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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schweden

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Schweden (Geschichte 1719-1790).

zen zugemutet werden müßten. An Hannover wurde im November 1719 gegen 1 Mill. Thlr. Bremen und Verden, an Preußen im Stockholmer Frieden (Februar 1720) gegen 2 Mill. Thlr. Vorpommern bis zur Peene abgetreten. Im Frieden mit Dänemark gab S. den Herzog von Gottorp preis und verzichtete auf die Befreiung vom Sundzoll, wogegen Dänemark die eroberten Gebiete räumte. Den Krieg mit Rußland wollte der Reichsrat fortsetzen; aber als im Juli 1721 ein russisches Heer in S. landete und an der furchtbarsten Verwüstung des Landes nicht verhindert werden konnte, verstand er sich zum Frieden von Nystad (10. Sept. 1721), in dem S. Ingermanland, Esthland, Livland, einen Teil von Karelien und Kexholm gegen 2 Mill. Thlr. an Rußland abtrat. Die schwedische Macht war jetzt auf das eigentliche S., Finnland und ein kleines Stück Pommern beschränkt. Die Großmachtstellung im europäischen Norden, die S. seit Gustav Adolf eingenommen, ging nun an Rußland über.

Der Reichstag von 1720 hatte die königliche Gewalt von Ulrike Eleonore auf ihren Gemahl Friedrich übertragen, nachdem derselbe dem Reichsrat neue Zugeständnisse gemacht hatte. Alle Versuche Friedrichs, dieselben zurückzunehmen, waren vergeblich, und er mußte sich vom übermütigen Adel arge Beleidigungen gefallen lassen. Allerdings zerfiel der Adel auf dem Reichstag von 1726 in zwei Parteien, die Mützen unter Graf Arvid Horn, welche sich stets den Plänen des Königs widersetzten, und die Hüte unter Graf Karl Gyllenborg, welche sich Freunde des Königs nannten. Die Mützen bemühten sich wohl, Handel und Gewerbe zu unterstützen und die Wohlhabenheit des Landes zu heben; die Hüte dagegen wollten dem Reich durch siegreiche Kriege Ansehen verschaffen. Beide Parteien wollten aber vor allem herrschen und den Staat zu ihrem Nutzen ausbeuten. Während der ganzen sogen. Freiheitszeit (1720-72) ließen sie sich von auswärtigen Mächten bestechen und unterstützten diejenige auf den Reichstagen, welche am besten bezahlte. Bis 1738 hatten die Mützen die Oberhand; nun aber wurden die französisch gesinnten Hüte die mächtigere Partei, und sogleich wurde ein Subsidienvertrag mit Frankreich abgeschlossen und der Krieg an Rußland erklärt, das gezwungen werden sollte, alle seine Eroberungen zurückzugeben. Aber gleich die ersten kriegerischen Ereignisse entsprachen nicht den Erwartungen, und im März 1742 brach ein russisches Heer in Finnland ein, das nach der Niederlage des schwedischen Heers bei Willmanstrand aufs furchtbarste verwüstet ward. Nur durch die Wahl des Herzogs Karl Peter Ulrich von Holstein-Gottorp, Großneffen Karls XII. und Neffen der russischen Kaiserin Elisabeth, und, als dieser wegen seiner Ernennung zum russischen Thronfolger ablehnte, des Herzogs Adolf Friedrich von Holstein-Gottorp zum Nachfolger des kinderlosen Königs Friedrich (3. Juli 1743) erlangte der Reichstag im Frieden von Abo (7. Aug. 1743) die Rückgabe Finnlands.

