführung in das Studium der neuern Kunstgeschichte", 1887); Abhandlungen über Tuotilo von St. Gallen, den heil. Bernward und die deutschen Dombaumeister des Mittelalters (in Dohmes "Kunst und Künstler") etc.

Schultze, 1) Max, Anatom, Sohn des Anatomen Karl August Sigismund S. (geb. 1. Okt. 1795 zu Halle, gest. 28. Mai 1877 in Jena), geb. 25. März 1825 zu Freiburg i. Br., studierte seit 1845 in Greifswald und Berlin Medizin und habilitierte sich 1850 als Privatdozent in Greifswald. Seit 1848 beschäftigte er sich mit den Turbellarien, schrieb eine Monographie über dieselben (Greifsw. 1851) und ging 1853 nach Italien behufs zoologischer Forschungen an der Küste des Adriatischen Meers, als deren Resultat er das epochemachende Werk "Über den Organismus der Polythalamien" (Leipz. 1854) veröffentlichte. 1854 ging er als außerordentlicher Professor nach Halle und begann hier seine epochemachenden Arbeiten über die Endigungsweise der Nerven in den Sinnesorganen, in welchen er sich auch als Meister der Technik, als Erfinder fruchtbarer Methoden zeigte. 1859 folgte er einem Ruf nach Bonn, wo unter seiner Leitung das neue Anatomiegebäude errichtet wurde. Er arbeitete über den Bau der Netzhaut, der Nasenschleimhaut, benutzte 1860 einen Ausflug nach Paris und Holland zur Aufklärung der Natur der Hyalonemen, widmete sich aber hauptsächlich der Reform des Zellenbegriffs und sprach in seiner bahnbrechenden Arbeit "Über Muskelkörperchen und das, was man eine Zelle zu nennen habe" (1861) zuerst aus, daß die Membran nicht notwendig zu dem Begriff der Zelle gehöre. Er lieferte auch wichtige Arbeiten über die Intercellularsubstanz und über die Bewegungen des Protoplasmas und der farblosen Blutkörperchen. S. war einer der glücklichsten Förderer der mikroskopischen Technik und bereicherte dieselbe mit zahlreichen neuen Hilfsmitteln, indem er namentlich auch chemische Substanzen, wie die verdünnte Chromsäurelösung und die Überosmiumsäure, zur Unterstützung heranzog. S. starb 16. Jan. 1874 in Bonn. Er schrieb noch: "Beiträge zur Kenntnis der Landplanarien" (Halle 1857); "Zur Kenntnis der elektrischen Organe der Fische" (das. 1858); "Die Hyalonemen" (Bonn 1860); "Das Protoplasma der Rhizopoden und der Pflanzenzellen" (Leipz. 1863); "De ovorum ranarum segmentatione" (Bonn 1863); "Über den gelben Fleck der Retina" (das. 1866); "Zur Anatomie und Physiologie der Retina" (das. 1867); "Über die zusammengesetzten Augen der Krebse und Insekten" (das. 1868); "Observationes de structura cellularum fibrarumque nervearum" (das. 1868). 1865 begründete er das "Archiv für mikroskopische Anatomie", welches sich schnell zu dem Rang einer der ersten anatomischen Zeitschriften aufschwang (fortges. von la Valette Saint-George u. Waldeyer).

2) Bernhard Sigismund, Gynäkolog, Bruder des vorigen, geb. 29. Dez. 1827 zu Freiburg i. Br., studierte 1847-51 in Greifswald und Berlin, habilitierte sich 1852 in Greifswald, ging 1854 als Assistent der geburtshilflichen Klinik nach Berlin, habilitierte sich daselbst und ging 1858 als Professor der Geburtshilfe und Gynäkologie sowie als Direktor des Entbindungsinstituts nach Jena. Er schrieb: "Lehrbuch der Hebammenkunst" (Leipz. 1860, 8. Aufl. 1887); "Wandtafeln der Schwangerschafts- und Geburtskunde" (Weim. 1865; 2. Aufl., Jena 1888 ff.); "Der Scheintod der Neugebornen" (das. 1870); "Pathologie und Therapie der Lageveränderungen der Gebärmutter" (Berl. 1881); "Unser Hebammenwesen und das Kindbettfieber" (Leipz. 1884).

3) August Sigismund, Rechtslehrer, Bruder des vorigen, geb. 28. April 1833 zu Greifswald, Professor an der Universität Straßburg, schrieb: "Die Verleitung zum falschen Eid" (Berl. 1870); "Die Nebenintervention im Zivilprozeß" (das. 1880); "Das deutsche Konkursrecht in seinen juristischen Grundlagen" (das. 1880); "Privatrecht und Prozeß in ihrer Wechselbeziehung" (Freiburg 1883, Bd. 1).

4) Fritz, Philosoph, geb. 7. Mai 1846 zu Celle in Hannover, studierte zu Jena, Göttingen und München Philosophie und betrieb dabei naturwissenschaftliche Studien, aus denen seine ersten Schriften: "Die Tierseele" (Leipz. 1868) und "Der Fetischismus" (das. 1871), hervorgingen. 1871 habilitierte er sich an der Universität Jena als Privatdozent, wurde 1875 daselbst außerordentlicher Professor und 1876 ordentlicher Professor der Philosophie am Polytechnikum zu Dresden, wo ihm 1879 zugleich die Professur für Pädagogik übertragen wurde. Seine wertvollen Schriften: "Geschichte der Philosophie der Renaissance" (Jena 1874, Bd. 1: "Georgios Gemistos Plethon"), "Kant und Darwin" (das. 1875), "über Bedeutung und Aufgabe einer Philosophie der Naturwissenschaft" (das. 1877), "Über das Verhältnis der griechischen Naturphilosophie zur modernen Naturwissenschaft" (im "Kosmos", Leipz. 1877-78), "Philosophie der Naturwissenschaft" (das. 1882, 2 Bde.), "Die Grundgedanken des Materialismus" (das. 1881), "Die Grundgedanken des Spiritismus" (das. 1884) zeigen S. als einen Angehörigen der sogen. neukantischen Richtung, welche unter dem Gesichtspunkt des Kritizismus Philosophie und Naturwissenschaften zu verbinden strebt. Von Huxleys Reden und Aufsätzen veranstaltete er eine deutsche Ausgabe (Berl. 1877).

5) Viktor, Theolog und Archäolog, geb. 13. Dez. 1851 zu Fürstenberg (Waldeck), studierte in Basel, Straßburg, Jena und Göttingen Theologie, lag darauf mehrere Jahre in Italien archäologischen und kunstgeschichtlichen Studien, insbesondere der Katakombenforschung, ob, habilitierte sich 1879 in Leipzig und wurde 1884 außerordentlicher, 1888 ordentlicher Professor der Theologie in Greifswald. Er schrieb: "Die Katakomben von San Gennaro dei Poveri in Neapel" (Jena 1877); "Archäologische Studien über christliche Monumente" (Wien 1880); "Die Katakomben, die altchristlichen Grabstätten, ihre Geschichte und ihre Monumente" (Leipz. 1884); "Das evangelische Kirchengebäude" (das. 1886); "Geschichte des Untergangs des griechisch-römischen Heidentums" (Jena 1887 ff., 2 Bde.); "Unter dem Kreuz", Erzählung aus dem christlichen Altertum (Leipz. 1881).

Schultzes Pulver, s. Schießpulver, S. 453.