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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schwefel

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Schwefel (Gewinnung).

in Daghestan, bei Mosul in Mesopotamien, Kairo, am Roten Meer, in Tunis, China, Japan, am Clear und Borax Lake in Kalifornien und am Popocatepetl in Mexiko, in Louisiana, auf Saba, an der Küste von Venezuela etc. Häufiger findet sich S. in Verbindung mit Metallen in Form von Kiesen, Glanzen, Blenden, welche zum Teil wichtige Erze bilden. Schweflige Säure und Schwefelwasserstoff entströmen thätigen Vulkanen. Letzteres Gas findet sich auch unter den Fäulnisprodukten, und ersteres entweicht aus den Schornsteinen von Feuerungen, in welchen schwefelhaltige Brennmaterialien verbrannt werden. Am verbreitetsten sind Schwefelsäuresalze, namentlich schwefelsaurer Kalk (Gips, Anhydrit), schwefelsaurer Baryt (Schwerspat), schwefelsaure Magnesia (Kieserit). Letztere und schwefelsaures Natron finden sich namentlich auch im Quell-, Fluß- und Meerwasser. Schwefelverbindungen sind auch im Pflanzen- und Tierreich weit verbreitet. Alle Eiweißkörper enthalten gegen 1 Proz., Wolle, Haare und ähnliche Gebilde bis 4 Proz. S., gewisse ätherische Öle aber (Senföl, Knoblauchöl) und manche Gallenbestandteile viel beträchtlichere Mengen.

Gewonnen wird der gediegen vorkommende S. durch einfaches Ausschmelzen, durch Destillation, vereinzelt auch durch Auslaugen mit Schwefelkohlenstoff. Sehr reiche Vorkommen werden auf Sizilien in Kesseln geschmolzen; meist aber wendet man Meiler (calcaroni, s. Tafel "Schwefel", Fig. 1) an, deren gestampfte Sohle gegen eine 5 m hohe Mauer a mit Stichloch c geneigt ist. Man schichtet darauf das Erz gegen einen aus eisernen Stäben gebildeten Rost b und läßt einige Zugschächte offen, durch welche der Meiler angezündet wird. Später werden die Kanäle mit Steinplatten verschlossen und der Meiler mit einer Decke aus Lehm, Erzklein etc. versehen, welche zugleich zur Regelung der Verbrennung dient. Wie der Prozeß vorschreitet, sammelt sich der S. unter dem Rost und wird von Zeit zu Zeit durch das Stichloch in nasse hölzerne Blockformen abgelassen. Der durch Verbrennen von S. entstehende Verlust beträgt bei diesem Betrieb 0,33-0,4 des Gesamtschwefelgehalts. Der gewonnene rohe S. wird meist in Frankreich raffiniert. Ähnlich ist der Betrieb mit Schachtöfen, in denen ebenfalls kein andres Brennmaterial benutzt wird. Größere Ausbeute bei bedeutend erhöhtem Aufwand an Brennmaterial und Vermeidung der Verpestung der Luft durch schweflige Säure gewährt das Ausschmelzen mit Sublimation aus thönernen oder eisernen Gefäßen. In Fig. 2 sind a gußeiserne Retorten, welche mit dem Erz beschickt und dann verschlossen werden; die Schwefeldämpfe gelangen durch die Röhren b in die Vorlage c, aus welcher der verdichtete S. in die Bassins d abfließt, um in Formen geschöpft zu werden. Bisweilen befördert man die Destillation durch Einleiten von überhitztem Wasserdampf. Vorteilhafter als diese Apparate sind die Öfen mit Dampfheizung, von welchen der Grittische (Fig. 3) folgende Einrichtung hat: a ist der äußere konische Ofenschacht von 3 m Höhe, mittels Flantsche bb auf eisernen Balken cc gelagert, welche auf Säulen dd ruhen. Der innere Schacht e besteht aus durchlöchertem Eisenblech, der Rost am untern Teil des Schachts aus zwei halbrunden, durchlöcherten und an Scharnieren beweglichen Eisenplatten. Die obere Mündung des mit Erzen zu füllenden Innenschachts ist durch einen Deckel f luftdicht verschließbar. Unter den Rost läßt sich auf einem Wagen ein Rezipient g schieben, in welchem sich der ausgeschmolzene S. sammelt, der daraus durch den Hahn h in Holzgefäße, die in der Vertiefung l stehen, abgelassen wird. Der Schacht m unter dem Ofen nimmt nach der Entfernung des Wagens die entschwefelten Rückstände nach dem Zurückklappen des Rostes auf. Durch das Rohr i strömt der Dampf zu, und k ist das Dampfableitungsrohr. Nahe der Gicht läuft ein Wagen zur Beschickung auf Schienen. Schwefelarme Erze behandelt man in einem gut verschließbaren Apparat mit Schwefelkohlenstoff, welcher den S. löst. Die Lösung gelangt in einen Destillationsapparat, in welchem nach der Verflüchtigung des Schwefelkohlenstoffs, der durch Abkühlung wiedergewonnen wird, der S. zurückbleibt. Aus den extrahierten Erzen gewinnt man den zurückgehaltenen Schwefelkohlenstoff durch Behandeln mit Wasserdampf. Der Verlust an Schwefelkohlenstoff beträgt dann nur 1,66 Proz. Viel S. wird auch aus Schwefelmetallen gewonnen, teils als Hauptprodukt der vorzunehmenden Operation, teils als Nebenprodukt bei weiterer Verarbeitung der Schwefelmetalle auf verschiedene Hüttenprodukte. Dies gilt besonders für Schwefelkies, welcher aus 46,7 Eisen und 53,3 S. besteht und in konischen, feuerfesten Röhren bei Abschluß der Luft destilliert wird. Man gewinnt 13 bis 14 Proz. S., welcher stets Arsen enthält und oft durch Thalliumgehalt orangerot gefärbt ist. Auch aus Kupferkies wird S. gewonnen.

