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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schulz von Milo; Schulze-Delitzsch; Schulzenlehen; Schulzwang; Schum.

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Schulze-Delitzsch - Schum.

5) Josephine, geborne Killitschgy, dramatische Sängerin, geboren um 1790 zu Wien, erhielt ihre Ausbildung durch Salieri, debütierte 1810 in Breslau und wurde 1812, nachdem sie sich ein Jahr zuvor mit dem Justizrat S. verheiratet hatte, an der Berliner Hofoper angestellt. Hier bildete sie mit Anna Milder, dem Tenor Bader und dem Bariton Blume jenes berühmte Soloquartett, welches die Zeit der Spontinischen Opernleitung zu einer der glänzendsten in der Musikgeschichte Berlins gemacht hat. Bereits 1831 auf ihr Verlangen pensioniert, starb sie 1. Jan. 1880 in Freiburg i. Br.

6) Friedrich Gottlob, Nationalökonom und Landwirt, geb. 28. Jan. 1795 zu Obergävernitz bei Meißen, besuchte Schulpforta, studierte in Leipzig und Jena, ward 1817 Oberverwalter des Kammerguts Oberweimar, habilitierte sich 1819 zu Jena, ward 1821 zum Professor ernannt und gründete daselbst 1826 eine Anstalt zur Ausbildung angehender Landwirte und Kameralisten. 1832 folgte er einem Ruf nach Greifswald und gründete von dort aus 1834 zu Eldena ebenfalls eine kameralistisch-ökonomische Lehranstalt, kehrte aber 1839 als Professor der Staatswirtschaft nach Jena zurück, wo er sofort wieder ein landwirtschaftliches Institut eröffnete, und starb 3. Juli 1860 daselbst. Unter seinen Schriften sind hervorzuheben: "Über Wesen und Studium der Wirtschaftswissenschaften" (Jena 1826); "Deutsche Blätter für Landwirtschaft und Nationalökonomie" (das. u. Leipz. 1843-59, 2 Bde.) und "Nationalökonomie oder Volkswirtschaftslehre, vornehmlich für Land-, Forst- und Staatswirte" (Leipz. 1856). Vgl. Birnbaum, Friedr. Gottl. S. als Reformator der Landwirtschaftslehre (Frankf. 1860); (Herm. Schulze) F. G. S.-Gävernitz, ein Lebensbild (neue Ausg., Heidelb. 1888).

7) Hermann von S.-Gävernitz, ausgezeichneter Staatsrechtslehrer, Sohn des vorigen, geb. 23. Sept. 1824 zu Jena, studierte daselbst und in Leipzig die Rechte und Kameralwissenschaften, habilitierte sich 1848 in der juristischen Fakultät zu Jena, ward daselbst 1850 außerordentlicher Professor der Rechte und folgte 1857 einem Ruf als ordentlicher Professor des Staatsrechts nach Breslau, 1878 nach Heidelberg, wo er, 1888 in den erblichen Adelstand erhoben, 28. Okt. d. J. starb. Seine bedeutendsten Schriften sind: "System des deutschen Staatsrechts" (Abt. 1, Leipz. 1865), in neuer Ausgabe erschienen als "Einleitung in das deutsche Staatsrecht" (das. 1867), mit Nachtrag "Die Krisis des deutschen Staatsrechts im Jahr 1866" (das. 1867); "Das preußische Staatsrecht auf Grundlage des deutschen Staatsrechts dargestellt" (das. 1870-77, 2 Bde. in 5 Abtlgn.; 2. Aufl. 1888), wovon er eine verkürzte Bearbeitung in Marquardsens "Handbuch des öffentlichen Rechts der Gegenwart" (Freiburg i. Br. 1884) lieferte; "Lehrbuch des deutschen Staatsrechts" (Leipz. 1881-86, 2 Bde.). Außerdem nennen wir: "Das Recht der Erstgeburt in den deutschen Fürstenhäusern" (Leipz. 1851); "Die Hausgesetze der regierenden deutschen Fürstenhäuser" (Jena 1862-83, 3 Bde.); "Die Staatssuccession im Herzogtum Lauenburg" (Hamb. 1864); "Das Erb- und Familienrecht der deutschen Dynastien des Mittelalters" (Halle 1871); "Aus der Praxis des Staats- und Privatrechts" (Leipz. 1876); "Robert v. Mohl" (Heidelb. 1886).

