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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schultz-Schultzenstein; Schuluh; Schulverein; Schulwesen

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Schultz-Schultzenstein - Schulwesen.

Schultz-Schultzenstein, Karl Heinrich, Mediziner und Naturforscher, geb. 8. Juli 1798 zu Altruppin, studierte in Berlin, habilitierte sich 1822 als Privatdozent und ward 1825 außerordentlicher und 1833 ordentlicher Professor der Medizin daselbst. Er lieferte Untersuchungen über die Säftebewegung der Pflanzen, glaubte einen Lebenssaft und einen Kreislauf desselben in den Pflanzen entdeckt zu haben und stellte die abenteuerlichsten Ansichten auf. Seine Forschungen über die Physiologie der Pflanzen und Tiere führten ihn zu der Ansicht, daß das tierische Leben kein chemischer Stoffwechsel, sondern ein fortdauernder innerer Wechsel von Erzeugen und Absterben verjüngter Formengebilde (Bildung und Mauser) sei. Seine Verjüngungstheorie wandte er dann auch auf die Pathologie an und suchte sie zu einem vollständigen System der Heilkunst abzuschließen; ja, er machte sogar den Versuch, das Prinzip der Verjüngung auf Psychologie und Moral zu übertragen. Als Präsident der Gesellschaft der Gartenfreunde trug er zur Hebung der Pflanzenkultur bei. S. starb 22. März 1871 in Berlin. Er schrieb: "Über den Kreislauf des Safts in den Pflanzen" (Berl. 1824); "Die Natur der lebendigen Pflanzen" (das. 1823; Bd. 2, Stuttg. 1828); "Natürliches System des Pflanzenreichs nach seiner innern Organisation" (Berl. 1832); "Das System der Zirkulation in seiner Entwickelung durch die Tierreiche und im Menschen" (Stuttg. 1836); "Über die Verjüngung des menschlichen Lebens und die Mittel und Wege zu ihrer Kultur" (Berl. 1842, 2. Aufl. 1850); "Neues System der Morphologie der Pflanzen" (das. 1847); "Die Verjüngung im Pflanzenreich" (das. 1851); "Die Verjüngung im Tierreich" (das. 1854); "Leben, Gesundheit, Krankheit, Heilung" (das. 1863; 2. Aufl., Basel 1873); "Die Physiologie der Verjüngung des Lebens im Unterschied von den dynamischen und materialistischen Stoffwechseltheorien" (das. 1867).

Schuluh (Schellöchen), Berberstamm in Marokko, s. Berberei.

Schulverein, s. Deutscher Schulverein.

