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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schulz von Straßnitzki; Schulze

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Schulz von Straßnitzki - Schulze.

4) Eduard, unter dem Pseudonym Eduard Ferrand bekannter Dichter, geb. 13. Jan. 1813 zu Landsberg a. d. Warthe, kam frühzeitig mit seiner Mutter nach Berlin, wo er Philosophie studierte, widmete sich dann der Litteratur, starb aber schon 23. Okt. 1842. Er schrieb: "Gedichte" (Berl. 1834; neue Sammlung, das. 1835); "Nachklänge" (das. 1834); "Novellen" (das. 1835); "Lyrisches" (das. 1839); "Erlebnisse des Herzens"; Liebesnovelletten (das. 1839). Nachträge zu S.' Werken finden sich in den "Reliquien" (hrsg. von Arth. Müller, Bd. 2, Berl. 1845).

5) Moritz, Bildhauer, geb. 4. Nov. 1825 zu Leobschütz in Schlesien, bezog die Akademie in Berlin, arbeitete unter Drake und erlangte 1853 den Preis für Rom, wo er sich von 1854 bis 1870 weiterbildete und zahlreiche Werke aus dem Kreis der antiken Mythologie und der Allegorie schuf. Nach Berlin zurückgekehrt, führte er unter anderm für den Sockel der Siegessäule das Relief mit der Begegnung des Königs und des Kronprinzen auf dem Schlachtfeld von Königgrätz und für die Außenseite der Nationalgalerie eine Anzahl von Bildwerken aus, unter denen der Fries in der Vorhalle, der den Entwickelungsgang der deutschen Kunst in ihren Hauptvertretern darstellt, hervorzuheben ist.

Schulz von Straßnitzki, Leopold Karl, Mathematiker, geb. 31. März 1803 zu Krakau, wurde 1827 Professor der Mathematik am Lyceum in Laibach, 1834 an der Universität Lemberg und 1838 am polytechnischen Institut in Wien; starb 9. Juni 1852 in Vöslau. Er schrieb: "Das geradlinige Dreieck und die dreiseitige Pyramide" (Wien 1827); "Elemente der reinen Mathematik" (das. 1831-35, 2 Tle.); "Neue Methode zur Auffindung reeller Wurzeln numerischer Gleichungen" (das. 1842); "Anleitung zum Gebrauch des englischen Rechenschiebers" (das. 1843); "Handbuch der besondern und allgemeinen Arithmetik für Praktiker" (das. 1844, 2. Aufl. 1848); "Handbuch der Geometrie für Praktiker" (das. 1850); "Grundlehren der Analysis" (das. 1851); "Anfangsgründe der Geometrie" (das. 1851); "Die Erde und ihre Bewohner" (Pest 1848). Als Mitglied des Wiener Gemeindeausschusses (seit Mai 1848) hat S. sich besonders um Hebung des Volksschulwesens und des gewerblichen Unterrichts verdient gemacht. Vgl. Huber, Schulz v. Straßnitzki (Wien u. Leipz. 1879).

Schulze, s. v. w. Schultheiß.

Schulze, 1) Gottlob Ernst, Philosoph, geb. 23. Aug. 1761 zu Heldrungen in Thüringen, studierte zu Wittenberg, wurde daselbst Privatdozent, 1788 ordentlicher Professor der Philosophie zu Helmstädt und 1810 zu Göttingen, wo er 11. Jan. 1833 starb. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Änesidemus, oder über die Fundamente der von Reinhold gelieferten Elementarphilosophie" (Helmst. 1792), sein epochemachendes Hauptwerk, worin er (gegen Kant) dessen (realistische) Annahme der Dinge an sich für Selbstwiderspruch der Kritik und diese nur dann für konsequent erklärte, wenn sie die Unmöglichkeit derselben behaupte, eine Konsequenz, welche Fichte zwei Jahre später (ohne von S. zu wissen) wirklich gezogen hat; ferner "Grundsätze der allgemeinen Logik" (Göttingen 1810, 5. Aufl. 1831); "Encyklopädie der philosophischen Wissenschaften" (das. 1814, 3. Ausg. 1824), "Psychische Anthropologie" (das. 1816, 3. Ausg. 1826), "Über die menschliche Erkenntnis" (das. 1832), in welchen Schriften S. seinen anfänglichen skeptischen Standpunkt mit dem der Beobachtung der Bewußtseinsthatsachen vertauscht und sich F. H. Jacobi (s. d. 2) und Fries (s. d. 1) nähert.

