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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Sediment - See.

thätig und ward 1832 Sekretär am Collège de France sowie (an seines Vaters Stelle) an der Schule für lebende orientalische Sprachen, welche Stellungen er über 30 Jahre bekleidete. Er starb 2. Dez. 1875. S. gab seines Vaters Übersetzung von Abd ul Hassan Alis "Abhandlung von den astronomischen Instrumenten" (Par. 1834 ff., 2 Bde. nebst einem Supplement von ihm selbst als Bd. 3) heraus und schrieb zahlreiche Werke, wovon wir anführen: "Lettres sur quelques points de l'astronomie orientale" (1834 u. 1859); "Manuel de chronologie universelle" (1835, 6. Aufl. 1865); "Recherches nouvelles pour servir à l'histoire des sciences mathématiques chez les Orientaux" (1837); "Mémoire sur les systèmes géographiques des Grecs et des Arabes" (1842); "Matériaux pour servir à l'histoire comparée des sciences mathématiques chez les Grecs et les Orientaux" (1845-49, 2 Bde.); "Histoire des Arabes" (1854; 2. Aufl. 1876, 2 Bde.) u. a. Auch gab er Ulug Begs "Astronomische Tafeln" (mit Übersetzung und Kommentar, 1847-53, 2 Bde.) heraus.

Sedimént (lat., Ablagerung), in der Geologie Ablagerung (Niederschlag), welche aus dem Wasser teils bloß mechanisch, d. h. nach dem Gesetz der Schwere, teils aus aufgelöstem Zustand durch Verdunstung des Lösungsmittels erfolgt ist und sich zunächst der Gestalt der Bodenoberfläche anschmiegt; in der Chemie Bodensatz, welcher sich bei ruhigem Stehen einer Flüssigkeit ohne Zusatz eines Fällungsmittels bildet.

Sedimentär, durch Niederschlag entstanden, satzartig.

Sediméntgesteine (Neptunische Gebirgsarten), durch Niederschlag im Wasser entstandene Gesteine; s. Geologie, S. 128, und Gesteine.

Sedisvakánz (lat.), die Erledigung des päpstlichen Stuhls (s. Konklave).

Sedisvakánzmünzen (Kapitelmünzen), Münzen der geistlichen Staaten, welche seit dem 16. Jahrh. bei Erledigung des päpstlichen Stuhls, der Erzbistümer und Bistümer geprägt wurden. Vgl. Zepernick, Die Kapitels- und Sedisvakanzmünzen und -Medaillen (Halle 1822, Nachträge 1825 u. 1834).

Sedition (lat.), Empörung; seditiös, aufrührerisch.

Sedletz, Ort, s. Kuttenberg.

Sedlnitzky von Choltiz, Leopold, Graf, geb. 29. Juli 1787 in Österreichisch-Schlesien, trat in den geistlichen Stand, wurde Dompropst zu Breslau, 1836 Administrator des Bistums und dann Fürstbischof, als welcher er sich allgemeine Liebe erwarb. Als er sich weigerte, in der Frage der gemischten Ehen von der bisherigen Praxis abzuweichen, ward er von der streng papistischen Partei verfolgt, zerfiel mit der römischen Kurie, resignierte deshalb 1840 auf das Bistum, wurde mit einem Gehalt aus Friedrich Wilhelms IV. Privatschatulle Wirklicher Geheimer Rat und Mitglied des Staatsrats, trat 1863 zur evangelischen Kirche über und starb als der letzte seines Stammes 25. März 1871 in Berlin, wo er ein Seminar für protestantische Theologie Studierende (das Paulinum) gestiftet hatte. Seine Selbstbiographie erschien in Berlin 1872.

Sedschade (arab.), kleiner Teppich, auf welchem die sunnitischen Mohammedaner ihr Gebet zu verrichten pflegen, ist auf der Kopfseite mit irgend einer eingewebten Arabeske gekennzeichnet. Die Schiiten verwerfen diese Sitte.

Sedschestan, pers. Provinz, s. Seïstan.

Sedulität (lat.), Geschäftigkeit.

