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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Schwan - Schwanenritter.

Schwans. In der germanischen Mythologie stand der S. in engster Beziehung zu den in Luft und Wasser waltenden Lichtgottheiten und ebenfalls im Ruf der Weissagung; daher die noch jetzt zur Bezeichnung einer Vorahnung üblichen Ausdrücke: "es schwant mir" oder "mir wachsen Schwanenfedern". Auf Rügen vertritt der S. den Storch, er bringt die Kinder. Der S. ist wie die Wasservögel, Gans, Ente, Eisvogel, Augurium des Endes der regnerischen, winterlichen Jahreszeit. Stirbt der S., so kehrt die Sonne, der Frühling, der junge Held zurück. Kommt der Held von dem S. gezogen zu dem schönen Mädchen, so darf ihn niemand fragen, woher er kommt, der S. würde ihn sonst in das Reich des Todes zurückführen (Sage vom Schwanenritter, s. d.). Gewisse göttliche Wesen, namentlich die Walküren, die Wald- und Wasserfrauen, liebten es, Schwansgestalt anzunehmen (s. Schwanjungfrauen). Vgl. Cassel, Der S. in Sage und Leben (Berl. 1872).

Schwan, Schmetterling, s. Goldafter.

Schwan (lat. Cygnus), Sternbild am nördlichen Himmel, in der Milchstraße, zwischen 287 und 329° Rektaszension, 29° 6' und 59° 10' nördl. Deklination, nach Heis 197 dem bloßen Auge sichtbare Sterne enthaltend. S. Tafel "Fixsterne".

Schwan, Christian Friedrich, Buchhändler, geb. 12. Dez. 1733 zu Prenzlau in der Ukermark, studierte zu Halle und Jena Theologie, ging dann nach Petersburg, von da nach Holland, wo er die "Anecdotes russes" (Haag 1764) veröffentlichte, später nach Frankfurt a. M., wo er eine Wochenschrift begründete, und übernahm 1765 die Buchhandlung seines Schwiegervaters Eßlinger in Mannheim. In dieser Stellung suchte er namentlich den Geschmack an der deutschen schönwissenschaftlichen Litteratur zu wecken (er war Verleger von Schillers "Fiesco" und "Kabale und Liebe") und brachte es dahin, daß der Kurfürst Karl Theodor ein deutsches Theater einrichtete. Seit 1794 lebte S. nacheinander zu Heilbronn, Stuttgart und Heidelberg, wo er 29. Juni 1815 starb. Unter seinen Schriften befinden sich zahlreiche aus dem Französischen und Italienischen übersetzte Theaterstücke. Schwans "Tagebuch" wurde in Hackländers "Hausblättern" (1861-62) veröffentlicht. - Seine Tochter Margarete ist bekannt durch ihr Verhältnis zu Schiller, der während seines zweiten Mannheimer Aufenthalts (im Winter 1784-85) eine tiefe Neigung zu ihr faßte und noch von Leipzig aus beim Vater, wiewohl vergeblich, um ihre Hand anhielt. Vgl. Götz, Geliebte Schatten (Mannh. 1858).

Schwanau, Insel und Schloß, s. Lowerz.

Schwandorf, Stadt im bayr. Regierungsbezirk Oberpfalz, Bezirksamt Burglengenfeld, an der Nab, Knotenpunkt der Linien München-Regensburg-Oberkotzau und Krailsheim-Nürnberg-Furth i. W. der Bayrischen Staatsbahn, 356 m ü. M., hat 2 kath. Kirchen (dabei eine große Wallfahrtskirche), ein Amtsgericht, Thonwarenfabrikation, Pechsiederei, eine Kunstmühle und (1885) 4350 meist kath. Einwohner.

Schwanebeck, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Magdeburg, Kreis Oschersleben, am Limbach und am Fuß des Huywaldes, hat eine Zuckerfabrik, Spiritus-, Ziegel- und Kalkbrennerei, Gipsfabriken und (1885) 3207 meist evang. Einwohner.

Schwanenblume, s. Butomus.

Schwanenfluß (Swan River), Fluß in Westaustralien, entspringt auf dem östlich gelegenen Plateauland, führt anfangs den Namen Avon und nimmt erst, wo er sich nach SW. wendet, den Namen S. an. Von Perth bis Fremantle an der Mündung in den Indischen Ozean wird er mit Dampfern befahren. Die 1829 an seinen Ufern gegründete Kolonie (zwischen 30 u. 35° südl. Br.) wurde nach ihm Schwanenflußkolonie genannt; aus ihr entwickelte sich das heutige Westaustralien.

Schwanengesang, s. Schwan.

Schwanenhalseisen (Berliner Eisen), Fangeisen für Wölfe, Füchse, Otter, Marder etc., bei welchem die an der Erde verdeckt liegenden und von einer hufeisenförmigen Feder emporgeschnellten Bügel (s. Figur) um den Hals des vorher mit Kirrbrocken an den Fangplatz angekirrten Raubtiers schlagen, sobald dasselbe den an einer Schnur befestigten Brocken (Totenbrocken) berührt. Der Fang in solchen Eisen ist deshalb sicherer als der in Tritt- oder Tellereisen (s. d.), weil aus dem Schwanenhals das gefangene Tier nicht entkommen kann, während es von ersterm nur am Laufe festgehalten wird und sich nicht selten befreit.

^[Abb.: Schwanenhalseisen.]

Schwanenorden, Orden, der, 1440 vom Kurfürsten Friedrich II. von Brandenburg gestiftet, seinen Hauptsitz in einem Kloster auf dem Berg bei Altbrandenburg und in Ansbach hatte und eine geistliche Gesellschaft von Fürsten und adligen Personen war, die ihren Hauptzweck in die Darlegung wärmster Verehrung der Jungfrau Maria und Mildthätigkeit setzte. Nachdem der Orden durch die Reformation erloschen war, erneuerte ihn König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen 24. Dez. 1843 als eine freie Vereinigung von Männern und Frauen jeden Standes und Bekenntnisses zum Behuf der Linderung physischen und moralischen Elends; doch hatte es bei der Stiftungsurkunde sein Bewenden. Vgl. Graf Stillfried-Rattonitz, Der S., sein Ursprung und Zweck etc. (Halle 1845); Hänle, Urkunden und Nachweise zur Geschichte des Schwanenordens (Ansb. 1874); Stillfried u. Hänle, Das Buch vom S. (Berl. 1881).

Schwanenritter, nach niederrhein. Sage ein Ritter, der auf einem von einem Schwan gezogenen Kahn aus unbekanntem Land kommt, eine Fürstentochter von einem ihr verhaßten Bewerber errettet und sich mit ihr vermählt, dann sie aber wieder verlassen muß, weil sie ungeachtet seines Verbots sich nach seiner Abstammung erkundigt. Die Sage ist mythischen Ursprungs und wurde im Mittelalter mehrfach poetisch behandelt, aber auch nach Willkür geändert. So z. B. in dem französischen, dem 12. Jahrh. angehörenden "Roman du chevalier au cygne" (hrsg. von Reiffenberg, Brüssel 1846-48, 2 Bde.), worin die Sage auf Gottfried von Bouillon bezogen wird, während sie Wolfram von Eschenbach am Schlusse seines "Parzival" auf Loherangrin, den Sohn des Gralkönigs Parzival, übertrug. Ihm folgte, noch vor 1290, der ungenannte Verfasser eines breit ausgesponnenen Gedichts "Lohengrin" (s. d.), wogegen Konrad von Würzburg in seiner Dichtung "Der Schwanenritter" die Sage nach