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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schweiz

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Schweiz (Grenzen, Areal und Bevölkerung, Gebirge, Gewässer).

der Mitte Europas, gelegen, wird im O. von Österreich (und Liechtenstein), im Süden von Italien und Frankreich, im W. von Frankreich und im N. von dem Deutschen Reich (Elsaß, Baden, Württemberg, Bayern) begrenzt. Die Umrißform ähnelt dem Oval; die westöstliche Längsachse mißt 347, die nordsüdliche Querachse 221 km. Eine Übersicht der Kantone, deren Areal und Bevölkerung gibt folgende Tabelle:

Areal, Bevölkerung und Religionsbekenntnisse der Schweiz (1. Dezember 1888).

Kantone (in historischer Reihenfolge) Areal Volkszahl Protestanten Katholiken Juden Andre Konfessionen Einw. auf 1 QKilom.

QKilom. QMeilen (1888) (1888)

1) Zürich 1725 31,32 339014 294236 40402 1416 2960 196

2) Bern (16 Proz. französisch) 6889 124,02 539271 468096 68226 1247 1702 78

3) Luzern 1501 27,26 135780 7939 127533 215 93 90

4) Uri 1076 19,54 17284 378 16892 3 11 16

5) Schwyz 908 16,49 50396 1097 49289 2 8 55

6) Unterwalden ob dem Wald 475 8,63 15032 331 14699 - 2 32

" nid dem Wald 290 5,27 12524 126 12397 - 1 43

7) Glarus 691 12,55 33800 25935 7790 15 60 49

8) Zug 239 4,34 23120 1394 21696 18 12 98

9) Freiburg (franz., 31 Proz. deutsch) 1669 30,31 119562 18869 100524 127 42 71

10) Solothurn 784 14,24 85720 21898 63539 154 129 109

11) Baselstadt 36 0,65 74251 50305 22426 1078 442 2062

Baselland 422 7,66 62133 48847 12961 165 160 147

12) Schaffhausen 294 5,34 37879 32890 4813 26 150 128

13) Appenzell-Außerroden 261 4,74 54200 49555 4502 26 117 208

" -Innerroden 159 2,89 12906 697 12206 - 3 81

14) St. Gallen 2019 36,67 229441 92705 135796 575 365 113

15) Graubünden (46 Proz. deutsch, 14 Proz. ital. u. 40 Proz. rätoromanisch) 7185 130,49 96291 52842 43320 43 86 13

16) Aargau 1404 25,50 193828 106408 85962 1064 394 138

17) Thurgau 988 17,94 105091 74282 30337 61 411 106

18) Tessin 2818 51,18 127274 1079 125748 13 434 45

19) Waadt (franz., 10 Proz. deutsch) 3223 58,53 251288 227467 22428 638 755 78

20) Wallis (franz., 32 Proz. deutsch) 5247 95,29 101925 865 101013 3 44 19

21) Neuenburg (franz., 21 Proz. deutsch) 808 14,67 109047 95047 12692 774 534 135

22) Genf (franz., 12 Proz. deutsch). 279 5,07 107000 51669 52817 723 1791 347

Zusammen: 41390 751,59 2934057 1724957 1190008 8386 10706 71

58,79 Proz. 40,56 Proz. 0,29 Proz. 0,36 Proz. -

Physische Verhältnisse.

[Gebirge.] Vom ganzen Gebiet lassen sich nur einige schmale Ufersäume als Niederungen betrachten: das Rheinthal von der Aaremündung abwärts (Basel 248 m ü. M.) und das Becken des Lago Maggiore (197 m) mit drei an ihm ausmündenden Thalstufen. Die Höhenunterschiede wechseln, auf einer Stufenleiter von 4441 m auf und nieder schwankend (Dufourspitze 4638 m), so rasch, daß die S. zu den ausgesprochensten Gebirgsländern gehört. Das Hauptgebirge sind die Zentral- oder Schweizeralpen, und diese sind da, wo sie in ihrer vollen Entwickelung auftreten, ein Hochgebirge (näheres über die Schweizeralpen s. Alpen und die betreffenden Einzelartikel, über die Verbreitung der Gletscher s. d.). Ihnen nicht ganz parallel erstreckt sich das Mittelgebirge des Jura durch den westlichen und nördlichen Teil des Landes und zwischen beiden eingelagert die Schweizer Hochebene, welche durch eine Zone von Voralpen allmählich zu den Hochalpen hinansteigt. Die Hochebene, der angebauteste und bevölkertste Teil der S., liegt in den Thalsohlen meist um 400-500 m ü. M. (Genfer See 375 m, Neuenburger See 433 m, Vierwaldstätter See 437 m, Zürichsee 409 m, Bodensee 398 m). In den Hügeln der Schweizer Hochebene bilden jüngere Ablagerungen von Meer- und Süßwassersandstein sowie Nagelfluh die vorwiegenden Felsarten, während im Jura und in den Voralpen die Kalkformation, in vielen Teilen der Hochalpen Urgebirge (Granit und Gneis) vorwalten. Die einzelnen Gaue tragen im Volksmund noch immer ihre besondern Namen, als: Gros de Vaud, das Mittelstück des Waadtlandes, dessen Weingehänge am Genfer See La Côte (um Nyon-Morges) und La Vaux (um Cully) heißen und zum Plateau des Jorat (deutsch Jurten, 928 m) sich erheben; das Üchtland, d. h. das Flachland Freiburgs; der Neuenburger Uferstrich Vignoble; das Seeland, zwischen Murten-, Neuenburger und Bieler See gelegen und mit dem aussichtsreichen Vully oder Wistenlach (659 m) kulminierend; das Berner Mittelland, aus welchem der Gurten (861 m) und der Bantiger Hubel (950 m) als isolierte, aussichtsreiche Hügelmassen aufragen; das untere Emmenthal; der Oberaargau; das Bucheggberger und Kriegstätter Amt; das Solothurner und das Luzerner Gäu; der Unteraargau, das Freiamt, beide durch den Lindenberg (900 m) geschieden; das Knonauer Amt, welches zum obstreichen Baarer Boden sich senkt; das Züricher Ober- und Unterland; die Ebene des Rafzerfeldes; das zwischen Winterthur und Schaffhausen gelagerte Weinland, aus welchem der Irchel (s. d.) aufragt; die thurgauischen Höhenzüge des Seerückens (s. d.) und des Ottenbergs (671 m); die Alte Landschaft oder das St. Galler Fürstenland, dessen Mitte der Tannenberg (901 m) bezeichnet.

[Gewässer.] Wie man den Verlauf der großen Abteilungen des Schweizer Hochgebirges zweckmäßig vom St. Gotthard aus verfolgt, so bildet dieser auch die große Wasserscheide für Rhein-, Rhône- und Pogebiet, während die Wiege des Schweizer Donausystems mehr nach O., in das Herz der Graubündner Alpen, verlegt ist. Das Pogebiet ist durch den Tessin und zwei Zuflüsse der Adda (Poschiavino und Maira) repräsentiert, das Donausystem nur durch den Inn. Das Rheingebiet umfaßt die nördliche Abdachung; dem Rhône gehört die westliche, dem Po die südliche und der Donau die östliche Abdachung des Landes an.