Sedulius, Cölius, christlicher latein. Dichter des 5. Jahrh., verfaßte ein Gedicht über die Wunder Christi in 5 Büchern ("Carmen paschale") nach den Evangelien in leichter, Vergil nachahmender Darstellung, nebst einer prosaischen Übertragung ("Opus paschale") in geschraubter, schwülstiger Sprache, eine gekünstelte Vergleichung des Alten und Neuen Testaments in 55 Distichen ("Collatio Veteris et Novi Testament") und einen alphabetischen Hymnus auf Christus in 23 vierzeiligen iambischen Strophen und häufigen Schlußreimen. Ausgabe von Huemer (im "Corpus scriptorum ecclesiasticorum", Bd. 10, Wien 1885). Vgl. Huemer, De Sedulii poetae vita et scriptis (Wien 1878); Leimbach, Über den christlichen Dichter C. S. (Gosl. 1879).

Sedum L. (Mauerpfeffer, Fetthenne), Gattung aus der Familie der Krassulaceen, kahle oder drüsig behaarte, fleischige, aufrechte oder niederliegende, meist ausdauernde Kräuter und Halbsträucher mit gegen-, wechsel- oder wirtelständigen, fleischig-saftigen Blättern, in Dichasien mit Wickelenden oder in Wickeln von doldenartiger, doldentraubiger oder rispiger Anordnung stehenden Blüten und mehrsamigen Balgkapseln. Etwa 120 Arten in den gemäßigtern bis kältern Klimaten der nördlichen (besonders östlichen) Erdhälfte. S. acre L. (Steinpfeffer, gemeiner Mauerpfeffer), mit unten kriechendem Stengel, rundlich-ovalen, angedrückten Blättern und gelben Blüten, wächst an sonnigen Stellen durch ganz Europa, ausdauernd. Das frisch scharf pfefferartig schmeckende, die Haut rötende Kraut wurde früher gegen Hautkrankheiten etc. angewendet. Auch von S. album L. (Taubenweizen, weiße Tripmadam), mit walzenförmigen Blättern und weißen Blüten, an sonnigen Stellen auf Mauern, Dächern und Felsen durch ganz Europa, ausdauernd, war früher das frische Kraut offizinell. Die zarten Blätter benutzt man als Salat und in Suppen, weshalb es auch in Gärten kultiviert wird. Dasselbe geschieht mit S. Anacampseros L. (große Gartentripmadam), mit purpurroten oder weißen Blüten, in der Schweiz, Südfrankreich und Oberitalien auf Felsen u. Mauern, ausdauernd. Die Stengel dieser Pflanze werden in Spalten der Häuser gesteckt und dienen als Orakel für das Glück und die Lebensdauer junger Ehepaare oder der Familienglieder. S. reflexum L. (gelbe Tripmadam), mit goldgelben Blüten, an Felsen, Mauern, Ruinen, Ackerrändern, durch fast ganz Europa, ausdauernd, wird hier und da kultiviert und wie S. album benutzt. S. Telephium L. (Schmerwurzel, Geschwulstkraut, Dickblatt, Wundkraut), mit 30-60 cm hohem, aufrechtem Stengel, länglichen oder ovalen, gezahnten Blättern und weißen oder grünlichgelben, auch roten Blüten, wächst an trocknen, sonnigen Plätzen durch ganz Europa, ausdauernd. Die Wurzel und das Kraut waren früher offizinell und werden noch jetzt als Hausmittel benutzt. Viele Arten kultiviert man als Zierpflanzen. S. japonicum Sieb., mit blaugrünen, rot gesäumten Blättern und roten Blüten, wird als Ampelpflanze, auch auf Gräbern und als Einfassung in Gärten kultiviert.

Seduzieren (lat.), verleiten, verführen; Seduktion, Verführung.

See, s. v. w. Meer (die S.), daher offene S., Seebrise und Seewind; auch s. v. w. Wellen, daher hohe S., Kreuzsee und ruhige S.; in dieser Bedeutung braucht man auch die Bezeichnung Seegang; dann (der S.) Landsee, mehr oder weniger große, mit Wasser angefüllte, ringsum von Land umgebene Bodenvertiefung, welche größere Wassermengen, sei es durch Zuflüsse oder unmittelbar durch die atmosphärischen Niederschläge, empfängt und durch Abflüsse oder Verdunstung wieder abgibt. Die Seen