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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schweiz

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Schweiz (Geschichte 1386-1500).

nisch-Schwäbischen Städtebund zu stande; aber als die Schweizer den Krieg gegen Österreich begannen, blieben sie auf sich allein angewiesen. Dennoch erfochten sie 9. Juli 1386 bei Sempach über ein 6000 Mann starkes Ritterheer unter Leopold von Österreich einen glänzenden Sieg. Nachdem auch die Glarner den Österreichern eine vernichtende Niederlage bei Näfels (9. April 1388) beigebracht hatten, kam 1. April 1389 ein für die Eidgenossen günstiger Friede zu stande. Die Folge war, daß Appenzell sich gegen den Abt von St. Gallen erhob, bei Vögeliseck (1403) und am Stoß (1405) sich siegreich verteidigte und 1411 unter den Schutz der Eidgenossenschaft aufgenommen wurde. Als 1415 Herzog Friedrich von Tirol wegen seiner Erhebung gegen das Konstanzer Konzil vom Kaiser Siegmund geächtet wurde, entrissen die Schweizer Österreich den Aargau.

Infolge eines Streits über die Erbschaft der Grafen von Toggenburg brach 1436 zwischen Zürich und Schwyz der sogen. alte Zürichkrieg aus, in welchem die Eidgenossenschaft für Schwyz Partei ergriff. Da schloß Zürich 17. Juni 1442 einen Bund mit Kaiser Friedrich III., auf dessen Ansuchen der Dauphin Ludwig mit 30,000 Armagnaken (s. d.) in die S. einfiel, aber durch den heldenmütigen Widerstand von 1200 Eidgenossen bei St. Jakob a. d. Birs (26. Aug. 1444) zum Rückzug und zum Frieden von Ensisheim (28. Okt. 1444) bewogen wurde, dem später (27. Febr. 1453) ein "ewiger Freundschaftsvertrag" folgte; Zürich mußte sein Bündnis mit Österreich aufgeben, und der Schweizerbund wurde 13. Juli 1450 aufs neue befestigt. Als Herzog Siegmund von Tirol vom Papst Pius II. mit dem Bann belegt wurde, erklärten ihm die Eidgenossen den Krieg, eroberten fast den ganzen österreichischen Thurgau (1460) und zwangen Siegmund im Waldshuter Frieden (27. Aug. 1468), ihnen für eine Kriegskostensumme von 10,000 Guld. den Schwarzwald mit Waldshut zu verpfänden. Siegmund suchte sich von dieser Verpflichtung zuerst mit Hilfe Karls des Kühnen von Burgund zu befreien, schloß aber, als er in drückende Abhängigkeit von demselben geriet, unter Vermittelung Ludwigs XI. von Frankreich mit der S. 30. März 1474 die ewige Richtung, welchem Bündnis auch die elsässischen Reichsstädte beitraten. Auf Siegmunds Antrieb erklärten die Eidgenossen 1475 Karl dem Kühnen den Krieg, schlugen 14. Nov. ein burgundisches Heer bei Héricourt, erfochten über Herzog Karl selbst die glänzenden Siege von Granson (2. März 1476) und Murten (22. Juni) und zogen dann dem Herzog von Lothringen zu Hilfe nach Nancy, wo Karl 5. Jan. 1477 Schlacht und Leben verlor. Mit seinem Erben Maximilian kam im Januar 1478 ein "ewiger Friede" zu stande. In demselben Jahr unternahmen die Eidgenossen einen Kriegszug gegen Mailand und sicherten sich durch den Sieg bei Giornico (28. Dez. 1478) den Besitz des schon in frühern Kämpfen (1403-40) erworbenen Livinenthals.

Begründung der staatlichen Selbständigkeit.