Schulwesen. Geschichtliches. Bei allen Völkern, welche sich irgendwie über den ursprünglichen Zustand natürlicher Roheit erhoben haben, muß sich das Bedürfnis nach besondern Unterrichtsanstalten (Schulen) herausstellen. Einerseits sind die Forderungen, welche an die geistige Bildung des einzelnen gestellt werden, zu vielseitig, um anders als durch berufsmäßig gebildete Lehrer befriedigt zu werden; anderseits nimmt der einzelne Beruf bei der mit der Steigerung der Kultur zunehmenden Teilung der Arbeit die Eltern, namentlich die Hausväter, zu stark und zu einseitig in Anspruch, um ihnen Muße und Befähigung zum Unterricht der Kinder, der naturgemäß zunächst ihre Aufgabe ist, zu belassen. Nur wenigen gestattet dagegen ihr höherer Wohlstand, eigne Lehrer und Erzieher für ihre Familie zu bestellen. Anfänge und Ansätze des Schulwesens begegnen uns daher bei allen zivilisierten Völkern; eine tiefere und allgemeine Schätzung desselben nach seinem wahren Wert für das Leben des Volkes findet indes auf den niedern Stufen der Kultur, da dieser Wert zunächst ganz auf dem idealen Gebiet liegt und nur mittelbar für den äußern Wohlstand des Volkes ins Gewicht fällt, große Hindernisse und darf als das deutlichste Merkmal einer höhern Bildungsstufe bezeichnet werden. Ein staatsseitig systematisch durchgeführtes oder wenigstens geordnetes und überwachtes S. finden wir daher auch, von den merkwürdigen analogen Einrichtungen in China und dem frühern Japan abgesehen, bei welchen die pedantisch geregelte Form den Inhalt nicht zum rechten Leben gelangen läßt, nur bei den Völkern der modernen europäischen Kultur, und soweit deren zivilisatorischer Einfluß reicht; ja, selbst bei diesen hat das S. noch nicht überall den Platz und die Pflege gefunden, welche es gegenüber den ältern Zweigen der Staatsverwaltung beanspruchen darf und, wenn nicht gewaltsame Erschütterungen die geistige Entwickelung der europäischen Menschheit unterbrechen, allen Anzeichen nach gewiß erlangen wird. Die ersten bedeutsamen Anfänge des Schulwesens, mit welchen unsre Unterrichtsanstalten kaum noch in einem gewissen ursachlichen Zusammenhang stehen, entwickelten sich bei den alten Griechen einer- und bei den alten Hebräern anderseits. Unter den Griechen waren es trotz ihres lebhaften Interesses für die Erziehung der Jugend weniger die Spartaner, denen es fast nur auf kriegerische Tüchtigkeit ankam, als die Athener, bei denen die Schulen blühten und zwar neben den Redner- und Philosophenschulen auch die einfachen Knabenschulen. Man führt den Ursprung der letztern namentlich auf Solons Einfluß zurück, welcher in seinen Gesetzen bestimmte, daß ein athenischer Bürger seinen Vater gerichtlich belangen dürfe, wenn dieser ihn in seiner Jugend nicht gehörig habe unterrichten lassen. Immerhin ist festzuhalten, daß von einer durchgreifenden staatlichen Regelung des Unterrichtswesens nicht die Rede war, und daß alle wirklich vorhandenen Schulen doch nur den Kindern und zwar den Söhnen der freien Bürger zu gute kamen, welche namentlich seit den Perserkriegen gegenüber den Sklaven nur die Minderzahl der Landesbewohner bildeten. Von Athen aus verbreitete sich das griechische S. zu den meisten griechischen Stämmen und Städten und zu den Römern, deren praktischer Sinn schon für sich zu gewissen einfachen Grundlagen ähnlicher Art geführt hatte und nun sich der fremden Anregung gegenüber doppelt empfänglich bewies. Gleichzeitig bildeten sich bei den alten Israeliten Knabenschulen heraus, welche die Kenntnis der heiligen Sprache der Väter und die Kunde des Gesetzes der männlichen Jugend vermittelten, also wesentlich religiösen Charakter hatten. An diese gegebenen Anfänge knüpfte die christliche Kirche an, welche nach dem Vorbild und der Mahnung ihres Stifters die Pflege und Leitung der Jugend von jeher als eine ihrer wichtigsten Aufgaben angesehen hat. Sie gründete Katechumenenschulen, in welchen eigne Jugendlehrer, Katecheten (s. d.), die meist in jugendlichem Alter befindlichen Neophyten zu unterrichten hatten; auch beschäftigten sich seit ihrer Gründung (3. und 4. Jahrh.) und namentlich seit ihrer neuen Organisation durch Benedikt von Nursia und Cassiodorus (6. Jahrh.) die Klöster mit der Beschulung der Jugend. Der Gedanke eines allgemeinen Volksunterrichts, wo er einmal auftauchte, scheiterte an den gewaltigen rohen Volksmassen, welchen die Kirche seit der Völkerwanderung gegenüberstand. Der große Gedanke fand besonders in Karl d. Gr. einen Vertreter; aber auch dieser mächtige Herrscher war nicht im stande, ihn auch nur annähernd praktisch zu verwirklichen. Kaum minder glücklich auf kleinerm Gebiet waren einige höhere Geistliche, welche im weitern Verlauf des Mittelalters auf ihn zurückkamen. So gab es im Mittelalter fast nur gelehrte Schulen an den Domen und in den Klöstern, welche meistens in innere, für künftige Mönche und Geistliche, und äußere, den Söhnen der Edlen zugängliche, zerfielen, bis das Emporblühen der Städte auch in diesen das Bedürfnis nach Schulen und zwar deutschen wie lateinischen er-^[folgende Seite]