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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schweiz

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Schweiz (geographisch-statistische Litteratur; Geschichte).

bernes Kreuz im roten Feld (im großen Siegel umgeben von den 22 Wappenschilden der Kantone).

[Geographisch-statistische Litteratur.] Meyer v. Knonau, Erdkunde der schweizerischen Eidgenossenschaft (2. Aufl., Zürich 1838-39, 2 Bde.); Berlepsch, Die Alpen in Natur- und Lebensbildern (5. Aufl., Jena 1885); Derselbe, Schweizerkunde (2. Aufl., Braunschweig 1875); "Beiträge zur geologischen Karte der S." (Sammelwerk, Bern 1863 ff., bis jetzt 24 Lfgn.); Reisehandbücher von Meyer (11. Aufl., Leipz. 1889), Bädeker u. a.; das "Jahrbuch des Schweizer Alpenklubs" (Bern 1864 ff.); über die Bäder und klimatischen Kurorte der S. die Werke von Gsell Fels (2. Aufl., Zürich 1886) und Lötscher (das. 1886); Kaden, Das Schweizerland (Stuttg. 1877, Prachtwerk); Weber, Neues Ortslexikon der S. (2. Aufl. von Henne-Am Rhyn, St. Gallen 1886); Studer, Geologie der S. (Bern 1851-53, 2 Bde.); Tschudi, Tierleben der Alpenwelt (10. Aufl., Leipz. 1875); Heer, Urwelt der S. (2. Aufl., Zürich 1879); Christ, Das Pflanzenleben der S. (das. 1879); Ziegler, Die Gewerbthätigkeit der S. (Winterth. 1858); Bär, Die Industrie der S. (Leipz. 1859); Emminghaus, Die schweizerische Volkswirtschaft (das. 1860, 2 Bde.); Egli, Neue Schweizerkunde (8. Aufl., St. Gallen 1889); Derselbe, Taschenbuch schweizerischer Geographie, Volkswirtschaft und Kulturgeschichte (2. Aufl., Zürich 1878); Böhmert, Arbeiterverhältnisse und Fabrikeinrichtungen der S. (das. 1873, 2 Bde.); Wirth u. a., Beschreibung und Statistik der S. (das. 1870-75, 3 Bde.); Furrer, Volkswirtschaftslexikon der S. (Bern 1885 ff.); Bavier, Die Straßen der S. (Zürich 1878); Grob, Jahrbuch des Unterrichtswesens in der S. (das. 1889); Feiß, Das Wehrwesen der S. (2. Aufl., das. 1880); Blumer, Handbuch des schweizerischen Bundesstaatsrechts (2. Aufl., Schaffh. 1877); Dubs, Das öffentliche Recht der schweizerischen Eidgenossenschaft (Zürich 1877, 2 Bde.); v. Orelli, Das Staatsrecht der schweizerischen Eidgenossenschaft (Freiburg 1885); "Bundesblatt der schweizerischen Eidgenossenschaft" (1848 ff.); die Publikationen des eidgenössischen Statistischen Büreaus, die jährliche Statistik der einzelnen Verwaltungszweige, wie Post- und Telegraphenstatistik etc. - Kartenwerke: "Topographische Karte der S." (1:100,000, 1846-1865, 25 Bl.); "Topographischer Atlas der S. im Maßstab der Originalaufnahmen" (Hochgebirge 1:50,000, Hochebene und Jura 1:25,000; seit 1870 sind von den 546 Bl. etwas über die Hälfte erschienen); "Karte der S." (1:250,000, 1871-75, 4 Bl.); die Karten von Keller (1:200,000, in 8 Bl., 1889), Ziegler (1:380,000, 4 Bl.) und Leuzinger (1:500,000, 1882); Studer und Escher v. d. Linth, Geologische Karte der S. (1:380,000, 1874). Reliefkarten der S. lieferten Leuzinger (Winterth. 1884), Bürgi (Basel), E. Beck (Bern), Imfeld (Sarnen), Schöll (St. Gallen).

Geschichte.

Die Entstehung der Eidgenossenschaft.