Der rohe S. wird durch einfaches Umschmelzen, vollkommener durch Sublimation, resp. Destillation, gereinigt, wobei nicht flüchtige Verunreinigungen vollständig, flüchtige, wie Arsen, Selen (besonders in S. aus Kiesen), kaum zu entfernen sind. Leitet man die beim Erhitzen des Schwefels in geschlossenen Gefäßen sich bildenden Dämpfe in geräumige, gut abgekühlte Vorlagen, so verdichten sie sich hier zu einem zarten gelben Pulver, welches die Schwefelblumen (Schwefelblüte, Flores sulfuris) des Handels bildet. Dies Präparat enthält schweflige Säure, auch wohl Schwefelsäure und muß deshalb für gewisse Zwecke gewaschen werden. Werden die Vorlagen nicht genügend gekühlt, so erhitzen sie sich im Verlauf der Destillation immer stärker, und man erhält nun flüssigen S., welcher, in nasse Holzröhren gegossen, als Stangenschwefel in den Handel kommt. Lamys Apparat in Marseille (Fig. 4 u. 5) besteht aus zwei eisernen Cylindern a a von 1,5 m Länge, welche von der Flamme umspült werden, die dann durch den Kanal b emporsteigt und den Schmelzkessel c umspült. Der geschmolzene S. fließt durch das Rohr d in die Retorte, verflüchtigt sich hier und gelangt durch a' dampfförmig in die geräumige Kammer e, welche durch eine Thür zugänglich ist. Ein Ventil läßt die bei der Erhitzung sich ausdehnende Luft entweichen. Durch einen Schieber f kann die Retorte gegen die Kammer abgesperrt werden. Der geschmolzene S. wird durch g abgelassen und aus dem Bassin h in die Formen i gefüllt. Einige Übelstände dieses Apparats führten zur Konstruktion des Apparats von Dujardin in Merrem bei Antwerpen (Fig. 6 u. 7) mit linsenförmigem gußeisernen Behälter a, welcher durch die Feuerung b geheizt und durch das Rohr d aus dem Vorwärmkessel c mit flüssigem S. gespeist wird, sobald man den Zapfen e hebt. Durch die mit Ventil f versehene Röhre g gelangen die Schwefeldämpfe in die Kondensationskammer, welche für Darstellung von Schwefelblumen 600 cbm Inhalt hat. Durch h werden die Rückstände (grauer oder Roßschwefel, Schwefelschlacke) ausgeräumt, sie fallen durch das Rohr i in den Kasten k. Noch einfacher ist ein deutscher Apparat (Fig. 8). Derselbe besteht aus zwei gußeisernen Kesseln a und b, die durch eine anschraubbare Knieröhre c miteinan-^[folgende Seite]