Schnellsuche:

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schwedisch-Pommern; Schwedischgrün; Schwedler; Schwedt; Schwefel

723

Schwedischgrün - Schwefel.

Konsonanz. Antretende Flexionskonsonanten (s und t) ändern daran nichts. Von Konsonanten lauten k vor weichen Vokalen (ä, e, i, ö) und tj immer fast wie tch (nicht ganz wie tsch), g vor weichen Vokalen wie j; gj und dj lauten nur wie j; h vor Konsonanten ist stumm, s im Anlaut immer scharf; fv = weichem v; skj, stj und sj immer, sk vor weichen Vokalen = sch. Als Hilfsmittel für die Geschichte der Sprache sind zu empfehlen: Rydquist, Svenska språkets lagar (Stockh. 1850-83, 6 Bde.); Söderwall, Hufvudepokerna af svenska språkets utbildning (Lund 1870); Derselbe, Ordbok öfver svenska medeltids-språket (Stockh. 1886); Petersen, Det svenske sprogs historie (in "Det danske etc. sprogs historie", Tl. 2, Kopenh. 1830); Munch, Forn-svenskans och forn-norskans språkbyggnad (Stockh. 1849); Dieterich, Svensk språklära etc. (das. 1850). Unter den zahlreichen schwedischen Grammatiken der neuern Sprache nennen wir die von Ljungberg (1756), Sahlstedt (1769), Fryxell (13. Aufl. 1865), Tullberg (1836), Almquist (3. Aufl. 1840), dann die von der schwedischen Akademie herausgegebene (1836), die von Sjöborg (deutsch als "Schwedische Sprachlehre für Anfänger", 5. Aufl., Strals. 1841), ferner (als sehr empfehlenswert) die von Dieterich ("Ausführliche schwedische Grammatik", 2. Aufl., Stockh. 1848) und von Jessen (Christ. 1869). Wörterbücher lieferten Sahlstedt ("Svensk ordbok med latinsk uttolkning", 1773), Dalin (Stockh. 1869; Handwörterbuch, das. 1868), Kindblad (das. 1867-71, 3 Bde.). Ein von der schwedischen Akademie herausgegebenes "Ordbok öfver svenska språket" erscheint seit 1870; eine "Ordlista", herausgegeben von der Akademie, erschien in 4. Auflage Stockholm 1880. Schwedisch-deutsche Wörterbücher besorgten Möller (2. Aufl., Leipz. 1808) und Helms (3. Aufl., das. 1887).

Schwedischgrün, s. v. w. Scheelesches Grün.

Schwedisch-Pommern, s. Pommern, S. 218.

Schwedler (Svedlér), Bergstadt im ungar. Komitat Zips, an der Göllnitz, mit Bergbau auf Eisen, Fahlerze und Kupfer und (1881) 1893 Einw.

Schwedler, Johann Wilhelm, Ingenieur, geb. 23. Juni 1823 zu Berlin, widmete sich dem Baufach, trat 1845 als Feldmesser in den Staatsdienst, absolvierte bis 1852 die Staatsprüfungen, war dann praktisch beschäftigt beim Bau der Potsdam-Magdeburger Eisenbahn, beim Siegbrückenbau bei Siegburg, beim Bau der Köln-Gießener Eisenbahn, ward 1858 im Handelsministerium angestellt und 1873 zum Geheimen Oberbaurat befördert. 1859-76 war er zugleich Lehrer an der Bauakademie, zuerst für Maschinenbau, dann für sein Hauptfach, die mathematische Baukonstruktionslehre und Brückenbau. Hier war er erfolgreich bemüht, die mathematisch-physikalische Richtung im Bau- und Ingenieurwesen zur Geltung zu bringen. Seine Hauptthätigkeit galt der Förderung des Brückenbaues. Er wies nach, daß die früher konstruierten eisernen Gitterbrücken bei großem Materialaufwand viel zu wenig Widerstandsfähigkeit in sich besitzen, und es gelang ihm, sie durch zweckmäßigere Konstruktionen zu ersetzen. Der von S. seit 1864 angewandte hyperbolische Träger mit selbst bei der größten Druckbelastung nur auf Zug beanspruchten Diagonalstäben fand als "Schwedler-Träger" vielfache Verwendung. 1866 veröffentlichte er die Konstruktion der Kuppeldächer nach einer neuen Theorie mit den statischen Berechnungen und Konstruktionszeichnungen mehrerer hiernach ausgeführter Bauten. Um die mechanische Arbeit beim Öffnen und Schließen von Drehbrücken möglichst zu vermindern, konstruierte er 1866 einen neuen Mechanismus, welcher sich bewährt und bereits bei einer größern Zahl von Drehbrücken Anwendung gefunden hat. S. bereiste 1875 bei Gelegenheit der Weltausstellung in Philadelphia die Vereinigten Staaten Nordamerikas, um von den dortigen Brückenbauten Kenntnis zu nehmen. 1880 wurde er zum Mitglied der Akademie des Bauwesens ernannt.