Nach dem Tod Friedrichs (25. März 1751) kam mit Adolf Friedrich (1751-71) das Haus Holstein-Gottorp auf den schwedischen Thron. Den sanften, langmütigen König schränkte die übermütige Oligarchie nicht nur möglichst ein, indem sie ihm im Staatsrat nur zwei Stimmen gewährte und der Rat, wenn er einem Beschluß seine Unterschrift versagte, den Namen des Königs eigenmächtig darunter drückte, sondern sie gefiel sich auch darin, ihn durch Vorwürfe, Verweise und Bestrafung seiner Anhänger zu beleidigen und zu reizen. Dem staatsverderblichen Treiben des Adels gegenüber bildete sich daher 1756 um den König eine ansehnliche Hofpartei, welche den Plan faßte, die Macht des Königs zu vermehren. Kurz vor der Ausführung wurde aber der Anschlag entdeckt und eine ganze Anzahl Verschworner auf Befehl des Reichsrats hingerichtet. Der König wagte es nicht, seine Anhänger vom Tod zu retten; seine Gewalt ward nun noch mehr vermindert, indem man ihm selbst das Recht nahm, Ämter und Stellen dem Vorschlag gemäß zu besetzen, und dasselbe dem Reichsrat übertrug. Von der nun herrschenden Gyllenborgschen Partei der Hüte ging der Anteil aus, den S. ohne rechten Zweck u. Vorteil im Interesse Frankreichs seit 1757 am Siebenjährigen Krieg nahm. Nach fünfjähriger Dauer dieses für S. wenig ehrenvollen Kriegs setzte der Friede von Hamburg (21. Mai 1762) die Verhältnisse mit Preußen wieder in den vorigen Stand. Unter dem Einfluß des Kronprinzen Gustav raffte sich Adolf Friedrich endlich 1769 zum Widerstand gegen den Adel auf: er verweigerte die Unterzeichnung eines Beschlusses des Reichstags und verlangte die Berufung eines außerordentlichen Reichstags, der den gerechten Klagen der Nation abhelfen sollte. Er erzwang auch den Zusammentritt desselben durch die Drohung mit seiner Abdankung, erlangte aber nichts Wesentliches, da er vor einem Gewaltstreich zurückscheute, und starb 12. Febr. 1771.

Die Wiederherstellung der königlichen Gewalt.

Gustav III. (1771-92), Adolf Friedrichs Sohn, war entschlossen, der verrotteten Adelswirtschaft ein Ende zu machen. Er unterzeichnete zwar in Paris, wo er sich beim Tod seines Vaters aufhielt, die ihm sofort vorgelegte Urkunde, in der er die Aufrechterhaltung der Verfassung versprach, und gab im März 1772 vor der Krönung noch eine besondere Versicherungsurkunde, schloß aber im geheimen mit Frankreich einen Vertrag, in dem er sich gegen Zahlung von Hilfsgeldern zum Umsturz jener Verfassung verpflichtete. Er erkannte wohl die Schwäche des Gegners, der, in zwei sich heftig befehdende Parteien gespalten, das Volk wie auch eine ansehnliche Hofpartei gegen sich hatte. Nachdem er im geheimen einen Teil des Heers auf seine Seite gebracht, ließ er 19. Aug. 1772 unter dem Jubel des Volkes den Reichsrat verhaften und zwang 21. Aug. den von Truppen umstellten Reichstag, eine neue Verfassung anzunehmen, welche den Reichsrat in die Schranken einer beratenden Behörde verwies und die ganze ausübende Gewalt, den Oberbefehl über die Kriegsmacht, das Recht, die höhern Beamten zu ernennen, in den Adelstand zu erheben, Bündnisse und Frieden mit fremden Mächten zu schließen und Verteidigungskriege zu beginnen, wieder der Krone übertrug. Im Sinn des aufgeklärten Despotismus wurden nun mancherlei Reformen eingeführt, die Tortur abgeschafft, das Geldwesen geordnet, Ackerbau, Handel und Bergbau gefördert. Aber die unerhörte Verschwendung des leichtfertigen und prachtliebenden Königs nötigte ihn, um seine stets leeren Kassen zu füllen, zu finanziellen Maßregeln, Einführung von Monopolen u. dgl., die ihm alle Popularität raubten und schon auf dem Reichstag von 1778, noch mehr dem von 1786 den Adel zur Erneuerung der Opposition ermutigten. 1788 begann er ohne Bewilligung des Reichstags einen ganz zwecklosen Krieg gegen Rußland, der von ihm selbst zu Land, von seinem Bruder, Herzog Karl von Södermanland, zur See sehr ungeschickt geführt wurde. Namentlich 1789 verlief der Krieg höchst unglücklich, und nur dem Seesieg Gustavs bei Svenskasund (9. Juli 1790) und den allgemeinen Weltver-^[folgende Seite]