Die S., in ältester Zeit von den Helvetiern (s. d.) und den Rätiern (s. d.) bewohnt, gehörte seit deren Unterwerfung zum römischen Reich. Während der Völkerwanderung ließen sich zwei germanische Stämme in der S. nieder, die heidnischen Alemannen im Nordosten (um 406) und die christlichen Burgunder im Westen (um 450), erstere gewaltsam und mit Ausrottung der römisch-christlichen Kultur, letztere durch friedlichen Vertrag mit den bisherigen Einwohnern, mit denen sie bald verschmolzen; daher das romanische Volkstum der Westschweiz. Im Südosten, dem jetzigen Graubünden, erhielt sich die römisch-rätische Bevölkerung unter dem Schutz des Ostgotenkönigs Theoderich. Mit der Unterwerfung der Alemannen durch Chlodwig (496), der Burgunder durch seine Söhne (532) und der Abtretung Rätiens seitens der Ostgoten (536) kam die S. unter fränkische Herrschaft, durch den Vertrag von Verdun (843) der östliche Teil an das ostfränkische Reich, während der westliche erst einen Teil des Reichs Lothars, seit 888 des hochburgundischen Reichs bildete, welches 933 mit dem niederburgundischen zum Reich Arelat vereinigt wurde und 1032 an Kaiser Konrad II. fiel; somit gehörte nunmehr die ganze S. zum Deutschen Reich.

Im 12. Jahrh. nahmen die Herzöge von Zähringen als Besitzer bedeutender Allodialgüter, als Landgrafen vom Thurgau, Reichsvögte von Zürich (seit 1097) und "Rektoren" von Burgund (seit 1127) eine fürstliche Stellung in der S. ein; als Gegengewicht gegen den Adel begünstigten sie das Städtewesen, wie denn Berchtold IV. Freiburg i. Ü. (1177) und Berchtold V. Bern (1191) gründete. Mit letzterm starb 1218 das Geschlecht aus; Friedrich II. zog ihr Rektorat und die Reichsvogtei ein, und viele Dynasten und Städte waren fortan reichsunmittelbar. Unter den Dynasten ragten die Grafen von Habsburg hervor, welche als Landgrafen vom Aargau, Zürichgau und Thurgau, als Vögte vieler Klöster und als Besitzer zahlreicher, über das ganze Land zerstreuter Grundherrschaften ein ausgedehntes Gebiet beherrschten und voraussichtlich Landesfürsten der S. geworden wären, wenn nicht die sogen. Waldstätten, Uri, Schwyz und Unterwalden, welche sich von Kaiser Friedrich II. Freiheitsbriefe hatten erteilen lassen, zu deren Schutz gegen Albrecht von Österreich 1. Aug. 1291 ein ewiges Bündnis geschlossen hätten. Indem sie sich für Adolf von Nassau erklärten, erlangten sie von diesem die Erneuerung ihrer Freiheitsbriefe und wurden von Kaiser Heinrich VII. von Luxemburg 3. Juni 1309 förmlich für reichsfrei erklärt. Als die Waldstätten in dem Thronstreit zwischen Ludwig dem Bayern und Friedrich von Österreich sich für erstern erklärten, that sie Friedrich in die Acht und beauftragte mit deren Vollziehung seinen Bruder Leopold, der aber mit seinem stattlichen Ritterheer durch die Schweizer eine blutige Niederlage am Morgarten erlitt (15. Nov. 1315), worauf die Waldstätten zu Brunnen den Ewigen Bund erneuerten (9. Dez. 1315). Ludwig bestätigte den Eidgenossen ihre Freiheitsbriefe (29. März 1316), und die Habsburger schlossen mit ihnen einen Waffenstillstand (19. Juli 1318). Dies ist der wirkliche Verlauf der Entstehung der Eidgenossenschaft; die Erzählung vom Versuch König Albrechts, die Urkantone durch unmenschliche Vögte (Geßler und Landenberg) zur Unterwerfung zu zwingen, vom Schwur auf dem Rütli und vom Schuß Tells ist eine im 15. und 16. Jahrh. entstandene Sage (s. Tell).

Der Eidgenossenschaft traten Luzern (7. Nov. 1332), Zürich (1. Mai 1351), Glarus (4. Juni 1352), Zug (27. Juni 1352) und Bern (6. März 1353) bei, durch dessen Anschluß der Bund der sogen. acht alten Orte vollendet war. Um den Übergriffen der Geistlichkeit, namentlich ihrem Anspruch auf Exemtion von den weltlichen Gerichten, entgegenzutreten, schlossen sechs Orte (ohne Bern und Glarus) die als Pfaffenbrief bekannte Übereinkunft vom 7. Okt. 1370, wonach auch die Geistlichen und Edlen sich den heimischen Gerichten zu stellen hatten. Zwar kam auf dem Konstanzer Tag (21. Febr. 1385) eine Allianz zwischen den Eidgenossen und dem Rhei-^[folgende Seite]