Seit den Burgunderkriegen, in welchen die Eidgenossen reiche Beute und Kriegsruhm gewonnen hatten, wurde die S. der große "Menschenmarkt", auf welchem die Regenten Europas, besonders Frankreich, ihre Soldtruppen anwarben, nachdem sie durch Bestechung der Regierungen und der einflußreichen Männer die Erlaubnis sich ausgewirkt hatten. Das "Reislaufen" wurde ein gewöhnlicher Erwerbszweig der Schweizer und förderte durch das hereinströmende Geld Wohlstand und Kultur, hatte aber infolge der Käuflichkeit der Großen und der Massen sowie der Verwilderung der Söldner den verderblichsten Einfluß auf das Volksleben. Auch den innern Frieden zerstörte es. Die "Länder" waren auf die "Städte" eifersüchtig, die den größten Vorteil von den Soldverträgen und der Kriegsbeute zogen, ihre Gebiete erweiterten und immer mehr die Leitung der Eidgenossenschaft an sich rissen. Als daher Berns alte Verbündete, Freiburg und Solothurn, um Aufnahme in den Bund nachsuchten, wurden sie von den Ländern hartnäckig zurückgewiesen, worauf die Städte mit denselben ein "ewiges Burgrecht" schlossen (23. Mai 1477), einen Sonderbund, dem die Länder mit Aufwiegelung der Unterthanen Luzerns antworteten. Nach langen Verhandlungen, auf welche der fromme Einsiedler Niklaus von der Flüe einen hervorragenden Einfluß ausgeübt haben soll, wurde auf einer Tagsatzung zu Stans 22. Dez. 1481 der Sonderbund der Städte aufgelöst, Freiburg und Solothurn in den Ewigen Bund aufgenommen und das sogen. Stanser Verkommnis vereinbart, der wichtigste Bundesvertrag der alten S., der Bestimmungen zum Schutz des Landfriedens und der obrigkeitlichen Gewalt traf sowie die Verteilung der Kriegsbeute nach der Anzahl der Mannschaft und der Eroberungen nach den Orten festsetzte.

Das Band, welches die S. mit dem Deutschen Reich verknüpfte, lockerte sich immer mehr, zumal der alte Haß gegen die Habsburger sich auf die deutsche Kaiserkrone übertrug, deren Träger jene waren. Die Einladung zum Eintritt in den Schwäbischen Bund lehnten die Eidgenossen ebenso ab wie die Aufforderung, zum Reichskammergericht und zum Gemeinen Pfennig beizutragen. Als dennoch das Kammergericht eine Klage gegen die Stadt St. Gallen annahm, sie verurteilte und, als sie Gehorsam verweigerte, mit der Reichsacht belegte, ergriff Kaiser Maximilian, über die Widersetzlichkeit der Schweizer und ihren Bund mit Frankreich längst erbittert, die Gelegenheit zu einem Kriege gegen die Eidgenossenschaft, die sich inzwischen durch den Beitritt der rätischen Bünde vergrößert hatte; derselbe begann mit der Besetzung des bündnerischen Münsterthals durch die Tiroler (Januar 1499). Aber in allen Gefechten zeigte sich die Unfähigkeit des deutschen Reichskriegswesens gegenüber den kampfgeübten Schweizerscharen. Im Heer des Schwäbischen Bundes, das unvollständig und schlecht bewaffnet zusammenkam, herrschten Zwietracht und Unlust am Kampf, welche Maximilian selbst nicht zu überwinden vermochte. Wiederholt wurden die Deutschen besiegt, das Gebiet um den Bodensee verwüstet und endlich 22. Juli 1499 ein größeres Reichsheer unter dem Grafen von Fürstenberg von den Schweizern bei Dorneck a. d. Birs überfallen und vernichtet. Da gab Maximilian den Kampf auf und schloß unter Vermittelung Lodovico Moros von Mailand 22. Okt. 1499 den Frieden von Basel, welcher die S. von den Reichssteuern und dem Kammergericht lossprach. Als "Verwandte" gehörten die Eidgenossen zwar noch bis zum Westfälischen Frieden zum Deutschen Reich, thatsächlich aber waren sie fortan unabhängig.

Einen hervorragenden Anteil nahmen die Schweizer an den Kämpfen in Italien. Mit ihrer Hilfe eroberte Karl VIII. 1494 vorübergehend Neapel und gewann Ludwig XII. 1500 Mailand, nachdem Lodovico Moro von seinen ebenfalls aus Eidgenossen bestehenden Söldnern verlassen und verraten worden war. Papst Julius II. wußte sie jedoch durch den Bischof von Sitten, Kardinal Schinner, für seinen