Schwedt, ehemalige Herrschaft im Kurfürstentum Brandenburg, war von 1481 an im Besitz der Grafen von Hohenstein, nach deren Aussterben (1609) sie heimfiel und der Ukermark zugeteilt ward. Im 17. Jahrh. diente sie mehrfach als Witwensitz der Kurfürstinnen von Brandenburg. 1689 wurde sie jedoch dem dritten Sohn des Kurfürsten Friedrich Wilhelm aus zweiter Ehe, Philipp Wilhelm, gegeben, welcher sich gleich seinen beiden Söhnen Markgraf von Brandenburg-S. nannte. Nachdem auch diese Linie 1788 mit Heinrich Friedrich wieder ausgestorben war, fiel die Herrschaft S. an Preußen. Ein langer Prozeß über den Besitz der Herrschaft, geführt zwischen Staat und Krone, ward 1872 zu gunsten der letztern entschieden.

Schwedt, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Potsdam, Kreis Angermünde, an der Oder und der Linie Angermünde-S. der Preußischen Staatsbahn, hat breite, mit Bäumen besetzte Straßen, 3 evangelische und eine kath. Kirche, eine Synagoge, ein Schloß aus dem 17. und 18. Jahrh. mit Park, ein Gymnasium, ein Amtsgericht, eine Reichsbanknebenstelle, eine Hagel- und Feuerversicherungsanstalt, bedeutende Tabaks- und Zigarrenfabrikation, Holzschneidemühlen, Kalkbrennerei, Handel mit Tabak, Zigarren und Spiritus und (1885) mit der Garnison (ein Dragonerregiment Nr. 2) 9756 meist evang. Einwohner. In der Nähe das Lustschloß Monplaisir mit Park. S. wird schon 1138 erwähnt und erscheint 1265 als Stadt. 1479 kam es definitiv an Brandenburg, wurde 1684 nach einem großen Brand von der Kurfürstin Dorothea neu erbaut und war 1689-1788 Sitz der Markgrafen von Brandenburg-S. Vgl. Thomä, Geschichte der Stadt und Herrschaft S. (Berl. 1873).

Schwefel (lat. Sulfur, hierzu Tafel "Schwefelgewinnung") S, chemisch einfacher Körper, findet sich im freien Zustand in rhombischen Kristallen, auch in kugeligen und stalaktitischen Aggregaten, als Überzug, derb, eingesprengt (s. Tafel "Mineralien und Gesteine", Fig. 11), pulverförmig, oft durch Thon, Bitumen, Selen oder Schwefelarsen verunreinigt, in Lagern und Nestern in Kalkstein, Gips und Mergel, im Flöz- und tertiären Gebirge, selten in Lagern und Gängen im kristallinischen Schiefer- und Übergangsgebirge und im Granit, auch auf und in Stein- und Braunkohlenflözen. Ablagerungen von S. bilden sich noch jetzt durch Verdichtung von Schwefeldämpfen und Zersetzung von Schwefelverbindungen, welche in vulkanischen Gebieten aus der Erde hervordringen. In den Solfataren wird S. aus Schwefelwasserstoff durch Einwirkung von Luft oder schwefliger Säure abgeschieden; auch aus schwefelwasserstoffhaltigen Quellen (Schwefelwässern) bilden sich Ablagerungen von S. In pyritreichen Braunkohlen- und Alaunschieferlagern bilden sich durch den Verwitterungsprozeß Eisenvitriol, schwefelsaure Thonerde und S., welcher sich in Klüften absetzt. Weitaus am bedeutendsten sind die Schwefellager in der Molasse Siziliens; außerdem finden sich zum Teil sehr mächtige Lager in der Romagna, bei Radobay in Kroatien, in den Karpathen, in Oberschlesien, Polen, Spanien, auf Korfu, im Kaukasus und