2) Friedrich August, als Romanschriftsteller unter dem Namen Friedrich Laun bekannt, geb. 1. Juni 1770 zu Dresden, studierte in Leipzig, ward 1807 Sekretär bei der Landesökonomiedeputation und erhielt 1820 den Titel eines königlichen Kommissionsrats. Er starb 4. Sept. 1849 in Dresden. Außer vielen teils in Zeitschriften und Taschenbüchern, teils besonders erschienenen Erzählungen gab er mit Apel ein "Gespensterbuch" (Leipz. 1810-17, 6 Bde.), "Lustspiele" (Dresd. 1807) und "Gedichte" (Leipz. 1824, neue Aufl. 1828) heraus. Seine "Gesammelten Schriften" erschienen in 6 Bänden (mit Vorrede von L. Tieck, Stuttg. 1843). S. lieferte besonders in der komischen und naiven Gattung Anerkennenswertes (z. B. die Erzählung "Die Reise zur Hinrichtung").

3) Johannes, deutscher Schriftsteller und verdienter Schulmann, geb. 15. Jan. 1786 zu Brühl in Mecklenburg-Schwerin, studierte zu Halle Theologie und Philologie, ward 1808 Professor am Gymnasium zu Weimar, 1812 am Gymnasium in Hanau und im folgenden Jahr zum Oberschulrat ernannt. Drei Jahre später trat er als Konsistorial- und Schulrat bei dem Konsistorium zu Koblenz in preußische Dienste und ward 1818 als vortragender Rat im Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten nach Berlin berufen. Er bearbeitete hier bis zum Tode des Ministers Altenstein (1840) die Angelegenheiten des höhern Schulwesens, dann die Universitätssachen und wurde 1849 Direktor der Unterrichtsabteilung; 1859 trat er als Wirklicher Geheimer Oberregierungsrat in den Ruhestand und starb 20. Febr. 1869. Er veröffentlichte eine Sammlung seiner "Schulreden" (Leipz. 1818-30, 2 Bdchn.). Auch machte er sich verdient durch die mit H. Meyer veranstaltete Herausgabe von Winckelmanns "Geschichte der Kunst des Altertums" (Dresd. 1809-1815, 4 Bde.) und von Hegels "Phänomenologie des Geistes" (2. Aufl., Berl. 1841). Vgl. Varrentrapp, J. S. und das höhere Unterrichtswesen Preußens (Leipz. 1889).

4) Ernst, Dichter, geb. 22. März 1789 zu Celle, widmete sich in Göttingen erst theologischen, dann ästhetischen und philologischen Studien und schrieb schon damals sein gewandtes, noch im Stil Wielands gehaltenes Gedicht "Psyche" (1819), habilitierte sich als Privatdozent und hielt Vorlesungen über alte Sprachen und schöne Litteratur. Nachdem er 1814 an dem Feldzug gegen Frankreich als hannöverscher Freiwilliger teilgenommen, kehrte er nach Göttingen zurück, starb aber, seit Jahren brustleidend, schon 29. Juni 1817 in Celle. Sein romantisches Epos "Cäcilia" (Leipz. 1818; 3. Aufl. 1849, 2 Bde.), zu welchem ihn der Tod seiner Geliebten Cäcilie Tychsen Anlaß gab, ist bei entschiedener Unzulänglichkeit der Erzählung und Charakteristik durch einzelne glückliche Schilderungen und leichten, harmonischen Versbau ausgezeichnet. Während seiner Krankheit verfaßte er sein bestes Werk: "Die bezauberte Rose", romantische Erzählung in drei Gesängen (Leipz. 1818, 14. Aufl. 1887, Prachtausg. 1862), wofür ihm der in der "Urania" ausgesetzte Preis zuerkannt ward. Unter seinen "Vermischten Gedichten" (Leipz. 1820, 3. Aufl. 1852) befinden sich viele der zartesten Blüten deutscher Lyrik. Eine Gesamtausgabe seiner poetischen Werke besorgte Bouterwek (Leipz. 1818-20, 4 Bde.; 3. Aufl., mit Biographie des Dichters von H. Marggraff, das. 1855, 5 Bde.). Wohlklang und Leichtigkeit des Versbaues, Zartheit der Empfindung sowie Farbenreichtum und Lebendigkeit der Darstellung sind die Vorzüge der Schulzeschen Dichtungen.