8) Franz Eilhard, Zoolog, geb. 22. März 1840 zu Eldena, studierte in Rostock und Bonn, habilitierte sich 1863 in Rostock für Anatomie, wurde 1865 daselbst Professor der vergleichenden Anatomie, dann der Zoologie und nahm an der Expedition des Dampfers Pommerania zur Erforschung der Ostsee teil. 1873 ging er als Professor der Zoologie nach Graz, 1884 nach Berlin. Er beschäftigte sich namentlich mit Anatomie und Entwickelungsgeschichte der niedern Tiere und lieferte epochemachende Arbeiten über die Seeschwämme, über die Hautsinnesorgane der Fische und Amphibien und über Cordylophora lacustris.

Schulze-Delitzsch, Hermann, deutscher Politiker und Gründer des deutschen Genossenschaftswesens, geb. 29. Aug. 1808 zu Delitzsch, studierte die Rechte, wurde 1830 Auskultator zu Naumburg, 1838 Assessor am Kammergericht in Berlin und 1841 Patrimonialrichter in seiner Vaterstadt. 1848 in die preußische Nationalversammlung gewählt, schloß er sich dem linken Zentrum an und führte den Vorsitz in der Kommission zur Prüfung der Notstände im Arbeiter- und Handwerkerstand. Auch der aufgelösten Zweiten Kammer von 1849 gehörte er an. Er war einer von den der Steuerverweigerung angeklagten Abgeordneten und führte seine Verteidigung in glänzender Weise. Bei Umgestaltung der preußischen Justizeinrichtungen wurde er an das Kreisgericht in Wreschen versetzt, nahm, da man ihm einen zur Herstellung seiner Gesundheit nachgesuchten Urlaub verweigerte, den Abschied aus dem Staatsdienst und zog sich nach Delitzsch zurück, wo er den ersten Vorschußverein gründete. Er widmete sich von da ab unermüdlich und mit günstigem Erfolg gemeinnützigen Bestrebungen, insbesondere der Förderung des Genossenschaftswesens in Deutschland. Nachdem ihm auf dem ersten Vereinstag deutscher Vorschußvereine zu Weimar 1859 die Leitung des Zentralbüreaus übertragen worden war, blieb er Leiter und Anwalt des Genossenschafterbandes bis zu seinem 29. April 1883 in Potsdam erfolgten Tod. Am politischen Leben nahm S. seit 1861 wieder regen Anteil. Damals in das Abgeordnetenhaus gewählt, schloß er sich ebenso wie später im Reichstag, dem er seit 1867 angehörte, der Fortschrittspartei an. Eine Sammlung von 150,000 Mk., die seine Parteigenossen veranstaltet hatten, um sein gemeinnütziges Wirken zu belohnen, bestimmte er zu einer Stiftung, deren Zinsen solchen zuzuwenden seien, die sich durch öffentliches Wirken einer solchen Auszeichnung würdig gemacht haben. Gegen die Lassallesche Bewegung richtete er zwei Schriften: "Kapitel zu einem deutschen Arbeiterkatechismus" (Leipz. 1863) und "Die Abschaffung des geschäftlichen Risikos durch Herrn Lassalle" (das. 1866). Von seinen weitern, meist dem Genossenschaftswesen gewidmeten Schriften erwähnen wir noch: "Associationsbuch für deutsche Handwerker und Arbeiter" (Leipz. 1853); "Die arbeitenden Klassen und das Associationswesen in Deutschland" (2. Aufl., das. 1863); "Vorschuß- und Kreditvereine als Volksbanken" (5. Aufl., das. 1876); "Wanderbuch" (2. Aufl., Glog. 1859); "Anweisung für Vorschuß- und Kreditvereine" (Leipz. 1870); "Die Entwickelung des Genossenschaftswesens" (Berl. 1870); "Die Genossenschaften in einzelnen Gewerbszweigen" (mit F. Schneider, Leipz. 1873). Seit 1859 gab er den "Jahresbericht der Vorschuß- und Kreditvereine" heraus. Aus seinem Nachlaß erschien der Roman "Die Philister" (Berl. 1885, 2 Bde.). Vgl. Bernstein, Schulze-Delitzsch' Leben u. Wirken (Berl. 1879).

Schulzenlehen, s. Bauerngut, S. 469.

Schulz von Milo (Bülow), Vogel, s. Pirol.

Schulzwang, s. Schulwesen, S. 656.

Schum., bei botanischen Namen Abkürzung für Ch. F. Schumacher, geb. 1757 zu Glückstadt, gest. 1830 als Professor in Kopenhagen.